Flow

Das Flow-Erlebnis ist ein spezielles Phänomen der intrinsischen Motivation, das vor allem von Csikszentmihalyi (1975, 1992) untersucht wurde. Bezeichnet wird damit der Zustand des reflexionsfreien gänzlichen Aufgehens in einer glatt laufenden Tätigkeit, die als angenehm erlebt wird und zu Zufriedenheit und freudvollem Erleben führt.Ausgangspunkt der Forschung waren Befragungen zu Tätigkeiten, welche für Amateure keinen Gewinn bringen, sondern im Gegenteil Kosten in Form von Ausrüstung, Zeit und Anstrengung fordern (z.B. Freeclimbing, Motorradfahren, Schachspielen). Diese sogenannten autotelischen Aktivitäten bieten Anreize, die in ihnen selbst und nicht in nachfolgenden Belohnungen liegen. Die Schwierigkeiten bei den Untersuchungen lagen darin, dass bei Befragungen das Erleben eines reflexionsfreien Aufgehens in der Tätigkeit oft nicht als Flow bezeichnet wurde, da der Anreiz oder Wert einer Handlung zunächst einmal nach dem Endresultat bewertet wurde, statt im Handlungsvollzug selbst. Ein Entzugsexperiment hat bewiesen, dass dabei die tatsächlichen Sachverhalte verkannt werden, da Menschen den Zustand des Flows suchen und brauchen. Als Versuchspersonen zu Forschungszwecken diejenigen Aktivitäten unterlassen mussten, mit denen sie üblicherweise flowähnliche Zustände erreicht hatten, wurden sie in der Folge gereizt und unkonzentriert.

Die sechs Komponenten des Flow sind nach Rheinberg (1995):

  • Handlungsanforderungen und Rückmeldungen werden als klar und interpretationsfrei erlebt, so dass man jederzeit und ohne nachzudenken weiss, was jetzt zu tun ist.
  • Man fühlt sich optimal beansprucht und hat auch bei hohen Anforderungen das sichere Gefühl, das Geschehen noch unter Kontrolle zu haben.
  • Der Handlungsablauf wird als glatt erlebt. Ein Schritt geht flüssig in den nächsten über, als liefe das Geschehen gleitend wie aus einer inneren Logik ab ( = Flow).
  • Man muss sich nicht willentlich konzentrieren, vielmehr kommt die Konzentration wie von selbst (wie die Atmung). Alle Kognitionen, die nicht unmittelbar auf die jetzige Ausführungsregulation gerichtet sind, werden ausgeblendet.
  • Das Zeiterleben ist stark beeinträchtigt; man vergisst die Zeit und weiss nicht, wie lange man schon dabei ist. Stunden vergehen wie Minuten.
  • Man erlebt sich nicht mehr abgehoben von der Tätigkeit, sondern geht vielmehr gänzlich in der eigenen Aktivität auf ( = Verschmelzen von Selbst und Tätigkeit). Es kommt zum Verlust von Reflexivität und Selbstbewusstheit. Hierin liegt aber auch eine Gefahr; wenn die Person ganz in der Regulation eines schnell ablaufenden und hoch komplexen Geschehens aufgeht, verlieren allgemeine Vorsätze zur Tätigkeitsausführung ihre Verhaltenswirksamkeit. Der gute Vorsatz ist zwar nicht vergessen, ist aber als abstrakte Maxime auf einer Ebene abgespeichert, die im Flowzustand ausser Betracht bleibt.

Literatur

Csikszentmihalyi, M. (1975). Beyond Boredom and Anxiety. San Francisco: Jossey-Bass (deutsch: Das Flow-Erlebnis. Klett-Cotta, Stuttgart, 1987, 2. Auflage).
Csikszentmihalyi, M. (1992). Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.
Rheinberg, F. (1995). Flow-Erleben, Freude an riskantem Sport und andere Çunvernünftigeë Motivationen. In J. Kuhl & H. Heckhausen (Hrsg.), Motivation, Volition und Handlung. Enzyklopädie der Psychologie. Göttingen: Hogrefe.

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