Konzentrationsspanne

Die Konzentrationsspanne bzw. Aufmerksamkeitsspanne beschreibt jene Menge an Information, die in einer Situation bei kurzzeitiger Darbietung (experimentell meist mit einem Tachistoskop dargeboten) entnommen werden kann, also in den sensorischen Kurzzeitspeicher aufgenommen wird.

Die altersspezifischen Konzentrationsspannen bzw. Aufmerksamkeitsspannen schwanken vor allem bei Kindern und Jugendlichen je nach Entwicklung, Interessen und Persönlichkeit. Vor allem in der Pubertät leidet die Konzentrationsfähigkeit zuätzlich. Da die Konzentrationsfähigkeit ein Reifungsprozess ist, müssen Kinder erst lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren, was  häufig schon dadurch erreicht wird, dass die Motorik reduziert und vornehmlich die visuelle oder auditive Wahrnehmung beansprucht wird. Oft entsteht in der Erziehung ein Konfliktpotential aus der Tatsache, dass Eltern und LehrerInnen von ihrer eigenen Konzentrationskompetenz ausgehen. Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen beträgt bei

  • 5-7 Jährigen durchschnittlich 15 Minuten
  • 7-10 Jährigen durchschnittlich 20 Minuten
  • 10-12 Jährigen durchschnittlich 20-25 Minuten
  • 12-14 Jährigen durchschnittlich 30 Minuten

Daraus wird ersichtlich, dass etwa die Dauer einer „normalen“ Unterrichtsstunde auf diese grundlegenden psychologischen Sachverhalte wenig Rücksicht nimmt bzw. es dem Lehrer überlässt, durch eine sinnvolle Unterrichtsplanung darauf Rücksicht zu nehmen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass es große interindividuelle Unterschiede gibt, die von individualen persönlichkeits- und entwicklungsspezifischen Faktoren abhängen, dann wird deutlich, dass die meisten Diagnosen schlicht auf Grund einer Unkenntnis der psychologischen Fakten zustandekommen. Auch ist zu berücksichtigen,  dass schon kleinste Störfaktoren die Konzentrationsspanne eingeschränkt wird, wodurch die Aufmerksamkeit sinkt und die Aufnahme von Informationen beeinträchtigt wird.

Aufmerksamkeitsspanne nimmt mit dem Lebensalter ab

Mit zunehmendem Alter klagen viele Menschen über Schwierigkeiten mit dem Gehör, wobei Probleme, andere zu verstehen, besonders dann auftretem, wenn es in der Umgebung laut ist, oder wenn mehrere Personen durcheinander sprechen. In einem Experiment hörten 18 Probanden im Alter von 20 bis 30 Jahren und 20 Probanden im Alter von 60 bis 70 Jahren gesprochene Zahlen. Per Knopfdruck sollten sie jeweils angeben, ob die zweite Zahl größer oder kleiner war als die erste. Um eine dem Alltag ähnliche Hörsituation zu schaffen, überlagerten die Forscher die gesprochenen Zahlen mit einem Störgeräusch. Manipuliert wurde zum einen die akustische Qualität des Gehörten, indem bestimmte Frequenzen aus dem Sprachsignal gelöscht wurden. Zum anderen variierte die Vorhersehbarkeit der Lösung: Denn bei einer sehr kleinen Anfangszahl, ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit höher, dass die zweite Zahl größer ist. Während des gesamten Versuchs erfasste man die Gehirnaktivität der Versuchsteilnehmer mit Hilfe der Elektroenzephalographie, wobei besonderes Augenmerk dabei auf die regelmäßigen Alpha-Wellen mit einer Frequenz von circa zehn Schwingungen pro Sekunde gelegt wurde, deren Anpassung an veränderte Hörsituationen in Alltagssituationen das Sprachverständnis verbessert. Es zeigte sich, dass sowohl jüngere als auch ältere Probanden von einer besseren Vorhersagbarkeit profitierten und schneller beim Lösen der Aufgabe waren. Entsprechend nahm auch der Ausschlag der Alpha-Wellen im EEG bei besserer Vorhersagbarkeit ab. Auch bei höherer Sprachqualität war eine solche Abnahme zu beobachten, jedoch war dieser Effekt der veränderten akustischen Qualität bei den Älteren stärker ausgeprägt, d. h., sie profitierten mehr von höherer Sprachqualität und lösten auch die Aufgaben schneller. Offenbar verschiebt sich die Aufmerksamkeit im Alter stärker auf akustische Aspekte des Sprachsignals, wobei der Ausschlag der Alpha-Wellen während der Höraufgabe bei älteren Teilnehmern schneller abnahm als bei jüngeren, was auf eine stärker abnehmende Aufmerksamkeit hindeutet. Auch klagten besonders jene Probanden, deren Alpha-Wellen sich im Experiment nur wenig an veränderte Akustik und Vorhersagbarkeit anpassten, darüber, im Alltag mitunter Schwierigkeiten mit dem Sprachverständnis zu haben.

Literatur
Wöstmann, M., Herrmann, B., Wilsch, A. & Obleser, J. (2015). Neural alpha dynamics in younger and older listeners reflect acoustic challenges and predictive benefits [Abstract]. The Journal of Neuroscience, 35, 1458-1467.

Siehe dazu Störungen der Aufmerksamkeit – „Konzentrationsstörungen“ und Faustregel Konzentrationsspanne

Kuriosum: Beim Schreiben dieses Textes meldete sich das CMS WordPress mit folgendem Alert: „Ablenkungsfreies Schreiben: Wenn du den Modus zum ablenkungsfreien Schreiben aktivierst, wird, sobald du anfängst zu schreiben, alles ausgeblendet, was den Editor umgibt. Ziehst du die Maus aus dem Bereich des Editors, wird alles wieder eingeblendet.“ Wenn das nicht AI ist, dann weiß ich nicht 😉





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