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Deckeneffekt


Der Deckeneffekt, auch bekannt unter Dacheffekt, Plafond-Effekt bzw. ceiling effect, bezeichnet in der psychologischen Testtheorie jenen Messfehler, der auf einer Überschreitung des Messbereichs beruht. Dieses Phänomen findet man in der Testpsychologie, wenn etwa ein Leistungstest so konstruiert wurde, dass er die Testleistung einer Person ab einer gewissen oberen Grenze nicht mehr zuverlässig messen kann.

Konkret ermittelt ein guter Test auch die Unterschiede zwischen Menschen in den Extrembereichen, also bei den sehr guten bzw. sehr schwachen ProbandInnen. Ist ein Test aber zu einfach, dass viele ProbandInnen das höchste Ergebnis erzielen, obwohl ihre wahre Leistungsfähigkeit sehr verschieden ist, kann der psychologische Test im extremen Bereich nicht mehr differenzieren. Für Personen mit hohen Testleistungen z.B. in einem Intelligenztest ist dieser zu leicht, wodurch diese Personen alle oder fast alle Testaufgaben lösen können und der Test diesen Personen einen Testwert zuordnet, der das tatsächliche Leistungsvermögen nicht mehr adäquat widerspiegelt. Das liegt in der Praxis unter Umständen auch daran, dass im Rahmen vorgegebener Zeitgrenzen selbst leistungsstarke Versuchspersonen bei der Bearbeitung von Testaufgaben mit ihrer Testleistung an eine Grenze stoßen. Methodisch betrachtet sinkt damit die Varianz und damit die interindividuelle Differenzierungskraft eines Testverfahrens.

Das Gegenstück durch Unterschreitung des Messbereichs nennt man Bodeneffekt bzw. floor effect.


Der Deckeneffekt ist übrigens eine mögliche Erklärung dafür, dass in den letzten Jahren die Intelligenzleistungen in der Bevölkerung sinken, d. h., dieser Verlust hat vermutlich mit der Spezialisierung der Menschen zu tun. Diese verfügen über immer spezifischere Fähigkeiten, so sind Studiengänge auch Spezialisierung ausgelegt und auch Unternehmen bilden ihre Mitarbeiter für ganz spezifische Aufgaben aus. Wenn nun bestimmte Fähigkeiten geübt werden, etwa die Raumvorstellung, werden Menschen zwar darin besser, doch nur bis zu einem gewissen Punkt, dann stossen stoßen sie an eine Decke und noch besser zu werden ist nicht möglich. Gleichzeitig vernachlässigen diese Menschen aber andere Fähigkeiten, etwa das logische Denken oder das Kopfrechnen, und irgendwann können diesen Verluste dann nicht mehr ausgeglichen werden.


Übrigens könnte der vielerorts konstatierte Anti-Flynn-Effekt ein Deckeneffekt sein, der vermutlich eine relativ logische Folge des jahrzehntelangen Zuwachses darstellt. Womöglich wurde in der Entwicklung einfach ein Maximum erreicht, d. h., intelligenter geht es eben nicht, so wie in manchen Ländern die Menschen auch nicht mehr größer werden. Der Flynn-Effekt und sein Counterpart können im übrigen gar nicht durch Evolution und damit durch die Genetik getrieben sein, denn dazu ging die Enwicklung viel zu schnell und ist vermutlich zwangsläufig eine Folge veränderter Umweltbedingungen. Bekanntlich haben Menschen ihre Gehirne in den letzten Dekaden zunehmend in jenen Bereichen geübt, die von Intelligenztests erfasst werden, denn so ist das Sprachverständnis größer geworden, das räumliche Vorstellungsvermögen ebenfalls und auch das abstrakte Denken. Vor hundert Jahren bevorzugten die Menschen das Konkrete, das aber kein IQ-Test erfassen will. Diese Spezialisierung des Denkens auf Inhalte, die in Intelligenztests erfasst werden, sind vermutlich mit der Zeit ausgeschöpft, während gleichzeitig der Ausbau mancher Fähigkeiten zwangsläufig dazu führt, dass man andere vernachlässigt, woran durchaus auch die moderne Technik ihren Anteil hat. Zwar verbessern Tablets und Smartphones manche IQ-Test-relevanten Fähigkeiten wie das räumliche Vorstellungsvermögen und das schnelle Erfassen von Informationen, doch Menschen, die sich keine Telefonnummern mehr merken müssen, entwickeln auch kaum noch eine im Gedächtnis dafür. Auch verkürzen die ständigen Reize durch medienvermittelte Nachrichten und schnelles Googeln die Aufmerksamkeitsspanne, worunter die Konzentrationsfähigkeit und damit das Vermögen leidet, sich ausdauernd einem komplexen Sachverhalt zu widmen. Sich konzentrieren zu können, ist nämlich keine angeborene Fähigkeit, sondern eine erlernte Kulturleistung, die ebenso wie der Flynn-Effekt derzeit im Niedergang ist.


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