Impostor-Syndrom

Ziel des Lebens ist es, nicht ein erfolgreicher Mensch zu sein, sondern ein wertvoller.
Albert Einstein

Das Impostor-Phänomen, auch als Hochstapler-Syndrom bzw. Hochstapler-Phänomen oder Betrüger-Phänomen bezeichnet, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene unfähig sind, ihre Erfolge zu internalisieren. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind die Betroffenen davon überzeugt, dass sie ihren Erfolg erschlichen haben und diesen nicht verdient haben. Von anderen als Erfolge angesehene Leistungen werden von den Betroffenen mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten von anderen erklärt. Erstmals beschrieben und empirisch belegt wurde dieser Widerspruch zwischen Sein und Schein von Clance & Imes (1978), wobei vor allem erfolgreiche Frauen glauben, dass sie nicht besonders intelligent sind und von anderen überschätzt werden. Die beiden klinischen Psychologinnen fanden dieses Phänomen bei erfolgreiche Frauen, die hervorragende Ergebnisse in Leistungstests erzielten,  überdurchschnittlich gut ausgebildet und sogar für ihre Arbeit ausgezeichnet worden waren, aber dennoch vom Gefühl gequält wurden, sie verdienten ihren Erfolg nicht und würden bald als Schwindlerinnen auffliegen.

Manche Menschen sind offenbar unfähig, an ihre eigene Leistung zu glauben, vielmehr sind sie eher davon überzeugt, ihre Erfolge durch Beziehungen oder Glück erreicht zu haben, nicht aber auf Grund ihrer Fähigkeiten. Sie halten sich also für kognitive Hochstapler und fürchten, ihre vermeintlich wahre und geringe Leistungsfähigkeit könnte schon bald enttarnt werden. Man vermutet, dass hinter dem Syndrom negative Kindheitserfahrungen stehen, wenn die Betroffenen etwa im Elternhaus gelernt haben, dass sie nur geliebt werden, wenn sie permanent hohe Leistungen erzielen. Charakteristisch für Menschen mit dem Impostor-Phänomen sind allerdings auch eine überdimensionierte Vorstellung von Kompetenz und große Furcht vor negativer Kritik.

Nach Ansicht von Sonja Rohrmann, die Erfahrungen mit dem Impostor-Phänomen gemacht, nutzen manche Menschen das Impostor-Phänomen als Skill. Menschen mit einem Impostor-Selbstkonzept sind oft beliebte Mitarbeiter, denn sie haben einen hohen Anspruch an sich selbst, sind überdurchschnittlich qualifiziert und produzieren sehr gute Ergebnisse, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Menschen, die sich ständig in Frage stellen, meiden oder überspielen Situationen, denen sie sich nicht gewachsen fühlen, woraus aber Prokrastination, Perfektionismus oder ein blinder Aktionismus folgen können. Oft bleiben solche Menschen hinter ihren Möglichkeiten zurück, verschenken Potenzial und erledigen stattdessen auch kleinste Aufgaben übergründlich, denn das Motto ist, bloß keinen Fehler zu machen, bloß nicht zu versagen. Diese Menschen machen alles, um ihre Kompetenz zu beweisen, vor allem sich selbst gegenüber, was so weit gehen kann, dass für sie nur noch die Arbeit zählt, ihr Sozialleben brachliegt. Doch niemand kann auf Dauer nur Höchstleistung geben, das permanente Maximum ist aber in der Regel nicht das Optimum. Da für Menschen mit Impostor-Phänomen alles stark leistungsorientiert ist, geben sie nicht nur viel, sie legen ihren eigenen Maßstab auch an andere an.

Bei einer starken Ausprägung des Syndroms können die Folgen daher äußerst belastend sein, ähnlich wie bei einer Angststörung oder einem Burnout, im schlimmsten Fall prägt es das ganze Leben und die Betroffenen werden depressiv. Generell ist es für Menschen schwierig einzuschätzen, was noch normale Selbstzweifel sind und ab wann man von Hochstapeln sprechen kann. Kritisch wird es immer dann, wenn Menschen ihre Leistung systematisch unterschätzen und sich gleichzeitig unverhältnismäßig große Sorgen machen, bei der Erfüllung von wichtigen Aufgaben den Ansprüchen nicht zu genügen. Wichtig ist dann zunächst einmal, das eigene verquere Denkmuster zu erkennen und dieses zu hinterfragen. Solche Menschen sollten sich Rückmeldungen von Freunden holen, die ihnen wohlgesonnen sind, denn bis zu einem bestimmten Grad ist es völlig normal, im Alltag in bestimmten Situationen eine Rolle zu spielen.

Kompetent zu sein und sich kompetent zu fühlen, sind offenbar zwei unterschiedliche Aspekte, wobei Psychologen empfehlen, Listen mit Erfolgen, die durch eigene Anstrengungen erzielt wurden,  zu führen und auch aufzuschreiben, wenn etwas ganz ohne eigenes Zutun gescheitert ist.  Man kann daher also eine Art Erfolgstagebuch zu führen, in dem man regelmäßig notiert, wenn man eine positive Rückmeldung bekommen und eine besondere Leistung erbracht hat. Sind die Zweifel wieder einmal übermächtig, hilft dann ein Blick in das Tagebuch.

Manche diese Menschen sind jedoch psychisch krank, wenn sie aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus ein Lügengebäude aufbauen, das immer größer wird und schließlich in sich zusammenbricht. Wenn Betroffene etwa eine sehr ehrgeizige Mutter hatten, der sie nie entsprechen und vertrauen konnten, dann kann z. B. das Vortäuschen eines Universitätsabschlusses aus diesem Druck heraus eine negative Kompensation bedeuten. Manchmal sind Betroffene auch so von sich selbst überzeugt – etwa beim Vortäuschen eines Medizinstudiums -, dass sie auch anderen dieses Gefühl vermitteln, d. h., sie trauen sich alles zu, haben ein überbordendes Selbstvertrauen und leiden unter Realitätsverlust. Am Ende scheitern sie und sind schwer depressiv bis hin zur Selbstmordgefährdung. Man sollte Betroffene daher nicht einfach als verrückt abzustempeln, sondern ihnen psychiatrische oder psychologische Hilfe nahelegen, damit diese ein gelungenes und erfülltes Leben ohne Gefahr für die Gesellschaft führen können.

Nach Mirjam Zanchetta (Abteilung für Wirtschafts- und Organisationspsychologie der Universität Salzburg) haben schon bis zu siebzig Prozent der Berufstätigen einmal unter dem Hochstapler-Phänomen gelitten. Nach Ansicht der Psychologin liefern die Betroffenen zwar sehr gute Leistungen und werden auch von anderen für fähig gehalten, doch innerlich sind sie davon überzeugt, dass sie nichts können. Die Betroffenen führen ihren Erfolg vor allem auf glückliche Umstände oder Zufall zurück und sehen diesen bestenfalls als Produkt ihres Fleißes, glauben also nicht an ihre eigenen Leistungen und Fähigkeiten, sondern leben permanent in der Angst, als Täuscher enttarnt zu werden. Aus diesem Denken heraus entwickelt sich ein Teufelskreis aus Selbstzweifel, Angst, Stress und übermäßigem Arbeitseinsatz. Man vermutet, dass dieses Phänomen eher nicht ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern nur eine Reaktion auf konkrete Ereignisse.

Das Phänomen findet sich übrigens sowohl bei Männern als auch bei Frauen, doch lassen sich Frauen weniger in ihrem Selbstbild beeindrucken und steigern nach Kritik ihre Anstrengungen, während Männer sich nach einem negativen Feedback eher hängen lassen und stärker unter Versagensangst leiden. Negatives Feedback verstärkt aber bei beiden Geschlechtern den Glauben daran, dass es ganz grundsätzlich an der nötigen Kompetenz fehlt, was weitere Zweifel hervorbringt, sodass die Betroffenen die eigenen, und dann meist überzogenen Ansprüche an sich noch steigern (Badawy et al., 2018).

Die Ursachen für das Hochstapler-Syndrom sind vielfältig und ist wohl eine Wechselwirkung zwischen der Anlage, also einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur, die meist eher ängstlich, emotional labil oder introvertiert ist, und bestimmten umweltbedingten Einflussfaktoren. Man geht heute davon aus, dass bestimmte familiäre Konstellationen die Ausprägung fördern können, wenn etwa in der Familie ein sehr hoher Leistungsanspruch besteht und die Kinder das Gefühl haben, dass ihr Wert hauptsächlich von ihrer Leistung abhängt. Typische Rollenzuschreibungen verstärken das Phänomen zusätzlich, wenn etwa die Rolle des Intelligenten in der Familie schon besetzt ist und der oder die Betroffene selbst eher für charmant oder attraktiv gehalten wird, so kann das Gefühl entstehen, die Rolle des eigenen Erfolgs gar nicht zu verdienen, weil die anderen ja eigentlich die Klugen und Intelligenten sind. So kommt es auch dazu, dass man glaubt, man müsse auf jeden Fall immer der Beste sein und das muss auch noch spielend leicht gelingen. Ist das Syndrom stark ausgeprägt, kann es zu depressiven Verstimmungen kommen, wobei Perfektionismus und der Drang, eine Fassade aufrecht erhalten zu müssen, einen Arbeitswahn bis hin zum Burnout auslösen können.

Siehe dazu das Attribuierungsmodell von Weiner: Weiners Konzept der Attribution besagt, dass die Ursache von Handlungen in Bezug auf eine gegebene Person innerhalb (internal) oder außerhalb (external) attribuiert werden kann. External sind Kausalfaktoren, die außerhalb eines gegebenen Organismus lokalisiert werden, internal sind solche Kausalfaktoren, die innerhalb eines gegebenen Organismus lokalisiert werden. Hinzu kommt als zweite Dimension die Stabilität vs Variabilität, auf Personenseite: Können (Fähigkeit=stabil) und Versuchen (Anstrengung=variabel); auf der Umweltseite: Schwierigkeit (stabil) und Glück (variabel).

Gardner et al. (2019) haben in zwei Studien untersucht, wie Individuen mit der Wahrnehmung von Betrug umgehen, wenn sie für ihre zukünftige Karriere trainieren. Basierend auf Interviews mit Trainingsexperten wurden in einer qualitativen Analyse sowohl konstruktive als auch unangepasste Taktiken aufgedeckt, mit denen diese ProbandInnen (Studierende) mit wahrgenommenem Betrug umgehen. Am schlechtesten erwiesen sich dabei „Unterdrücken“ und „Ablenken“, sondern es ist besser, sich dem Problem zu stellen und mit anderen darüber zu sprechen, wobei es darauf ankommt, mit wem, denn wer Unterstützung außerhalb der eigenen sozialen Gruppe sucht, sieht eher das Gesamtbild, d. h., in der eigenen Bezugsgruppe zu bleiben, verengt den Blick auf das vermeintliche eigene Defizit. Allerdings wirkt sich das Gefühl der Hochstapelei nicht auf die eigene Leistung aus, denn Probanden mit dem Syndrom können ihre Arbeit weiter gut erledigen, allerdings glauben sie nicht an sich. Die Hauptursachen des Hochstapler-Syndroms liegt demnach in dem Gedanken, dass man selber von anderen nicht so gesehen wird, wie man wirklich ist. Als Strategie empfehlen die Studienautoren deshalb, offen über eigene Fehler und Probleme zu sprechen.

Das gegenteiliges Phänomen wird übrigens als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet, bei dem die Betroffenen dazu neigen, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, während sie das tatsächliche Können von eindeutig Kompetenteren unterschätzen.

Anmerkung: Die Existenz dieses Syndroms ist übrigens umstritten, d. h., es wird weder im ICD-10 noch im DSM-5 angeführt.

Literatur

Badawy, Rebecca L., Gazdag, Brooke A., Bentley, Jeffrey R. & Brouer, Robyn L. (2018). Are all impostors created equal? Exploring gender differences in the impostor phenomenon-performance link. Personality and Individual Differences, 131, 156-163.
Clance, P. R., & Imes, S. A. (1978). The imposter phenomenon in high achieving women: Dynamics and therapeutic intervention. Psychotherapy: Theory, Research & Practice, 15, 241-247.
Gardner, Richard G., Bednar, Jeffrey S., Stewart, Bryan W., Oldroyd, James B., & Moore, Joseph (2019). “I must have slipped through the cracks somehow”: An examination of coping with perceived impostorism and the role of social support. Journal of Vocational Behavior, 115, doi:10.1016/j.jvb.2019.103337.
Neureiter, M. & Traut-Mattausch, E. (2016). An inner barrier to career development: Preconditions of the impostor phenomenon and consequences for career development. Frontiers in Psychology, 7, 1-15.
Stangl, W. (1998). Motive und Motivation Psychologische Erklärungsmodelle.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/MotivationModelle.shtml (98-03-02)
OÖN vom 28. Februar 2018
https://kurier.at/leben/psychologie-erfolgreich-im-job-gefuehlt-ein-versager/400029169 (18-05-02)


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Ein Gedanke zu „Impostor-Syndrom“

  1. Sonja Rohrmann, Professorin für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik

    Sonja Rohrmann, Professorin für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik, sagt dazu in einem Interview: Betroffene haben das Gefühl, dass sie ihren beruflichen Erfolg nur Timing, Glück oder äußeren Umständen verdanken, nicht aber ihrer eigenen Kompetenz. Deshalb handelt es sich im Grunde um Tiefstapler, auch wenn landläufig vom Hochstapler-Syndrom die Rede ist. Betroffene sind trotz ihres Erfolgs und der hohen Anerkennung durch Kollegen davon überzeugt, andere zu blenden und in Wahrheit inkompetent zu sein, eine Maske zu tragen. Sie wehren Lob ab, fischen damit aber nicht nach Komplimenten. Sie wollen Erwartungen tatsächlich gering halten, weil sie befürchten, sie ansonsten in Zukunft vielleicht nicht erfüllen zu können. Diese tiefgreifenden Selbstzweifel sind kulturübergreifend, aber vor allem in den westlichen leistungs- und wettbewerbsorientierten Gesellschaften verbreitet. Man schätzt, dass etwa die Hälfte der erfolgreichen Menschen solche Gedanken kennt. Untersuchungen zufolge sind etwa zwei Drittel der Ärzte betroffen, besonders stark auch Studierende und Wissenschaftler. Es kann dazu führen, dass das eigene Potenzial in Ausbildung und Beruf nicht ausgeschöpft wird. Diese Menschen meiden Aufgaben, bei denen sie scheitern könnten. Betroffene schlagen deshalb häufig Karrierechancen aus, weil sie sich für unfähig halten und verharren deshalb auf Positionen unterhalb ihres Leistungsniveaus, was sie später manchmal bereuen. Impostor verfolgen oft zwei unterschiedliche Arbeitsstrategien. Die Perfektionisten investieren sehr viel Zeit in die Arbeit und arbeiten extrem sorgfältig. Sie sind deshalb sehr beliebte Mitarbeiter. Prokrastinierer schieben Aufgaben lange auf und arbeiten dann Tag und Nacht durch. Das Aufschieben dient quasi als Selbstschutz. Man hat dann im Fall des Scheiterns eine gute Entschuldigung, warum es gar nicht klappen konnte. Haben sie die Arbeit dann doch erfolgreich erledigt, fühlen sich Tiefstapler nur ganz kurz erleichtert. Denn den Erfolg schreiben sie der harten Arbeit beziehungsweise dem Zufall zu und bei der nächsten Aufgabe setzt wieder die Angst ein zu versagen. Die ständigen Selbstzweifel führen dazu, dass sich diese Menschen verausgaben. Die vermeintlichen Hochstapler leiden unter einer hohen Stressbelastung, aber erholen sich in der Freizeit nicht, schlafen schlecht, vernachlässigen soziale Kontakte. Das kann bis zu Burn-out und Depressionen führen. Das Impostor-Konzept ist ein dimensionales Persönlichkeitsmerkmal, es kann also von sehr schwach bis sehr stark ausgeprägt sein. Es kann sich auch je nach Lebenslage verändern. Zwar gilt der Grundsatz: einmal Tiefstapler immer Tiefstapler. Aber die Selbstzweifel sind häufig besonders stark in jüngeren Jahren ausgeprägt, wenn Menschen noch am Anfang ihrer Karriere stehen. Der Effekt kann im Alter nachlassen, wenn man länger in Führungspositionen war und sich stärker auf die Mitarbeiter und weniger auf sich selbst konzentriert. Ein kritisches Niveau ist dann erreicht, wenn der Leidensdruck zu groß wird, der Erfolg zu hart erkauft wird und die Work-Life-Balance nicht mehr gegeben ist, so dass Körper und Psyche zu stark belastet werden. Man kann dann folgendes tun: Schreiben Sie Ihre Erfolge auf: Was haben Sie während des Studiums, in der Ausbildung und im Job gut gemacht? Schätzen Sie Ihre Erfolge realistisch ein, gern auch im direkten Vergleich mit anderen und zwar nicht nur der absoluten Spitze. Tiefstapler vergleichen sich gern mit den oberen drei Prozent der Leistungsträger und fühlen sich dann schnell als Versager. Dabei ignorieren sie aber die große Masse derjenigen, die schlechter abschneiden als sie selbst. Tiefstapler neigen dazu, sich an die Misserfolge zu erinnern und die Erfolge zu vergessen. Gespräche sind Schall und Rauch. Deshalb bleibt Lob oft nicht hängen. Betroffene erinnern sich nach einem Vortrag vielleicht nicht an den Applaus, sondern an die beiden Versprecher, die passiert sind. Dann verallgemeinern sie: Der ganze Vortrag war schlecht. Wenn man Erfolge aufschreibt – gern einmal pro Quartal – merkt man, dass viele Gedanken verzerrt sind. Impostor sollten auch mit Freunden und Verwandten sprechen, um ihr verzerrtes Selbstbild zu korrigieren. Supervision und Coaching können ebenfalls helfen, ein verinnerlichtes Selbstwertgefühl aufzubauen. Gerade Männer sprechen oft nicht gern über ihre Probleme. Für sie ist es unglaublich entlastend, wenn sie feststellen, dass andere erfolgreiche Menschen auch darunter leiden, sie sich quasi in bester Gesellschaft befinden. Kollegen können zwar ebenfalls helfen, sich sollte man aber schon vorsichtig sein, dass es solche sind, die einem wohlgesonnen sind, damit die Schwäche nicht ausgenutzt wird. Viele Menschen wollen auf keinen Fall, dass jemand von ihren Selbstzweifeln erfährt. Sie wollen als kompetent und selbstbewusst wahrgenommen werden und haben große Angst davor, enttarnt zu werden. Das Impostor-Konzept hat auch positive Seiten. Tiefstapler sind ganz hervorragende Führungspersönlichkeiten, weil sie kein überzogenes Selbstbewusstsein haben. Sie gehen viel toleranter mit Mitarbeitern um als Chefs, die sich für überlegen halten. Sie sind überdurchschnittlich motiviert, reflektieren sehr intensiv, sind in der Regel bescheiden, drängen sich nicht in den Vordergrund und leisten hervorragende Arbeit – das sind Mitarbeiter, wie man sie sich wünscht. Vorgesetzte sollten ihren stillen Leistungsträgern aber nicht unter die Arme greifen, denn Tiefstapler wollen ja nicht auffallen und auch nicht den Neid der Kollegen auf sich ziehen. Aber es hilft schon, wenn Vorgesetzte sich des Problems bewusst sind, die überdurchschnittliche Leistung nicht als selbstverständlich hinnehmen und auch mal darauf bestehen, dass man pünktlich Feierabend macht.

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