Identität

Jeder Mensch ist, wie er ist, und hat dabei eine Vorstellung davon, wie und wer er ist, er besitzt eine Identität. Diese Identität findet und entwickelt er im Laufe seines Lebens, wobei ihm die Sprache hilft, denn Menschen erzählen gerne über sich selbst, über das, was sie erlebt und unternommen haben und wie sie in dieser und in jener Situation reagiert haben. Menschen suchen dabei nach jenen Eigenschaften, die sie als Person kennzeichnen und unverwechselbar machen, d.h., sie formen durch die Erzählungen ihre „narrative Identität“. Im Laufe der Zeit entwickeln, bekräftigen oder verändern sie ihre Selbsterzählungen, d.h., sie (re)konstruieren sie ihr Selbst aus den erinnerten Episoden ihrer Vergangenheit fortlaufend und verweben Anekdoten aus ihrer Vergangenheit zu einer Lebensgeschichte, einer umfassenden Erzählung darüber, wie sie zu der Person wurden, die sie sind (vgl. Saum-Aldehoff, 2010).

Man kann zwischen psychischer und sozialer Identität unterscheiden. Die psychische Identität stellt keine wie auch immer geartete eindeutige Essenz oder ein unveränderliches Wesen dar. Im Gegenteil: Identität als psychologisches Konzept geht geradezu davon aus, dass sich ein Mensch mit etwas “identifiziert”, also ein äußeres Merkmal einer bestehenden Gruppenidentität als sein eigenes Wesensmerkmal annimmt. In gewisser Hinsicht erscheint dies als notwendiger Prozess zur Heranbildung einer eigenen Persönlichkeit, aber es bleibt stets ein Element der Fremdbestimmung und Zuschreibung. Die soziale Identität hingegen wird einer Person durch die Gesellschaft zugeschrieben und umfasst alle Eigenschaften die diese Identität enthält. Eine soziale Identität ist eng mit der Übernahme bestimmter Rollen innerhalb einer (sozialen) Gruppe verbunden. Eine Rolle kann die berufliche Arbeit sein.

Die Identität ist auch die 5. Stufe in Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung (Jugendalter) und steht der Identitätsdiffusion gegenüber: Identität bedeutet nach Erikson (1994), dass man weiß, wer man ist und wie man in diese Gesellschaft passt. Aufgabe des Jugendlichen ist es, all sein Wissen über sich und die Welt zusammenzufügen und ein Selbstbild zu formen, das für ihn und die Gemeinschaft gut ist. Seine soziale Rolle gilt es zu finden. Ist eine Rolle zu strikt, die Identität damit zu stark, kann das zu Intoleranz führen. Schafft der Jugendliche es nicht, seine Rolle in der Gesellschaft und seine Identität zu finden, führt das nach Erikson zu Zurückweisung. Menschen mit dieser Neigung ziehen sich von der Gesellschaft zurück und schließen sich u.U. Gruppen an, die ihnen eine gemeinsame Identität anbieten. Wird dieser Konflikt erfolgreich ausbalanciert, so mündet das in die Fähigkeit der Treue. Obwohl die Gesellschaft nicht perfekt ist, kann man in ihr leben und seinen Beitrag leisten, sie zu verbessern.
Siehe dazu im Detail Phasen der psychosozialen Entwicklung nach Erik Homburger Erikson

Einige Definitionen

1. Definition
Von lateinisch zu idem = derselbe bezeichnet Identität in der Psychoanalyse das emotionale Sich gleichsetzen mit einer anderen Person oder einer Gruppe und Übernahme ihrer Motive und Ideale in das eigene Ich (vgl. Autorengemeinschaft & Redaktionelle Leitung Grill, 1992, S. 119f).
2. Definition
Identität wird als Wahrnehmung der relativen Einheitlichkeit der Einstellungen, Gefühle und des Verhaltens trotz wechselnder Umweltbedingungen und des Fortschreitens der Zeit beschrieben (vgl. Brunner & Zeltner, 1980, S. 100).
3. Definition
„Identität bezeichnet die völlige Übereinstimmung eines Indiviuums oder einer Sache mit sich selbst. In Bezug auf die Identität des Menschen spricht die Psychologie von einem dynamischen Selbstkonzept, das lebenslang in Entwicklung begriffen ist, im Wechselspiel mit dem sozialen Umfeld kontinuierlich Veränderungen und in Form von Identitätskrisen“ (Köck & Ott, 1997, S. 312).
4. Definition
„Identität ist das Gesamt der Antworten auf die Frage: Wer bin ich? Wer sind wir?“ (Reinhold, 1997, S. 276).
5. Definition
Identität meint den Zielzustand, sich durch Integration neuer Erfahrungen wandeln und mit widersprüchlichen Normen umgehen zu können, ohne die eigenen Intentionen aufzugeben (vgl. Keck & Sandfuchs, 1994 S. 156).
6. Definition
Nach Krappmann stellt die Identität die Besonderheit des Individuums dar (vgl. Krappmann, 1969 S. 9).

Verwendete Literatur
Autorengemeinschaft & Redaktionelle Leitung Grill, G. (1992). Meyers großes Taschenlexikon. Mannheim: B.I. Taschenbuchverlag.
Brunner, R. & Zeltner, W. (1980). Lexikon zur Pädagogischen Psychologie und Schuldpädagogik. München: Ernst Reinhardt Verlag.
Erikson, E. (1994). Identität und Lebenszyklus. Drei Aufsätze. Suhrkamp.
Keck, R. & Sandfuchs, U. (1994). Wörterbuch Schulpädagogik. Ein Nachschlagewerk für Studium und Schulpraxis. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt Verlag.
Köck, P. & Ott, H. (1997). Wörterbuch für Erziehung & Unterricht. 3100 Begriffe aus den Bereichen Pädagogik, Didaktik, Psychologie, Soziologie, Sozialwesen. Donauwörth: Auer Verlag.
Krappmann, L. (2000). Soziologische Dimensionen der Identität. Strukturelle Bedingungen für die Teilnahme an Interaktionsprozessen. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
Reinhold, G. (1997). Soziologie-Lexikon. München: R. Oldenbourg Verlag.
Saum-Aldehoff, Thomas (2010). Es war einmal: ich.
WWW: http://www.psychologie-heute.de/news_partnerschaft_sexualitaet/
identitaet_selbstbild_es_war_einmal_ich__100902.html (2010)

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