Asperger-Syndrom

Das Asperger-Syndrom gehört zum Spektrum der autistischen Störungen, ist also eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die  durch eine qualitative Beeinträchtigung in der sozialen Interaktion und der Kommunikation sowie ein eingeschränktes oder sich wiederholendes Interessenspektrum charakterisiert ist. Männer sind davon häufiger betroffen als Frauen. Neurophysiologische Beeinträchtigungen führen beim Asperger-Syndrom zu Störungen der Fein- und Sensomotorik und schränken die visuell-räumliche Wahrnehmung und die nonverbale Kategorienbildung ein. Die individuellen Ausprägungen sind  dabei sehr unterschiedlich, wobei aber Inselbegabungen wie enorme Gedächtnis- oder Rechenleistungen, die in der Öffentlichkeit oft mit Autismus assoziiert werden, eher selten sind. Menschen mit dem Asperger-Syndrom sind in den kognitiven und intellektuellen Fähigkeiten nicht spezifisch beeinträchtigt, d. h., Sprache und äußerliche Alltagskompetenzen entwickeln sich zeitgerecht. Problematisch sind aber Defizite in der Fähigkeit, die emotionale Befindlichkeit des Gegenübers in Mimik und Gestik zu erfassen, wodurch Missverständnisse und Konflikte entstehen. Besonders typisch für Asperger-Autisten sind daher Defizite im Umgang mit anderen Menschen, sie verhalten sich oft ungeschickt und anders als normal. So fällt es vielen Betroffenen etwa schwer, zwischen ernsten und humorvoll gemeinten Äußerungen von Mitmenschen zu differenzieren, und nehmen gerne Redewendungen wörtlich, wenn etwa jemand vor Ärger in die Luft geht oder ein Brett vor dem Kopf hat. Die Sprache wird dabei zwar logisch korrekt aber im Kontext oft unpassend wörtlich verarbeitet, was den Umgang mit Ironie und Humor erschwert. Daher fällt Kindern mit frühkindlichem Autismus das Imitationslernen schwer, denn während gesunde Kinder durch Beobachten und Nachahmen lernen und sich Fähigkeiten spontan aneignen, ist dies bei autistischen Kindern stark eingeschränkt, sodass sie sehr individuell angepasste Lernumgebungen und Lernprogramme benötigen. Vielen fällt es auch schwer, im Alltag ungewohnte Situationen zu meistern, etwa sich in einem unbekannten Schwimmbad zurecht zu finden.

Alle autistischen Störungen beruhen auf einer angeborenen Entwicklungsstörung des Gehirns, haben also eine biologische Grundlage, wobei nach derzeitigem Wissensstand bei autistischen Menschen bestimmte Verbindungsstrukturen und Vernetzungen zwischen verschiedenen Hirnarealen anders angelegt sind als bei gesunden Menschen. Vorrangig durch diese veränderten Anlagen sind autistische Menschen in charakteristischer Weise anders als typisch entwickelte Menschen. Früher war man davon ausgegangen, dass diese Krankheit zum Teil anerzogen oder traumatisch ist, was vor allem Eltern sehr häufig belastet hat. Fehlfunktion des sozialen Gehirns sind bei der Mehrzahl der Fälle aber durch genetische Faktoren mitbedingt, denn Untersuchungen zeigen, dass sich bei Eltern und nahen Verwandten oft leichte Symptome des Asperger-Syndroms wiederfinden lassen. Vermutlich spielt eine hohe Konzentration von Testosteron und der Mandelkern eine Rolle bei der Erkrankung, wobei der Mandelkern als Bestandteil des limbischen Systems für die emotionale Beurteilung zuständig ist und Testosteron für Veränderungen in der Gehirnchemie.

Die Diagnose ist vor allem bei Erwachsenen schwierig, denn es gibt bisher noch keine standardisierten Tests im Gegensatz zu Kindern, denn bei diesen werden die Eltern befragt, zudem wird das Kind beim Spielen beobachtet. Allerdings dauert es auch hier viele Stunden, bis man zu einer Diagnose kommt. Trotz aller Probleme kommen viele Asperger-Kinder in einer normalen Schule ganz gut zurecht, allerdings sind Konzentration und Aufmerksamkeit oft ein großes Problem, da sie leicht unter Reizüberflutung und anderen Stressfaktoren leiden. Wichtiger sind für betroffene Kinder Phasen, in denen sie alleine zur Ruhe kommen können, feste Strukturen und Rituale, weil diese Sicherheit und Stabilität geben. All diese Eigenarten führen dazu, dass Freundschaften nicht so einfach sind, wobei man auch hier genau auf die Wünsche der Kinder eingehen muss, denn viele Asperger-Kinder haben gar kein so großes Interesse an Freundschaften und sind auch alleine ganz zufrieden. Allerdings müssen viele betroffene Kinder und Jugendliche wegen ihres Andersseins mit den Hänseleien ihrer Mitschüler fertig werden, wobei SchulbegleiterInnen und IntegrationshelferInnen wertvolle Dienste leisten können, etwa als eine Art Dolmetscher zwischen dem autistischen Kind und seinen MitschülerInnenn, aber auch seinen LehrerInnen. Hilfreich sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen, etwa ein soziales Kompetenztraining: Wie kann ich ein Gespräch beginnen? Wie telefoniere ich richtig? Bei manchen erwachsenen Betroffenen ist auch ganz praktische Lebenshilfe wichtig, etwa die Unterstützung bei Behördengängen. Gleichwohl bleiben bei vielen Betroffenen lebenslange Probleme, etwa das Fehlen eines Partners und, damit verbunden, die Einsamkeit. Es gibt manche Betroffene, bei denen eine Partnerschaft funktioniert und die Kinder haben, aber für die meisten bietet sich diese Möglichkeit nicht.

Das Asperger-Syndrom wurde nach dem österreichischen Arzt Hans Asperger benannt und erst in den 1990er Jahren in die medizinischen Klassifikationssysteme aufgenommen. Das Asperger-Syndrom wird zwar zum Formenkreis des Autismus gerechnet, allerdings neigen mmer mehr Experten dazu, die einzelnen Formen nicht weiter aufzuschlüsseln, weil die Übergänge fließend sind, denn diese Entwicklungsstörung hat viele Facetten und auch der Übergang zur Normalität ist fließend (Eigenbrötler). Es gilt der Grundsatz: Jeder autistische Mensch ist ein anderer Autist.

Quelle
http://www.c-d-k.de/psychotherapie-klinik/Stoerungen/Asperger-Syndrom.html (12-02-03)




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