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Soziopathie


Soziopathie bezeichnet eine psychiatrische Störung des Sozialverhaltens und bezieht sich auf Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt fähig sind, Mitgefühl zu empfinden, sich nur schwer in andere hineinversetzen können und die Folgen ihres Handelns nicht abwägen können. Heute vermeidet man eher diesen Begriff und spricht von der dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung (APS). Nach diversen Schätzungen zeigen etwa 2-4Prozent der Menschen eine soziopathische Störung.

Man vermutet, dass Soziopathen manchmal aufgrund der Arbeitsweise ihres Gehirns nicht in der Lage sind, die Folgen ihres Handelns abzuwägen. Kinder, die mit einem defekten Vorderhirn auf die Welt kommen, sind weitgehend unfähig, etwa die einfachsten Streitregeln zu erlernen. Mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wurden Soziopathen untersucht, und es zeigte sich, dass das Vorderhirn nicht so aktiv war wie bei gesunden Kontrollpersonen, vor allem im Bereich des Mandelkerns.

Übrigens zeigen Soziopathen und Psychopathen oft ähnliches Verhalten, denn sie respektieren keine Gesetze oder sozialen Normen, erkennen anderen das Recht auf Selbstbestimmung ab, tendieren zu manipulativem und gewalttätigem Verhalten und zeigen wenig Schuld- oder Reuegefühle. Der Unterschied liegt darin, dass Soziopathen durchaus Gefühle besitzen, diese jedoch nicht unter Kontrolle haben, wobei besonders Angst und Wut ihnen schnell entgleiten, denn sie werden leicht nervös, fühlen sich ausgegrenzt, beleidigt oder falsch behandelt, und tendieren zu äußerst impulsivem und aggressivem Verhalten, sodass sie oft am Rande der Gesellschaft leben, keinen Beruf und keine Partnerschaft haben. Zwar wünschen sich Soziopathen engere Bindungen zu anderen Menschen, doch gelingt es ihnen durch ihre Reizbarkeit nur selten, diese aufzubauen und über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Die Ursachen liegen häufig in der frühen Kindheit und sind das Ergebnis gewalttätiger oder verarmter Beziehungen, d. h., diese Menschen haben nie gelernt ihre Gefühle zu regulieren. Psychopathen hingegen sind äußerst charmant, chronische Lügner und verfügen auf den ersten Blick über eine große soziale Kompetenz, wobei es ihnen durch ihre manipulative Art schnell gelingt, das Vertrauen anderer Menschen zu gewinnen, obwohl es ihnen an Mitgefühl oder authentischen Bindungen zu anderen Menschen fehlt. Psychopathen sind meist gut in die Gesellschaft integriert, haben einen Beruf, Partner und Kinder. Psychopathien haben meist genetische Ursachen, denn bestimmte Gehirnareale für Mitgefühl und Impulskontrolle sind bei ihnen unterentwickelt.

In einer schwedischen Langzeitstudie (Obschonka et al., 2013) wurden etwa eintausend Sechstklässler eines Jahrgangs 37 Jahre lang begleitet, wobei vor allem moralische Einstellungen und die Häufigkeit der Regelverstöße und Gesetzesbrüche analysiert wurden. Es zeigte sich, dass spätere Unternehmensgründer in ihrer Jugend eine deutlich höhere Tendenz zu antisozialem Verhalten hatten, d. h., sie schwänzten die Schule, hielten sich nicht an die Verbote der Eltern oder schwindelten bei Prüfungen. Als Teenager griffen sie eher zu Drogen als spätere Angestellte und so mancher zukünftige Unternehmer ließ in Geschäften etwas mitgehen. Allerdings haben sich die frühen antisozialen Tendenzen vor allem auf geringere Vergehen beschränkt, denn kriminelle Karrieren schlugen die späteren Unternehmensgründer nicht häufiger ein als andere Jugendliche. Sobald sie im Berufsleben standen, unterschied sich ihr soziales Verhalten kaum mehr von jenem der Nicht-Gründer.

Der Begriff Soziopathie ist kein eindeutig definierter psychiatrischer Zustand, sondern der Begriff bezieht sich auf Einstellungs- und Verhaltensmuster, die von der Gesellschaft allgemein als antisozial oder kriminell betrachtet werden, in der sozialen Umgebung, in der sie entstanden sind, jedoch als normal oder notwendig gelten können. Soziopathen sind daher keine Psychopathen sind, denn sie sind grundsätzlich zur Empathie fähig, verhalten sich aber dennoch antisozial. Soziopathen haben auch manchmal ein gut entwickeltes Gewissen und eine normale Fähigkeit zu Schuldgefühlen und zu Loyalität, doch ihr Empfinden von Recht und Unrecht beruht allein auf den Normen und Erwartungen ihrer Umgebung, dem sie sich in der Regel anpassen.

Merkmale

Folgende Aspekte werden manchmal für diese dissoziale Verhaltensstörung genannt: Das Einfühlungsvermögen der Betroffenen ist gestört, denn sie können sich nur schwer in andere Menschen hineinversetzen, d. h., das Mitgefühl ist ihnen weitgehend fremd. Häufig könne sie auf Grund ihrer Erfahrung Emotionen anderer Menschen rational nachvollziehen, d. h., der Verstand bestimmte ihr Handeln und nicht das Gefühl. Solche Menschen gelten daher als unberechenbar, sprunghaft und unzuverlässig. Betroffene sind selten dazu fähig, für ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen, denn machen sie einen Fehler, fällt es ihnen schwer, diesen zuzugeben. Dadurch werden soziale Normen der Verantwortungsübernahme, Regeln und Verpflichtungen abgelehnt, was das das Miteinander erschwert, wo die Einhaltung klarer Strukturen notwendig ist, etwa in der Schule oder am Arbeitsplatz. Häufig fehlt den Betroffenen auch die Einsicht in ihr Fehlverhalten, denn sie wissen nicht, was richtig und was falsch ist, fühlen sich unschuldig und zeigen keine Reue für ihr Verhalten. Zwar können Menschen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung neue Beziehungen einzugehen, sind jedoch meist nicht in der Lage, diese Beziehung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Menschen mit dieser Erkrankung neigen zu aggressivem, teilweise auch zu gewalttätigem Verhalten, da ihre Frustrationstoleranz deutlich geringer ausgeprägt ist. Betroffene lernen aus ihren sozialen Erfahrungen kaum und wiederholen ihr soziopathisches Verhalten, auch wenn sie schon die Erfahrung gemacht haben, dass es in ihrem sozialen Umfeld unerwünscht ist.

Unterscheidungsmerkmal zum Psychopathen

Die Art des Psychopathen, andere zu manipulieren und für seine Zwecke auszunutzen, ist eher kühl, berechnend. Während ein Soziopath eher laut wird, sich im Ton vergreift, beleidigend und lautstark verletzend wird, ist der Psychopath subtil, verletzt oft eher durch Schweigen an empfindlichen Stellen oder durch Bemerkungen, Andeutungen und kryptischen Ansagen.

Literatur

Obschonka, M., Andersson, H., Silbereisen, R. K., & Sverke, M. (2013). Rule-breaking, crime, and entrepreneurship: A replication and extension study with 37-year longitudinal data. Journal of Vocational Behavior. DOI: 10.1016/j.jvb.2013.06.007
Stangl, W. (2011). Genetische Faktoren der Aggression.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/A-Genetisch.shtml (11-09-19)


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