Asexualität

    Asexualität ist die Abwesenheit sexueller Anziehung gegenüber anderen Menschen oder das generelle Fehlen eines Interesses nach Sexualität, wobei Asexualität nicht mit sexueller Abstinenz gleichgesetzt werden kann, die einen selbst auferlegten Verzicht auf sexuelle Aktivitäten trotz vorhandener Fähigkeit und Motivation bezeichnet. Sexualität umfasst dabei neben Geschlechtsverkehr auch Küssen, Petting, Oralverkehr, Analverkehr, BDSM, oder Selbstbefriedigung. Asexuelle Menschen können sich zwar in andere Menschen verlieben und in ihrer Orientierung schwul, lesbisch, bi, hetero oder pan sein, d. h., wobei asexuelle Menschen eine romantische Partnerschaft suchen bzw. führen und ihren PartnerIinnen gegenüber Zuneigung empfinsen, aber eben keine Lust auf Sexualität verspüren.

    In der Regel zeigt sich die Asexualität bereits in der frühen Kindheit, was aber meist erst in der Pubertät sichtbar wird, dass sie anders als ihre Peers empfinden. Zwar verspüren auch andere Menschen Zeiten oder Lebensphasen, in denen sie keine oder kaum Lust auf Sexualität haben, allerdings bleibt ihre Libido im Kern erhalten. Asexualität wird dabei nicht als Krankheit verstanden, da bei Asexualität im Gegensatz zu Störungen der sexuellen Anziehung kein primärer Leidensdruck vorhanden ist und asexuelle Menschen diesen Umstand für sich selbst als passend empfinden. Es gibt jedoch auch asexuelle Menschen, die nur auf Grund eines Kinderwunsches Geschlechtsverkehr praktizieren.

    Häufig wird asexuellen Frauen unterstellt, dass sie frigide oder traumatisiert seien, obwohl Asexualität nichts mit sexueller Gehemmtheit zu tun hat und diese sich auch nicht auf Grund von Traumata entwickelt hat. Sexuelle Funktionsstörungen wie Erektionsschwäche, vorzeitiger oder verzögerter Orgasmus, Scheidenkrampf, mangelnde Libido, Schwierigkeiten beim Orgasmus oder Schmerzen bei der Sexualität gehören nicht in das Spektrum der Asexualität.

    In der Psychologie und auch Psychotherapie wird Asexualität meist als eine Form einer psychischen Auffälligkeit dargestellt, da man in diesen Domänen davon ausgeht, dass jeder Mensch zumindest in einem gewissen Ausmaß sexuelle Lust zeigen muss, um als psychisch gesund zu gelten. Teilweise leben daher asexuelle Menschen auch unter einem gewissen gesellschaftlichen Anpassungsdruck, sich „normal“, also sexuell zu verhalten. Asexuellen Menschen fällt es meist auch sehr schwer zu erklären, was sie empfinden, da sich die Abwesenheit eines sexuellen Bedürfnisses kaum in Worte fassen lässt, empfinden aber Druck, Stress, Verkrampfungen, Anspannung und körperliche Enge, wenn sie sich selbst zu sexuellen Handlungen zwingen.

    Asexualität ist dabei auch keine sexuelle Orientierung, denn es gibt keine Ausrichtung der Sexualität auf ein Sexualobjekt. Physiologisch sexuelle Erregungsprozesse können bei Asexuellen vorhanden sein, werden aber von diesen nicht angestrebt, nicht bewusst hervorgerufen und nicht als Ausgangspunkt für sexuelle Befriedigung genutzt. Den Gegenpol bildet die Hypersexualität, also das stark gesteigerte Verlangen nach Sexualität, bei der ein großen Teil des Alltags mit sexuellen Fantasien oder sexuellen Aktivitäten verbracht werden.


    Weitere Seiten zum Thema

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.