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Nostalgie bezeichnet die sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken, wobei sich die Nostalgie sowohl auf das eigene Leben als auch auf nicht selbst erlebte Zeiten – kollektive Nostalgie – beziehen kann. Insgesamt ist dieses Gefühl eine von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit bzw. wehmütige Zuneigung zur Vergangenheit, also eine überwiegend positive und soziale Emotion. Das Wort Nostalgie leitet sich übrigens aus dem griechischen nostos (Rückkehr) und algos (Schmerz) ab, also dem Heimweh.

Nostalgie ist häufig eine Mischung aus Freude und Trauer, wobei es paradoxerweise vor allem positive Erinnerungen sind, die Menschen in traurige Stimmung versetzen können. Nostalgie zu empfinden ist eine emotionale Eigenart des Menschen, die manchmal früher sogar als pathologisch abgewertet wurde. Auch wurde Nostalgie als Krankheit, die mit Traurigkeit, unregelmäßigem Herzschlag und Appetitlosigkeit einhergeht, als psychische Störung angesehen, die von Angst und Schlaflosigkeit begleitet wird. Psychodynamischer Ansätze interpretierten Nostalgie als unterdrückte Zwangserkrankung, einem unbewussten Bedürfnis nach Rückkehr zu einem früheren Lebensabschnitt oder auch als eine Form der Depression.

Nostalgie entsteht häufig jedoch erst in Reaktion auf Niedergeschlagenheit oder Einsamkeit, wobei sie als psychischer Lösungsansatz beides zu vermindern sucht, indem sie ein früheres positives Selbstbild und soziale Verbundenheit vermittelt, denn in einer nostalgischen Rückschau überwiegen meist die positiven die negativen Emotionen. Ausschlaggebend für nostalgische Gefühle ist auch das Erleben der eigenen Identität bzw. Kontinuität, denn im Augenblick der Nostalgie fühlen wir eine enge Verbindung zu dem Menschen, der wir einmal waren, sodass Nostalgie unter Umständen auch den Umgang mit neuen Herausforderungen erleichtern kann. Erst wenn das Gefühl überwiegt, dass man im Augenblick viel weniger Möglichkeiten hat als früher, dann wird die Nostalgie zu einer schmerzlichen Erinnerung an das unwiederbringlich Verlorene.

Nostalgie kann aber auch das psychische Wohlbefinden befördern und aufrechterhalten. Zhou et al. (2012) postulierten für ihre Forschung eine umfassende homöostatische Funktion der Nostalgie, die auch die Aufrechterhaltung des physiologischen Wohlbefindens einschließt, und belegten dies in fünf methodisch unterschiedlichen Studien. Sie zeigten etwa, dass Nostalgie als eine Emotion mit einer starken Konnotation von Wärme auch durch Kälte ausgelöst werden kann. Die Teilnehmer berichteten über stärkere Nostalgie an kälteren im Vergleich zu wärmeren Tagen und in einem kalten im Vergleich zu einem neutralen oder warmen Raum. Nostalgische Gefühle verringerten auch die Aktivität in jenen Arealen des Gehirns, die für die Wahrnehmung von Schmerzen zuständig sind. Nicht nur bewerteten die Teilnehmenden die verabreichten Hitze- und Kältereize als weniger intensiv, wenn sie dabei an ihre Kindheit erinnert wurden, sondern auch in ihrer Gehirnaktivität war dieser Effekt erkennbar, und zwar in den zwei Hirnregionen, die für die Wahrnehmung von Schmerz zuständig sind (Gyrus lingualis und Gyrus parahippocampalis). Nostalgie beeinflusste offenbar auch das interozeptive Temperaturempfinden, denn ein höheres Maß an durch Musik hervorgerufener Nostalgie sagte eine erhöhte körperliche Wärme voraus, und Teilnehmer, die sich an ein nostalgisches im Vergleich zu einem gewöhnlichen autobiografischen Ereignis erinnerten, nahmen die Umgebungstemperatur als höher wahr , und Teilnehmer, die sich an ein nostalgisches im Vergleich zu einem gewöhnlichen autobiografischen Ereignis erinnerten, zeigten eine höhere Toleranz gegenüber Kälte, was mit der engen Integration von Temperatur- und Schmerzempfindungen im zentralen Nervensystem übereinstimmt.

Literatur

Iyer, A., & Jetten, J. (2011). What’s left behind: Identity continuity moderates the effect of nostalgia on well-being and life choices. Journal of Personality and Social Psychology, 101, 94-108.
Zhou, X., Wildschut, T., Sedikides, C., Chen, X., & Vingerhoets, A. J. J. M. (2012). Heartwarming memories: Nostalgia maintains physiological comfort. Emotion, 12, 678–684.



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