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prämenstruelles Syndrom


Als prämenstruelles Syndrom bezeichnet man jene komplexen Beschwerden, die sich bei Frauen während der letzten 4–14 Tage vor dem Eintreten der Regelblutung in jedem Monatszyklus zeigen und schlagartig mit Beginn der Regel aufhören. Man schätzt, dass  etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Frauen im gebärfähigen Alter an einem prämenstruellen Syndrom, vor allem Frauen über dem dreißigsten Lebensjahr, leidet. Viele Frauen zeigen dann Spannungsgefühle in den Brüsten und im Unterleib, aber auch Beschwerden wie Kopf-, Rücken-, Gelenks- oder Muskelschmerzen. Seltener treten Wassereinlagerungen, Schlaf- oder Verdauungsprobleme auf. Manche Frauen fühlen sich häufig erschöpft, unsicher, niedergeschlagen oder gereizt. Es wird dabei eine Vielzahl von psychischen Beschwerden berichtet, etwa diffuse Schmerzen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit, Depressionen und Überempfindlichkeit. Das häufigste Beschwerdebild beim prämenstruellen Syndrom ist meist eine mehr oder weniger regelmäßige Befindlichkeitsstörung und damit nicht krankheitswertig, obgleich dieses Lebensqualität und Leistungsfähigkeit gelegentlich beeinträchtigen kann.

Der Zusammenhang zwischen seelischem Befinden und dem Menstruationszyklus wurde schon vor mehr als 2500 Jahren von Hippokrates beschrieben, doch erst im 20. Jahrhundert erkannte man den engen Zusammenhang zwischen Psyche und ovariellem Hormonhaushalt. So fand man schließlich, dass depressive und ängstliche Verstimmungen hauptsächlich in der lutealen Phase auftreten, während sich psychisches Wohlbefinden häufiger in der Follikelphase des Menstruationszyklus beobachten lässt.

Der weibliche Zyklus bestimmt mit seinem Auf und Ab der Hormone nicht nur allmonatlich über fruchtbare und unfruchtbare Tage, sondern führt oft auch zu Schwankungen im körperlichen und seelischen Befinden, was für etwa zwei Drittel aller Frauen im gebärfähigen Alter zutrifft. Mehr als hundert Symptome, die unterschiedlich häufig und intensiv in der Regel in der zweiten Zyklushälfte auftreten, beginnen etwa zehn bis vierzehn Tage vor der Menstruation, verstärken sich oft zunehmend, um dann am ersten oder zweiten Tag der Blutung wieder zu verschwinden. Bei etwa 5% sind die Beeinträchtigungen so schwerwiegend, dass die Lebensqualität der Betroffenen erheblich eingeschränkt ist, sodass sie zeitweilig zu Arbeitsunfähigkeit führen und die sozialen, familiären und geschäftlichen Beziehungen extrem belasten können.

Die Ursachen sind vermutlich biologischer Natur, wobei ein Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der menstruellen Blutung bzw. den vor und während der Monatsblutung auftretenden Beschwerden bzw. Schmerzen und entsprechenden Verstimmungszuständen angenommen wird. Man weiß auch, dass Östrogene die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn erhöhen, vor allem den Neurotransmitter Serotonin, wobei Östrogenen eine antidepressive Wirkung zugeschrieben wird. Man schließt daraus, dass die höheren Konzentrationen von Östrogenen beim Eisprung die Stimmung stabilisieren, während in der späten Lutealphase mit der entsprechend niedrigeren Hormonkonzentration dagegen dieser Schutzfaktor wegfällt, sodass bei entsprechender Anlage oder Belastung Beschwerden auf seelischem und körperlichen Gebiet möglich sind.

Bei einem starken Form mit deutlichen psychischen Auswirkungen spricht man von einer prämenstruellen dysphorischen Störung). Etwa drei bis acht Prozent dieser Frauen leiden unter dieser besonders starken Form einer prämenstruellen dysphorischen Störung.

Das prämenstruellen Syndrom, auch kurz PMS, gehört zu den häufigsten gynäkologischen Beschwerdebildern. Die therapeutischen Methoden reichen dabei von hormonellen über medikamentöse bis zu psychotherapeutischen Behandlungen.

Zu den prämenstruellen Symptomen gehört auch der Heißhunger auf Süßes und Salziges kurz vor der Menstruation, wobei solche Gelüste auf bestimmte Lebensmittel vor allem in Zusammenhang mit den biochemischen Veränderungen während des Monatszyklus gebracht werden. Strahler et al. (2020) haben nun untersucht, ob das weibliche Gehirn kurz vor der Periode besonders sensibel auf bestimmte Essensreize reagiert. Dazu wurden über einem Zeitraum von drei Monaten fünfunddreißig junge gesunde Frauen, die nicht hormonell verhüteten, in der ersten Zyklushälfte, zur Zeit des Eisprungs und in der Zeit kurz vor der Menstruation, im Labor untersucht. Die Frauen wurden gebeten, Bilder hoch- und niedrig-kalorischer Lebensmittel zu betrachten und hinsichtlich ihrer Schmackhaftigkeit zu bewerten. Die Messung der Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber diesen Bildern wurde mittels Elektroenzephalogramm gemessen und mit der jeweiligen Konzentration des Geschlechtshormons Progesteron in Verbindung gebracht. Zusätzlich machten die Frauen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen Angaben zu anderen Beschwerden und Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit dem Monatszyklus, also vom Unwohlsein bis hin zu Schmerzen, aber auch von Beeinträchtigungen in ihren sozialen Beziehungen, etwa im Arbeitsumfeld oder bei ihren Freizeitaktivitäten.

Die Daten zeigten, dass Frauen in der Zeit kurz vor der Menstruation deutlich sensibler auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel reagieren als in anderen Zyklusphasen, für niedrigkalorische Bilder zeigte sich dieser Effekt jedoch nicht. Je niedriger die Progesteron-Konzentration und je größer die Beeinträchtigungen, von der die Frauen im Zusammenhang mit ihrer Periode berichteten, umso geringer war die EEG-Reaktion auf Bilder hochkalorischer Lebensmittel. Keine Unterschiede hingegen gab es in der subjektiven Bewertung der Bilder. Man vermutet daher, dass es Frauen mit niedrigen Progesteronspiegeln in der Zeit vor der Periode und mit höheren durch die Periode bedingten Beschwerden leichter fällt, ihre Aufmerksamkeit auf Essensreize zu lenken.

Neuere Studien liefert auch Belege, dass die subtilen hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus zu Veränderungen in der Hirnstruktur führen können. Zumindest bei Mäusen wurde beobachtet, dass nicht nur der Hippocampus sondern auch verschiedene Verhaltensweisen einer Art monatlichem Zyklus unterliegen, doch ob sich diese Beobachtungen auch auf den Menschen übertragen lassen, muss in weiteren Studien geklärt werden.

Literatur

Beckermann, M. J. (2004). Das prämenstruelle Syndrom – ein Konstrukt? (S. 502-527). In Beckermann, M. J. &  Perl, F. M. (Hrsg.), Frauen-Heilkunde und Geburts-Hilfe. Basel: Schwabe.
Strahler, J., Hermann, A., Schmidt, N. M., Stark, R., Hennig, J., & Munk, A. J. (2020). Food Cue-Elicited Brain Potentials Change Throughout Menstrual Cycle: Modulation by Eating Styles, Negative Affect, and Premenstrual Complaints. Hormones and behavior, 124,doi:10.1016/j.yhbeh.2020.104811.
http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/depression4b.html (15-11-15)


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