soziale Erwünschtheit

Bei der sozialen Erwünschtheit handelt es sich um eine spezielle Form der Selbstdarstellung, wobei sich eine untersuchte Person ist bemüht, sich selbst so darzustellen, wie es den sozialen Erwartungen und Normen der Gruppe entspricht, von der der Test durchgeführt wird. Da die Erwartungen an andere in verschiedenen sozialen Gruppen durchaus unterschiedlich sein können, kann eine Selbstdarstellung im Sinne der sozialen Erwünschtheit in verschiedenen Kontexten auch ganz unterschiedlich ausfallen.

1. Definition
Soziale Erwünschtheit bezeichnet das Verhalten von Testpersonen, ihre Antworten an die Erwartungen des Testers anzupassen. Sie wollen mit ihrer Antwort den vermeintlichen Erwartungen des Forschers gerecht werden. So wird zum Beispiel ein männlicher Interviewer von weiblichen Testprobanden zum Thema Sexualität verzerrte Antworten erhalten(vgl. Friedrichs, 1980, S.152).
2. Definition
„Zur Erklärung der Abgabe sozial erwünschter Antworten (des sog. „Social-Desirability-Response-Set“), also z. B. der Untertreibung des Alkoholkonsums, finden sich ebenfalls zwei Erklärungsansätze: einerseits soziale Erwünschtheit als Persönlichkeitsmerkmal, das sich im Bedürfnis nach sozialer Anerkennung zeigt, andererseits als situationsspezifische Reaktion auf die Datenerhebung, wobei aufgrund bestimmter Konsequenzbefürchtungen die tatsächlichen Sachverhalte verschwiegen oder beschönigt werden“(vgl. Schnell, Hill & Esser, 2005, S. 355).
3. Definition
Sozial erwünschtes Verhalten wird vor allem bei Befragungen festgestellt und stellt damit eine Antwortverzerrung bei empirischen Forschungen dar. Die Befragten passen die Antworten an die Erwartungen der Umwelt an (vgl. Lakitsch, 2009, S. 5f).
4. Definition
Soziale Erwünschtheit (engl. Social desirability effect), wird im „Wörterbuch der Soziologie auch als „Ja-Sager-Effekt“ bezeichnet. Sie bezeichnet die Tendenz bei einer Befragung vermeintlich sozial vernünftige Antworten zu geben, vor allem bei tabuisierten Themenbereichen wie politischer Radikalismus oder Suchtverhalten. Dieses Verhalten tritt vermehrt bei Personen mit schwachem Selbstbewusstsein auf, dieser Effekt kann auch durch die Anwesenheit „Dritter“ verstärkt werden (vgl. Hillmann, 1994, S. 800).
5. Definition
Die soziale Erwünschtheit wird auch als soziale Wünschbarkeit bezeichnet. Als Eigenschaft eines Merkmals bedeutet sie so viel wie die positive Bewertung eines Merkmals innerhalb der Gesellschaft. Sie kann aber auch als Eigenschaft von Fragen und Antwortvorgaben diskutiert werden und spielt dabei eine wesentliche Rolle als Fehlerquelle bei Befragungen. Um die soziale Erwünschtheit als Fehlerquelle zu eliminieren wurden spezielle SD(„social desirability“)  Skalen entwickelt (vgl. Hartmann, 1989).

Literatur
Friedrichs, J. (1980). Methoden empirischer Sozialforschung. Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH.
Hartmann, P. (1989). Soziale Erwünschtheit. In G. Endruweit & Trommsdorf  G. (Hrsg.), Wörterbuch der Soziologie (S. 117). Stuttgart: Lucius & Lucius.
Hillmann, K. (1994). Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Verlag Alfred Kröner.
Lakitsch, S. (2009). Soziale Erwünschtheit in der Markt –und Meinungsforschung. Nordtstedt: Verlag Grin.
Online im Internet: WWW: [http://books.google.at/books?id=201w65FUmAcC&printsec=frontcover&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false] (10-12-07)
Schnell, R., Hill, P. & Esser, E.  (2005). Methoden der empirischen Sozialforschung. München: Verlag Oldenbourg.


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:


Falls Sie im Lexikon nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche auf weiteren einschlägigen Webseiten des Autors nach relevanten Informationen aus den Bereichen Psychologie und Pädagogik suchen.

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu