Wachtraum

1. Definition
„Tagtraum, auch Wachtraum: ein im Wachzustand erfolgender Ersatz der Realität durch Ausdenken unwirklicher, meist gewünschter Erlebnisse. Tagträumer wenden sich von der Wirklichkeit ab und ergeben sich ganz und gar ihren Phantasien. Dabei haben Wunschträume eine positive Valenz. Angstträume eine negative. Tagträume kommen vor allem bei introvertierten labilen Menschen vor, in normalem Ausmaß bei Pubertierenden. Wenn es stärkere Formen annimmt, kann Tagträumen zum Zeichen einer psychischen Fehlentwicklung (↑ Autismus) werden und die Lebensbewältigung der Patienten erheblich beeinträchtigen“ (Clauß, 1976, S. 523).

2. Definition
Als Tagtraum oder auch Wachtraum bezeichnet man das phantasiegeleitete Ausmalen von unrealen oder gewünschten Vorstellungen in einem Wachzustand, bei dem die Umgebungsreize jedoch weitgehend ausgeschaltet sind. Dies wird beim katathymen Bilderleben auch als psychotherapeutisches Verfahren eingesetzt (vgl. ohne Autor, 1995, S. 482).

3. Definition
In Wachträumen gibt sich das Subjekt mehr oder minder hypertrophierten Phantasiegebilden hin, welche ihm ein gewisses Lustgefühl verschaffen oder zumindest die Lust am Spielen mit sich bringen. Sie sind bei Jugendlichen und Kindern häufig, jedoch dauern sie bei manchen Personen das ganze Leben hindurch an. Ihr Sinn ist im allg. die Verwirklichung eigener Wünsche (vgl. López Ibor, 1972, S. 748).

4. Definition
„In dem Bedürfnis, sich einer belastenden aktuellen Lebenssituation zu entziehen, die Realität zu leugnen oder zu beschönigen, gibt sich der Tagträumer seinen Phantasien hin. Durchweg handelt es sich ganz offensichtlich um unverhüllte Wunscherfüllungsträume, die beim Versuch eines Menschen, mit Enttäuschungen fertig zu werden, häufig eine wesentliche Rolle spielen“ (Kraft, 2004, S. 157).

5. Definition
Das Tagträumen ist eine leichtere Form der Bewusstseinserweiterung, bei der die Aufmerksamkeit weg vom Reagieren auf äußere Reize und hin auf innere Reize gerichtet wird. Wünschen und Planen scheinen das Herzstück der Tagträume zu bilden und tatsächlich befassen sich die meisten Träume, die tagsüber auftreten, eher mit praktischen, unmittelbar anstehenden Angelegenheiten, als mit wilden Spekulationen (vgl. Zimbardo, 1988, S. 238).

Literatur
Clauß, G. (1976). Wörterbuch der Psychologie. Köln: Pahl-Rugenstein Verlag.
López Ibor, J. (1972). Wachtraum, Wachvision. In W. Arnold, H.J. Eysenck & R. Meili (Hrsg.), Lexikon der Psychologie (S. 748). Freiburg im Breisgau: Verlag Herder.
Kraft, H. (2004). Autogenes Training. Handbuch für die Praxis. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.
Ohne Autor (1995). Tagtraum. In Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.), Lexikon der Psychologie (S. 482). Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag.
Zimbardo, P. (1988). Psychologie. Berlin: Springer-Verlag.





Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

You must be logged in to post a comment.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2017