Burnout

Burnout (Synonym „Das Burnout-Syndrom“) ist ein schwer abgrenzbares und somit unscharf definiertes Syndrom mit einem „unspezifischen Beschwerdebild“ handelt, es also keine typischen Symptome gibt, sondern Symptome, die bei ganz anderen Krankheiten ebenfalls auftreten. Man hat es häufig mit den folgenden Gruppen von Symptomen zu tun:

  • Psychische Symptome: Psychische Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Gefühlslabilität, Aggressivität, Ängste, Nervosität Somatische Symptome: Körperliche Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen, Anspannung, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Hypertonie, Tachykardie (sog. „Herzrasen“)
  • Kognitive Symptome: Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Selbstzweifel, Verlust jeglicher Motivation, Enttäuschung, Resignation, Langeweile, Gefühl einer totalen inneren Leere
  • Verhaltenstypische Symptome: Hyper- oder Hypoaktivität, Impulsivität, Zögern, Hinausschieben, vermehrter Konsum suchtfördernder Substanzen, hohes Risikoverhalten, sozialer Rückzug, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

Vor einer Diagnose muss medizinisch abgeklärt werden, ob eine organische Ursache wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Schilddrüsenüber- oder unterfunktion, eine organisch bedingte Schlafstörung vorliegt. Die Symptomatik kann auf verschiedene Arten betrachtet werden, linear (also mit dem Verlauf der Erkrankung in Bezug gesetzt) oder bezüglich der Art der Symptome.

Einige Burnout Definitionen

  • „…ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‘normaler’ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“ (Schaufeli & Enzmann 1998).
  • „…eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens – eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist“.
  • „…im symptomatischen Zentrum steht eine prozesshaft sich steigernde Unfähigkeit, negative Emotionen wie Unlust, Angst, Enttäuschung, Scham oder Ärger erfolgreich zu regulieren, ohne sich dabei auch von positiven Emotionen wie Freude, Stolz und Dankbarkeit abzukoppeln“.

Ursächlich sind subjektiv als „Fallen“ empfundene Situationen von Hilflosigkeit, in denen man entweder mit noch so viel Anstrengung nicht bekommt, was man anstrebt, oder nicht vermeiden oder beenden kann, was man gerade nicht anstrebt“. Möglicherweise ist die umfassende Erschöpfung, die als Kernsymptom gilt, eine biologisch fundierte „Not-Abschalt-Reaktion“, die den Organismus davor bewahren soll, die letzte Energie an aussichtslosen Stellen zu verschwenden

Phasen des Burnout

Diese Phasen und Symptome sind nicht strikt voneinander abgrenzbar, nicht alle treten in jedem Fall auf und auch nicht zwingend in dieser Reihenfolge. Der Verlauf ist meist sehr individuell und hängt außerdem davon ab, welche Ursachen im Vordergrund steht. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Burnout bereits nach wenigen Monaten beginnen kann und spätestens nach drei Jahren offensichtlich wird. Dies zeigt sich in Unternehmen häufig an den Fluktuationsraten.

Phase 1: Warnsymptome der Anfangsphase

Vermehrtes Engagement für Ziele: Gefühl der Unentbehrlichkeit, Gefühl, nie Zeit zu haben, Verleugnung eigener Bedürfnisse, Hyperaktivität, gleichzeitig Gefühle von Erschöpfung: Müdigkeit, Energiemangel, Unausgeschlafenheit.

Phase 2: Reduziertes Engagement / Rückzug
Allgemein: Unfähigkeit oder Widerwille zu geben, Verlust des Einfühlungsvermögens, Zynismus gegenüber Klienten, Patienten, Mitarbeitern, Kunden usw.: Verlust positiver Einstellungen gegenüber den Menschen, denen meist der größte Teil der eigenen Arbeit gewidmet ist, Distanz bzw. Meiden von Kontakten, Gefühl der Ernüchterung;
– während der Arbeit: negative Einstellung zur Arbeit allgemein, Widerwillen, Überdruss, Arbeitspausen werden überzogen, Fehlzeiten, Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit (“Aufblühen am Wochenende”);
– erhöhte Ansprüche: Verlust von Idealismus, Konzentration auf eigene Ansprüche, Gefühl mangelnder Anerkennung, private Probleme nehmen zu (z. B. Probleme mit den Kindern oder dem Partner).

Phase 3: Emotionale Reaktionen /Schuldzuweisung

– Depression: Selbstmitleid. Humorlosigkeit, unbestimmte Angst, abrupte Stimmungsschwankungen, verringerte emotionale Belastbarkeit, Gefühl der Abstumpfung bzw. von innerer Leere, Apathie, Schuldgefühle;
– Aggression: Schuldzuweisung bzw. Vorwürfe an andere, Reizbarkeit, häufige Konflikte mit anderen, Ärger, Intoleranz, Launenhaftigkeit, Negativismus.

Phase 4: Abbau
– Geistige Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ungenauigkeit, Desorganisation;
– Motivation: verringerte Initiative, Dienst nach Vorschrift;
– Kreativität: verringerte Fantasie, Flexibilität;
– Wahrnehmung: undifferenziert, Schwarz- Weiß-Denken.

Phase 5:Verflachung
– Emotionales Leben: Gleichgültigkeit;
– Soziales Leben: Beschäftigung mit sich selbst, Gespräche über die eigene Arbeit werden vermieden, Privatkontakte werden vermieden, Einsamkeit;
– Geistiges Leben: Desinteresse, Langeweile, Hobbys werden aufgegeben.

Phase 6: Psychosomatische Reaktionen
– Schlafstörungen, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Muskelverspannungen,
Schwächung des Immunsystems, Rücken- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen, veränderte Essgewohnheiten, mehr Alkohol, Kaffee, Tabak, Drogen, Sexualprobleme usw.

Phase 7: Verzweiflung

– Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Existentielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken.

Der Verlauf ist sehr individuell und hängt ausserdem davon ab, welche Ursachen im Vordergrund steht. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Burnout bereits nach wenigen Monaten beginnen kann und spätestens nach drei Jahren offensichtlich wird. Dies zeigt sich in Unternehmen häufig an den Fluktuationsraten.

Siehe auch “Menschen, die besonders Burn-out-gefährdet sind

Prävention

Burnout ist eine arbeitsbezogene Erkrankung, bei der die psychologisch richtige Erkennung von großer Bedeutung ist, doch der Begriff Burnout wird heute inflationär verwendet und viele Anbieter möchten scheinbar nutzbringende Maßnahmen gegen Burnout in Unternehmen anbieten und glauben nicht wissenschaftlich geprüfte Methoden als All-Heilmittel gegen Burnout oder Burnoutgefährdung gefunden zu haben. Dabei werden mitunter Gymnastik, Massagen oder Ähnliches als Maßnahmen gegen Burnoutgefährdung angeboten, ohne aber auf arbeits- oder unternehmensspezifische Faktoren wirklich einzugehen.

Bei der Prävention von Burnout wird meist nur auf Belastungsfaktoren in Unternehmen eingegangen, doch liegen die Wurzeln der Belastungen oft in anderen sozialen und personalen Bereichen. Belastung ist dabei nicht mit der Arbeitsmenge gleichzusetzen und den Ratschlag zu geben, einfach etwas weniger zu arbeiten, führt meist nicht zu einer Lösung. Vielmehr stellt sich die Frage, welche Bereiche in Firmen verändert werden können, die einerseits Burnout verhindern, die Leistung erhalten oder sogar steigern und auch tatsächlich auf Seiten eines Unternehmens veränderbar sind. Zumindest an den sozialen Beziehungen innerhalb einer Firma durch einen respektvollen, wertschätzenden Umgang kann präventiv angesetzt werden. Bei Präventionsprogrammen sollte das Wiedererwerben von Engagement bzw. Motivation und der Aspekt der Gesundheit in den Vordergrund gerückt werden, das Fördern von positiven Aspekten und nicht bloß das Verhindern von Burnout.

Quellen

Koch, Axel & Kühn, Stephan (2000). Ausgepowert? Offenbach: Gabal.
Schaufeli, W. & Enzmann, D. (1998). The Burnout Companion to Study and Practice. London: Taylor & Francis.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091223_OTS0030/fuehren-ohne-burnout (09-12-24)

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