Tiefe Hirnstimulation

Die Tiefe Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation) ist ein reversibler, neurochirurgischer Eingriff in das Gehirn, der für die Behandlung von neurologischen Erkrankungen zugelassen ist. Bei der tiefen Hirnstimulation werden kleine Sonden operativ in das Gehirn eingesetzt und bestimmte Bereiche des Gehirns mit Hilfe elektrischer Impulse angeregt, wobei diese Methode zur Behandlung von Bewegungsstörungen und unkontrolliertem Zittern und Krampfen wie Parkinson oder Dystonie zum Einsatz kommt. Morbus Parkinson Erkrankte, die zuvor kaum bewegungsfähig waren oder unter starkem Tremor litten, konnten danach wieder selbstständig gehen und sich kontrolliert bewegen. Allerdings gibt es häufig Nebenwirkungen, die einerseits von einer Depression über starke Leistungseinschränkungen bis hin zu Euphorie-Zuständen reichen können, manchmal begleitet von abnormen Antriebssteigerungen und unkontrollierbarer Verschwendungssucht. Mit der Tiefenhirnstimulation reizt man etwa beim Tourette-Syndrom mit einer winzigen Elektrode im Gehirn ein kleines Areal mit Stromstößen und blockiert mittels elektrischer Impulse die überaktiven neuronalen Schaltkreise.

Bei einer Demenz können ebenfalls gezielte elektrische Impulse potenziell dazu beitragen, dass sich die Gedächtnisleistung der Betroffenen verbessert. Nach neueren Untersuchungen, die die bisherigen äußerst widersprüchlichen Ergebnisse erneut auf den Prüfstand stellen, wurden die Gehirne bei Epilepsiepatienten sowohl in hoch- als auch in niederfunktionellen Zuständen stimuliert, wobei sich das Gedächtnis bei der Stimulation im niederfunktionellen Zustand verbesserte, während sich diese verschlechterte, wenn die Stimulation in einem bereits hoch-funktionellen Zustand auftrat. Man vermutet daher, dass es auf das Timing der Behandlung ankommen könnte.

Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass eine Beeinflussung des Verhaltens von Menschen gegen das ethische Autonomiegebot der Medizin verstößt, da Betroffene massiv in ihrem Gefühlsleben beeinflusst werden und auch ihre Persönlichkeit verändert werden kann, besonders auch dann, wenn diese Methoden zur Steigerung des geistigen Leistungsvermögens gleichsam als Gehirndoping eingesetzt werden.
Die Anfänge der Methode liegt in den 60er Jahren, als der Physiologe José Delgado in Experimenten an Affen und anderen Tieren zeigte, dass sich mit gezielt platzierten Elektroden im Gehirn starke emotionale Zustände wie Aversionen aber auch starke Glücksgefühle hervorriefen lassen. Per Elektrostimulation brachte er nicht nur einen Stier dazu, mitten im Angriffsanlauf zu stoppen, sondern Delgado wollte sogar diese Technik auch als Zivilisationsmittel einsetzen, um unliebsames Sozialverhalten des Menschen per Fernsteuerung auszuschalten.
Umgangssprachlich wird manchmal auch der Begriff Hirnschrittmacher benutzt, um die Verwandtschaft mit dem Herzschrittmacher auszudrücken.

Siehe auch Optogenetik und Sonogenetik.

Literatur & Quellen

https://medizin-aspekte.de/91654-folgenhafter-eingriff-ins-gehirn-ethische-implikationen-der-tiefen-hirnstimulation/ (17-01-25)
http://lexikon.stangl.eu/1190/tourette-syndrom/ (14-11-15)




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