Burnout

Burnout (Synonym „Das Burnout-Syndrom“) ist ein schwer abgrenzbares und somit unscharf definiertes Syndrom mit einem „unspezifischen Beschwerdebild“ handelt, es also keine typischen Symptome gibt, sondern Symptome, die bei ganz anderen Krankheiten ebenfalls auftreten. Man hat es häufig mit den folgenden Gruppen von Symptomen zu tun, die sich am Sichtbarsten im Beruf zeigen:

  • Psychische Symptome: Die psychischen Symptome beinhalten emotionale (z.B. Schuldgefühle), kognitive (z.B. Rigidität im Denken) und motorische (z.B. Verspannungen) Beeinträchtigungen. Des weiteren psychische Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Gefühlslabilität, Aggressivität, Ängste, Nervosität.
  • Somatische Symptome: Bei den physischen Symptomen zeigen sich erhöhte psychosomatische Beschwerden (z.B. Schlafstörungen), Erkrankungen (z.B. Kopfschmerzen) und physiologische Reaktionen (z.B. erhöhte Herzschlagrate). Des weiteren körperliche Erschöpfung, Müdigkeit, Schlafstörungen, Anspannung, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Hypertonie, Tachykardie (sog. „Herzrasen“).
  • Kognitive Symptome: Konzentrationsstörungen, Entscheidungsunfähigkeit, Selbstzweifel, Verlust jeglicher Motivation, Enttäuschung, Resignation, Langeweile, Gefühl einer totalen inneren Leere
  • Verhaltenstypische Symptome: Verhaltensauffälligkeiten äußern sich individuell z.B. in erhöhter Aggressivität, exzessivem Alkoholkonsum oder im Beruf durch Fernbleiben von der Arbeit (Absentismus). Des weiteren Hyper- oder Hypoaktivität, Impulsivität, Zögern, Hinausschieben, vermehrter Konsum suchtfördernder Substanzen, hohes Risikoverhalten, sozialer Rückzug, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.
  • Soziale Symptome: Veränderungen im Umgang mit anderen Menschen (z.B. Verlust von positiven Gefühlen anderen gegenüber), mit KollegInnen (z.B. Isolierung) oder auch im Privatleben (z.B. Einsamkeit) kennzeichnen soziale Symptome.
  • Einstellungsbezogene Symptiome: Bei ausgebrannten Menschen ändert sich darüber hinaus auch die Einstellung zu ihrer Arbeit, wobei sich diese etwa im Umgang mit ihren Klienten (z.B. Stereotypisierung von Klienten, Zynismus) oder in der Arbeit (z.B. negative Arbeitseinstellung) zeigen.

Es ist generell schwierig, eine klare Unterscheidung  zwischen psychischen Erkrankungen, die eine intensive medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung erfordern, und einer zeitweiligen Erschöpfung, die aus der Überforderung am Arbeitsplatz oder auch im Privatleben resultiert, zu treffen. Vor einer endgültigen Diagnose sollte immer auch medizinisch abgeklärt werden, ob eine organische Ursache wie Diabetes (Zuckerkrankheit), Schilddrüsenüber- oder unterfunktion oder eine organisch bedingte Schlafstörung vorliegt. Die Symptomatik kann  dabei auf verschiedene Arten betrachtet werden, linear (also mit dem Verlauf der Erkrankung in Bezug gesetzt) oder bezüglich der Art der Symptome.

Zur Begriffsverwendung

Überforderungsphänomene wie das Gefühl der Unkontrollierbarkeit der eigenen beruflichen Entwicklung, der Druck zum stetigen Neulernen, subjektive Überforderung durch erhöhte Anforderungen oder durch zeitaufwändige Kontrollprozeduren im Arbeitskontext sind Risikofaktoren, die bei Menschen psychische Störungen begünstigen, die früher in psychisch weniger anfordernden Tätigkeiten gut durchgekommen wären. Der Begriff des Burn-Out (Englisch für ausgebrannt) wird heute vielfach auch als reines Schlagwort benutzt und viele Menschen wissen gar nicht, was sich dahinter genau verbirgt.

Geprägt wurde der Begriff zu Beginn der 1970er-Jahre durch den New Yorker Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger. Dieser stellte zunächst bei sich selbst fest, dass ihn sein Beruf, der ihm vormals Freude bereitet hatte, nur noch ermüdete und frustrierte. Auch war Freudenberger aufgefallen, dass viele seiner Kolleginnen und Kollegen mit der Zeit immer missmutiger und zynischer wurden sowie ihre Patienten zunehmend lieblos und abweisend behandelten. Freudenberger nahm daraufhin auch Menschen aus anderen Berufsgruppen unter die Lupe, um immer wieder dieselben Probleme zu registrieren: Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsschwächen, nicht selten in Kombination mit körperlichen Symptomen wie Rückenschmerzen oder Verdauungsproblemen. Freudenberger definierte das Burnout-Syndrom daraufhin als einen Zustand erschöpfter physischer und mentaler Ressourcen, der mit dem Arbeitsleben in ursächlichem Zusammenhang steht.

Daher betraf das Burnout-Syndrom vor allem Menschen aus Berufsgruppen, die erhöhtem emotionalen Stress ausgesetzt waren, neben Ärzten auch Lehrer und Feuerwehrleute. Mittlerweile kam es zu einer rasanten Ausweitung der Zuschreibung des Phänomens Burn-Out auf andere Berufsgruppen. Allerdings kann das Burnout-Syndrom nicht wissenschaftlich exakt erfasst werden, da ganz unterschiedliche Symptome auftreten, sodass es sich um eine generelle, aber statistisch nicht exakt erfasste Feststellung handelt.

Manche Experten sind auch der Meinung, dass durch die ständige Präsenz in den Medien der Eindruck entsteht, dass das Phänomen Burnout in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Zwar belegen Studien, dass die zunehmende soziale Unsicherheit und der Druck am Arbeitsplatz die Menschen zunehmend krank machen, doch haben die Menschen in den vorherigen Jahrzehnten wesentlich mehr seelische Probleme gehabt, denn ebenso viele Menschen litten in der Nachkriegszeit unter den gleichen Belastungen, suchten aber nicht so oft einen Arzt auf.

Nach einer systemischen Sichtweise entsteht Burnout aus einer Dysbalance von Belastung und Erholung, d.h., aus einem Zusammentreffen mehrer Belastungsfaktoren, etwa am Arbeitsplatz (z.B. Zeitdruck, Arbeitsüberlastung, mangelnde Pausen, schlechtes Führungsverhalten), in der Person (z.B. ineffektives Stressmanagement, mangelnde Entspannungsfähigkeit), im privat-familiären Bereich (z.B. Belastungen durch Beziehungskrisen, Betreuungspflichten von Kindern, Pflegebedürftigen,…), aber auch im sozialen Bereich (z.B. Leistungsgesellschaft, hohe Arbeitslosigkeit bei problematischer wirtschaftlicher Lage). Jeder Mensch, der Belastung erlebt, muss diese Belastung verarbeiten – mit dieser Belastung umgehen. Keine konstruktive Verarbeitungsstrategie zu finden, stellt daher ein weiteres Risikomoment dar, wobei die Erholung, das Auffüllen der Reserven, ein wesentliches Ausgleichsmoment darstellen sollte.

Übrigens gibt es krankheitshistorisch zwischen dem rasanten Anwachsen der Klagen über Burnout in den letzten beiden Jahrzehnten und der Neurasthenie-Welle vor einem Jahrhundert auffällige Analogien, denn bei beiden Diagnosen handelt es sich um Importe aus den USA und in beiden Fällen sind diese besonders im deutschen Kulturraum eingeschlagen. Heute ist die permanente Erreichbarkeit via Smartphone ein Stressfaktor, und vor hundert Jahren löste der ständige Blick auf die Taschenuhr Unruhe aus.

Burnout als medizinische Gesundheitsstörung

Burnout ist keine definierte, medizinisch anerkannte Gesundheitsstörung und wird im Katalog der Weltgesundheitsorganisation nur im Anhang im Kapitel Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten führen erwähnt, bzw. als nicht näher definierte Befindlichkeitsstörung von Beeinträchtigungen wie etwa dem Mangel an Entspannung und Freizeit unterschieden. Burnout stellt sich deshalb als ein schillerndes Phänomen dar, das sehr häufig in Anspruch genommen wird, ohne dass jemand genau zu sagen weiß, worum es sich dabei genau handelt. Burn-out ist nicht nur im Kontext helfender Berufe zu finden, sondern auch Sportler, Manager und Unterbeschäftigte beklagen Burn-out, wobei die seelischen und körperlichen Symptome, die dem Burnout zugeschrieben werden, völlig unspezifisch sind, denn diese finden sich bei einer Vielzahl stressassoziierter Störungen, etwa auch bei der fast ebenso heterogenen Diagnose Depression.
Nach Markus Pawelzik (2011) ist Burnout deshalb so beliebt, da es ein nicht stigmatisierendes und vielfach sogar moralisch entlastendes Etikett für anhaltende subjektive Erschöpfung ist, etwa im Gegensatz zu psychiatrischen Diagnosen wie Depression. Burnout wird in diesem Fall nicht als Folge individuellen Versagens begriffen, sondern die Betroffenen sind Opfer widriger Umstände, d.h., das Problem wird externalisiert. Der anhaltende Erschöpfungszustand ist letztlich nichts anderes als das Produkt aus einem Mangel an genereller Leistungs- und Steuerungsfähigkeit des Organismus und seiner aktuellen Energiebilanz. Da Menschen heute oft in der Kultur eines irregeleiteten Individualismus und eines naiven Hedonismus leben, ergeben sich Sozialisationsbedingungen, unter denen die Fähigkeit, sich auf veränderte Bedingungen einzustellen, um aus Misserfolgen und Überforderungen zu lernen und dem eigenen Streben immer wieder eine neue Richtung zu geben, nicht mehr adäquat erlernt wird.

Einige Burnout Definitionen

  • „…ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‘normaler’ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht“ (Schaufeli & Enzmann 1998).
  • „…eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens – eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist“.
  • „…im symptomatischen Zentrum steht eine prozesshaft sich steigernde Unfähigkeit, negative Emotionen wie Unlust, Angst, Enttäuschung, Scham oder Ärger erfolgreich zu regulieren, ohne sich dabei auch von positiven Emotionen wie Freude, Stolz und Dankbarkeit abzukoppeln“.

Ursächlich sind subjektiv als „Fallen“ empfundene Situationen von Hilflosigkeit, in denen man entweder mit noch so viel Anstrengung nicht bekommt, was man anstrebt, oder nicht vermeiden oder beenden kann, was man gerade nicht anstrebt“. Möglicherweise ist die umfassende Erschöpfung, die als Kernsymptom gilt, eine biologisch fundierte „Not-Abschalt-Reaktion“, die den Organismus davor bewahren soll, die letzte Energie an aussichtslosen Stellen zu verschwenden.

In Kürze definiert

Das Burn-out-Syndrom bezeichnet einen vollständigen und für die Betroffenen zunächst unerklärlichen Motivationsverlust. Dieses „Ausbrennen“ geschieht nicht schlagartig, sondern geht schleichend voran. Zentrale Faktoren bei der Entstehung von Burn-out sind oft mit großem Ehrgeiz verfolgte Ziele und Bedürfnisse, die nicht oder nur mit großen Opfern erreicht werden können. Daraus können dann bei Nichterreichen der Ziele Verzweiflungsgefühle und bei Erreichen Erschöpfungszustände resultieren. Dies geht meist mit einem Rückzug aus dem gewohnten sozialen Umfeld einher. Das Endstadium des Burnout – „Meltdown“ – ist durch chronische Hilflosigkeitsgefühle und Suizidgedanken geprägt.

Burnout des Gehirns

Ein Burn-Out ist auch für das Gehirn ein Zusammenbruch, denn bei einem Menschen, der ausbrennt, sind deutlich mehr Nervenbotenstoffe verbraucht als produziert worden, das Hirn „kollabiert“ an einem Mangel an Adrenalin, Dopamin, Serotonin oder Histamin, was dazu führt, dass nichts mehr geht. Dieses körperliche Defizit muss behandelt werden, bevor der Mensch beginnen kann, seine Psyche therapieren zu lassen und sich eine neue Lebensstruktur zu geben. Ein solcher Mangel an Nervenbotenstoffen macht sich nicht urplötzlich bemerkbar, sondern Menschen haben ein Depot an Botenstoffen, das je nach Veranlagung für rund zwei Jahre reicht. Wenn dieses Depot ausgeschöpft ist und die normale Botenstoff-Produktion nicht mehr mit der Ausschüttung Schritt halten kann, dann kommt es zu einem Mangel, der sich etwa in einer Erschöpfungsdepression mündet. Selten verausgabt sich ein Mensch bis hin zu einer Erschöpfungsdepression oder einem Burnout ausschließlich durch die von ihm geforderte Leistung, sondern man verausgabt sich meist an Nebenschauplätzen. Bei der Arbeit ist nicht die Arbeit selber, die belastet, sondern die wachsende Angst, damit nicht fertig zu werden, Fehler dabei zu machen oder sein Plansoll nicht zu erfüllen. Erwartungsängste und Versagensängste sind in diesem Fall die wahren Stressoren, die sich oft bedingt durch Erziehung und Lebenserfahrung tief in uns verankert haben und so dominant werden können, dass sie den Alltag und den Menschen beherrschen. Erste Anzeichen, dass man an seinen Aufgaben und Gefühlen zerbricht, deuten sich an, wenn man je nach Typ entweder überdreht oder apathisch reagiert. Wer auszubrennen droht, wer womöglich in eine Erschöpfungsdepression fällt, dessen Blick kann stumpf sein, die Motorik schleppend, die Mimik resigniert. Bei Menschen, die überdreht reagieren, ist vor allem das Gesicht im Bereich der Wangenknochen extrem gespannt, der Kopf etwas nach vorn gebeugt, als wäre man stets auf Angriff programmiert, der Körper wie ein Bogen unter Anspannung. Der überdrehte Typus ist auf Grund des größeren Handlungspotential einer größeren Suizidgefahr ausgesetzt ist. Nicht nur erwachsene Männer und Frauen leiden an Burnout-Syndromen, sondern auch Kinder und Jugendliche, wobei diese die gleichen Anzeichen zeigen, aber sie drücken sich anders aus, eben so, wie sie es altersgerecht können, nämlich nicht mit Worten, sondern mit Taten. Sie laufen von zu Hause weg, sie prügeln sich, sie stehlen, sie werden krank, sie „verlassen den sozialen Kontext“. Eltern sollten höchste Aufmerksamkeit walten lassen, wenn ihnen ein Knick im Verhaltensmuster ihres Kindes auffällt, wenn es Dinge tut, die an ihm bis dahin nicht beobachtet werden konnten. Auch Kinder werden häufig nicht mit der Komplexität des Alltags fertig werden, mit der ständigen Konfrontation an Reizen und Informationen. Vor allem Eltern tun sich schwer, die eigenen Grenzen und die Grenzen des Kindes zu respektieren.

Phasen des Burnout

Diese Phasen und Symptome sind nicht strikt voneinander abgrenzbar, nicht alle treten in jedem Fall auf und auch nicht zwingend in dieser Reihenfolge. Der Verlauf ist meist sehr individuell und hängt außerdem davon ab, welche Ursachen im Vordergrund steht. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Burnout bereits nach wenigen Monaten beginnen kann und spätestens nach drei Jahren offensichtlich wird. Dies zeigt sich in Unternehmen häufig an den Fluktuationsraten.

Phase 1: Warnsymptome der Anfangsphase

Vermehrtes Engagement für Ziele: Gefühl der Unentbehrlichkeit, Gefühl, nie Zeit zu haben, Verleugnung eigener Bedürfnisse, Hyperaktivität, gleichzeitig Gefühle von Erschöpfung: Müdigkeit, Energiemangel, Unausgeschlafenheit.

Phase 2: Reduziertes Engagement / Rückzug
Allgemein: Unfähigkeit oder Widerwille zu geben, Verlust des Einfühlungsvermögens, Zynismus gegenüber Klienten, Patienten, Mitarbeitern, Kunden usw.: Verlust positiver Einstellungen gegenüber den Menschen, denen meist der größte Teil der eigenen Arbeit gewidmet ist, Distanz bzw. Meiden von Kontakten, Gefühl der Ernüchterung;
– während der Arbeit: negative Einstellung zur Arbeit allgemein, Widerwillen, Überdruss, Arbeitspausen werden überzogen, Fehlzeiten, Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit („Aufblühen am Wochenende“);
– erhöhte Ansprüche: Verlust von Idealismus, Konzentration auf eigene Ansprüche, Gefühl mangelnder Anerkennung, private Probleme nehmen zu (z. B. Probleme mit den Kindern oder dem Partner).

Phase 3: Emotionale Reaktionen /Schuldzuweisung

– Depression: Selbstmitleid. Humorlosigkeit, unbestimmte Angst, abrupte Stimmungsschwankungen, verringerte emotionale Belastbarkeit, Gefühl der Abstumpfung bzw. von innerer Leere, Apathie, Schuldgefühle;
– Aggression: Schuldzuweisung bzw. Vorwürfe an andere, Reizbarkeit, häufige Konflikte mit anderen, Ärger, Intoleranz, Launenhaftigkeit, Negativismus.

Phase 4: Abbau
– Geistige Leistungsfähigkeit: Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, Ungenauigkeit, Desorganisation;
– Motivation: verringerte Initiative, Dienst nach Vorschrift;
– Kreativität: verringerte Fantasie, Flexibilität;
– Wahrnehmung: undifferenziert, Schwarz- Weiß-Denken.

Phase 5:Verflachung
– Emotionales Leben: Gleichgültigkeit;
– Soziales Leben: Beschäftigung mit sich selbst, Gespräche über die eigene Arbeit werden vermieden, Privatkontakte werden vermieden, Einsamkeit;
– Geistiges Leben: Desinteresse, Langeweile, Hobbys werden aufgegeben.

Phase 6: Psychosomatische Reaktionen
– Schlafstörungen, Herzklopfen, Engegefühl in der Brust, Muskelverspannungen,
Schwächung des Immunsystems, Rücken- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen, veränderte Essgewohnheiten, mehr Alkohol, Kaffee, Tabak, Drogen, Sexualprobleme usw.

Phase 7: Verzweiflung

– Negative Einstellung zum Leben, Hoffnungslosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Existentielle Verzweiflung, Selbstmordgedanken.

Der Verlauf ist sehr individuell und hängt ausserdem davon ab, welche Ursachen im Vordergrund steht. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Burnout bereits nach wenigen Monaten beginnen kann und spätestens nach drei Jahren offensichtlich wird. Dies zeigt sich in Unternehmen häufig an den Fluktuationsraten.

Siehe auch „Menschen, die besonders Burn-out-gefährdet sind

Prävention

Burnout ist eine arbeitsbezogene Erkrankung, bei der die psychologisch richtige Erkennung von großer Bedeutung ist, doch der Begriff Burnout wird heute inflationär verwendet und viele Anbieter möchten scheinbar nutzbringende Maßnahmen gegen Burnout in Unternehmen anbieten und glauben nicht wissenschaftlich geprüfte Methoden als All-Heilmittel gegen Burnout oder Burnoutgefährdung gefunden zu haben. Dabei werden mitunter Gymnastik, Massagen oder Ähnliches als Maßnahmen gegen Burnoutgefährdung angeboten, ohne aber auf arbeits- oder unternehmensspezifische Faktoren wirklich einzugehen.

Übrigens sind besonders leistungsfähige Menschen auch am stärksten vom Burnout bedroht, denn gut bei seiner Arbeit zu sein wird nämlich zum Risiko, da jemand, der seine Arbeit gut macht, oft noch ein Projekt hinzu bekommt. Zu den Auslösern von chronischem Stress gehört vor allem Arbeitsvolumen, Zeitdruck, geringer Gestaltungsspielraum, paralleles Arbeiten an mehreren Aufgaben und ständige Erreichbarkeit. Zur totalen Erschöpfung kommt es schließlich, wenn der arbeitsbedingte Energieverbrauch nicht mehr aufgefüllt werden könne.

Bei der Prävention von Burnout wird meist nur auf Belastungsfaktoren in Unternehmen eingegangen, doch liegen die Wurzeln der Belastungen oft in anderen sozialen und personalen Bereichen. Belastung ist dabei nicht mit der Arbeitsmenge gleichzusetzen und den Ratschlag zu geben, einfach etwas weniger zu arbeiten, führt meist nicht zu einer Lösung. Vielmehr stellt sich die Frage, welche Bereiche in Firmen verändert werden können, die einerseits Burnout verhindern, die Leistung erhalten oder sogar steigern und auch tatsächlich auf Seiten eines Unternehmens veränderbar sind. Zumindest an den sozialen Beziehungen innerhalb einer Firma durch einen respektvollen, wertschätzenden Umgang kann präventiv angesetzt werden. Bei Präventionsprogrammen sollte das Wiedererwerben von Engagement bzw. Motivation und der Aspekt der Gesundheit in den Vordergrund gerückt werden, das Fördern von positiven Aspekten und nicht bloß das Verhindern von Burnout.

Eine neuere Studie des Instituts für Psychologie der Universität Graz mit mehr als 500 Angestellten, Arbeitgebern und Führungskräften zeigte, dass der Faktor Gerechtigkeit in einem Unternehmen eine entscheidende Rolle spielt, denn überall dort, wo das Gerechtigkeitsempfinden hoch war, lag das Burnout-Syndrom erheblich niedriger.

Volkswirtschaftliche Kosten von Burnout

In einer Studie zu den Kosten von Burnout der Johannes Kepler Universität Linz zeigte sich, dass für ein früh erkanntes Burnout pro Betroffenen volkswirtschaftliche Gesamtkosten von 1500 bis 2300 Euro entstehen, während bei einer späten Diagnose mit monatelangen Krankenstände und aufwendigen Therapien sich die Kosten auf bis zu 130.000 Euro erhöhen können. Schon heute verursachen psychische Erkrankungen jährliche volkswirtschaftliche Kosten von sieben Milliarden Euro, d. h., ohne gegensteuernde Maßnahmen fällt die 10-Milliarden-Schallmauer in wenigen Jahren. Mit dem Programm „Stressfrei Austria“, das Unternehmen österreichweit zur Verfügung steht, soll  gegengesteuert werden, wobei man vor allem in Betrieben Mitarbeiter und Unternehmensführung durch Schulungen an das Thema Stress heranführen will, denn Unternehmen müssen darauf schauen, wie ihre Mitarbeiter eingesetzt sind, wo sie Unterstützung brauchen, aber auch die Mitarbeiter müssten lernen, mit ihren Kräften hauszuhalten und nicht immer zu sagen: „Ich schaff’ das schon“. Die neue Initiative will auch gegen Vorurteile auftreten, dass nur schwache oder unwillige Menschen betroffen sind.

Burnout im Psychomarkt

Da Burnout  als Krankheit äußerst unklare und diffuse Symptome aufweist, hat sich mit der Zeit ein milliardenschwerer Psychomarkt entwickelt, der den Betroffenen nur wenig oder gar nicht hilft, sondern diese in teils sinnlose Therapien einbindet, um daran Geld zu verdienen. Die Versprechen vieler Therapieangebote sind so unbestimmt wie die Diagnose Burnout selbst, denn nur wenige Menschen klagen heute nicht über Erschöpfungsdepressionen. Vor allem Privatkliniken haben das Thema Burnout entdeckt, nach dem Motto: Es wird nicht schaden, wenn man dahin geht.  Zahlreiche Angebote an Entspannungs- und Anti-Stress-Therapien werden in solchen Einrichtungen vor allem zahlungskräftigen Führungskräften angeboten. Versicherungen werben mit dem Hinweis auf Burnout für den Abschluss von Berufsunfähigkeitspolicen, Betriebsräte haben Anspruch auf eine vom Arbeitgeber bezahlte Schulung bei Anti-Burnout-Coaches, wobei Honorare von 2000 bis 3000 Euro für ein Tagesseminar keine Seltenheit sind. Die aktuelle Popularität von Burnout hat einen Markt geschaffen, der sich wissenschaftlicher Vokabeln bedient, aber oft jenseits wissenschaftlicher Ansprüche liegt.

Psychologische und psychotherapeutische Diagnose von Burnout

Die steigende Anzahl von seelischen Belastungen und die steigende Anzahl von Burnout Diagnosen lassen die Nachfrage nach Sachverständigen laut werden, die mit der Diagnostik und Unterscheidung von Burnout, Lebenskrisen, Mobbing, Führungsfehlern und anderen Belastungsstörungen im beruflichen Alltag vertraut sind. Psychotherapeuten sind in der Regel mit Fragen der psychosozialen und psychosomatisch bedingten Störungen und Leidensbildern vertraut, daher sind für die Beantwortung von Fragestellungen aus der Wirtschaft PsychologInnen und PsychotherapeutInnen als gerichtliche beeidete Sachverständige die adäquaten Ansprechpartner. Klare Diagnosen führen zu einer guten Kommunikation zwischen Betroffenen und ihren Arbeitgebern betreffend Therapie und Leistungsfähigkeit, Erhalt des Arbeitsplatzes bzw. Wiedereingliederung nach einem Burnout-Ausfall. Psychotherapeutische Gutachten zur Diagnostik von Burnout, seelischen Krisen, Depression, Mobbing, Führungsfehlern, Arbeitsplatzproblemen sind ein sinn- und wertvolles Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung von Entscheidungsträgern. Solche Gutachten beschäftigen sich mit psychosozial oder psychosomatisch bedingte Verhaltensstörungen und Leidenszustände von Personen, die aufgrund biologischer, psychologischer und soziokultureller Faktoren entstehen und sind auf Grund ihrer inhaltlichen Bezogenheit für die Bewertung von Arbeitsfähigkeit oder Arbeitsunfähigkeit geeignet. Medizinische Befunde können zusätzlich die Befundlage unterstützen.

Quellen

Burisch, M. (1989). Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. Berlin: Springer.
Koch, Axel & Kühn, Stephan (2000). Ausgepowert? Offenbach: Gabal.
Pawelzik Markus (2011). Psychologie Gefühlte Epidemie. Welt-online vom 4. Dezember 2011.
Schaufeli, W. & Enzmann, D. (1998). The Burnout Companion to Study and Practice. London: Taylor & Francis.
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091223_OTS0030/fuehren-ohne-burnout (09-12-24)
Schlolaut, M.-A. (2011). Wenn das Gehirn zusammenbricht.
WWW: http://www.ksta.de/html/artikel/1302889614476.shtml (11-04-26)
Welt online vom 12.12.2011
Fonds Gesundes Österreich (2010). Burnout – Leitfaden zur betrieblichen Gesundheitsförderung in Großbetrieben.
http://www.rundschau-online.de/psychologie/neurasthesie-bunr-out-gab-es-schon-vor-100-jahren,15856040,26672686.html (14-03-27)


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