intrapsychischer Zwang

Intrapsychische Zwänge gehen auf intrapsychische Konflikte zurück und stellen in der Regel mehr oder minder untaugliche Versuche dar, die durch diese Konflikte aufgebauten Spannungen zu reduzieren bzw. zu externalisieren.

Säuberungs-, Ordnungs- und Kontrollzwänge haben etwa die intrapsychische Funktion, von einer negativen Befindlichkeit bzw. von einer vorhandenen Depression im Sinne einer Beschäftigungstherapie abzulenken, k können aber auch einen Kompensationsversuch bei Gedächtnisausfällen darstellen, etwa bei depressiv oder hirnorganisch bedingten Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen.

Zähl-, Wiederholungs-, Berührungs- und Sprechzwänge sind durch ein ausgesprochen magisches Denken charakterisiert, d. h., es wird versucht, durch bestimmte Rituale Unheil von sich oder anderen abzuwenden, obwohl vom Verstand her klar ist, dass die entsprechenden Vorstellungen und Handlungen nicht zum Ziel führen können und daher unsinnig sind.

Bei Gedankenzwängen besteht oft die unkorrigierbare Erwartung von unvermeidbaren Katastrophen und infolgedessen die Gewissheit der eigenen Hilflosigkeit, wobei das Symptomverhalten die negativen Erwartungen und dadurch Ängste, Schuldgefühle oder Depressionen sogar verstärkt statt abschwächt, wie bei anderen Zwängen aber meist der Fall ist.

Denkzwänge können auch die Funktion haben, negative Emotionen oder Kognitionen zu vermeiden, wie etwa das Grübeln vor bzw. nach einer Handlung, das bei Menschen mit Selbstunsicherheit und sozialen Defiziten eine ähnliche Funktion wie Ordnungs- und Kontrollzwänge hat, nämlich einen Kompensationsversuch von Selbstunsicherheit und sozialer Angst.

Literatur
Morschitzky, H. (2009). Angststörungen. Diagnostik, Konzepte, Therapie, Selbsthilfe. Wien: Springer.

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