Lysergsäurediethylamid – LSD

Lysergsäurediethylamid (LSD) ist eine starke halluzinogene Droge, die auch als Acid bekannt ist. LSD ist das Alkaloid des Mutterkornpilzes und der Trichterwinde. Erstmalig 1938 von Albert Hofmann in den Labors von Sandoz (Basel) extrahiert und 1943 in seiner Wirkung von demselben entdeckt. LSD ist die Substanz mit der stärksten bekannten psychoaktiven Wirkung. Liegt zumeist als LSD-getränkte Löschpapier-Blättchen („Trips“), seltener als Pillen („Micros“) vor. LSD ist bereits in sehr geringer Dosierung wirksam. Rausch bei etwa 0,1 mg. Einnahme: oral oder intravenös.

Die Wirkungen von Halluzinogenen auf die Psyche sind vielfältig, unter anderem verändern sie Wahrnehmung, Zeiterleben, Denken und emotionales Erleben. Unmittelbar nach der Entdeckung war das Interesse insbesondere in der Psychiatrie groß, denn man erhoffte sich etwa Einblicke in die Entstehung von Halluzinationen und führte Studien zur Wirksamkeit bei Erkrankungen wie Depression oder Alkoholabhängigkeit durch. In den 60er Jahren wurde LSD weltweit für illegal erklärt und die medizinische Forschung kam zum Erliegen, doch seit einigen Jahren ist das Interesse an der Erforschung von Halluzinogenen für medizinische Zwecke wieder erwacht.

Carhart-Harris et al. (2016) haben mit bildgebenden Verfahren untersucht, was unter LSD-Einwirkung im Gehirn passiert – man verabreichte zwanzig Freiwilligen an einem Tag 75 Mikrogramm LSD und an einem anderen Tag ein Placebo -, wobei die Ergebnisse zu den Selbstbeschreibungen der normalen Konsumenten von LSD und zu deren Halluzinationen passen. Werden nämlich visuelle Informationen im Wachzustand für gewöhnlich im visuellen Cortex verarbeitet, spielt dieser zwar bei LSD-Konsumenten auch eine wichtige Rolle, steht aber in einem stärkeren Austausch mit anderen Gehirnarealen, sodass durch LSD die Grenzen zwischen den einzelnen neuronalen Netzwerken durchlässiger werden, was zu einer vielfältigeren Wahrnehmung führt, in der verschiedene Sinneseindrücke ineinanderfließen. Im Laufe des Lebens werden menschliche Gehirne immer spezialisierter und starrer, was sich jedoch unter LSD-Einfluss ändert, indem diese wieder anschlussfähiger an andere werden, was auch Areale betrifft, die für das Selbstbewusstsein zuständig sind. Man fand damit vermutlich auch eine neuronale Erklärung dafür, warum Menschen unter LSD-Einfluss ihr eigenes Ich plötzlich so viel leichter und intensiver in einen größeren Kontext, etwa als Teil der Erde oder gar des Universums, einordnen und nachempfinden können. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist ein Gehirn im LSD-Zustand eher wie das eines Kindes, nämlich freier und ungezwungen.

LSD reduziert nach neueren Untersuchungen auch die Aktivität jener Hirnregion, die für die Verarbeitung von negativen Emotionen wie Angst von zentraler Bedeutung ist. Psychoaktive Substanzen wie LSD könnten daher vor allem in der Kombination mit Psychotherapien eine Alternative zu herkömmlichen Medikamenten bieten, denn Halluzinogene binden an einen Rezeptor des Neurotransmitters Serotonin. Mueller et al. (2017) konnten nämlich zeigen, dass eine Evokation von Angst unter LSD zu einer deutlich niedrigeren Aktivität der Amygdala führt, also jene Hirnregion, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Diese Beobachtung könnte auch jene Veränderungen im emotionalen Erleben erklären, die nach der Einnahme von Halluzinogenen auftreten, denn je niedriger die LSD-induzierte Amygdala-Aktivität eines Probanden war, desto höher war der subjektive Drogeneffekt dieser Person.

Literatur

Mueller, F. , Lenz, C. , Dolder, P. C. , Harder, S. , Schmid, Y. , Lang, U. E. , Liechti, M. E.  & Borgwardt, S.  (2017). Acute effects of LSD on amygdala activity during processing of fearful stimuli in healthy subjects. Translational Psychiatry, 7, doi:10.1038/tp.2017.54.
Robin L. Carhart-Harris, Suresh Muthukumaraswamy, Leor Roseman, Mendel Kaelen, Wouter Droog, Kevin Murphy, Enzo Tagliazucchi, Eduardo E. Schenberg, Timothy Nest, Csaba Orban, Robert Leech, Luke T. Williams, Tim M. Williams, Mark Bolstridge, Ben Sessa, John McGonigle, Martin I. Sereno, David Nichols, Peter J. Hellyer, Peter Hobden, John Evans, Krish D. Singh, Richard G. Wise, H. Valerie Curran, Amanda Feilding, and David J. Nutt (2016). Neural correlates of the LSD experience revealed by multimodal neuroimaging. PNAS, doi:10.1073/pnas.1518377113.
https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Wie-LSD-seine-Wirkung-im-Gehirn-entfaltet.html (17-04-10)



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