Mikrozephalie

Unter einer Mikrozephalie versteht man eine Entwicklungsbesonderheit beim Menschen, bei der der Kopf eine vergleichsweise kleine Größe hinsichtlich des Umfangs aufweist, d. h., dieser ist dabei drei Standardabweichungen geringer als der Mittelwert für einen Menschen gleichen Alters und Geschlechts. Bei etwa einer von 8500 Geburten kommt es zu Mikrozephalie.
Mikrozephalie entsteht dadurch, dass das Gehirn eines ungeborenen Kindes nicht richtig wächst und somit auch der Kopf nicht mitwächst. Meist wächst das Gehirn des Kindes im Mutterleib durch zu geringen Druck zu langsam und der Schädel kann sich nicht in normalem Umfang ausdehnen, wobei man annimmt, dass ein mutiertes Gen dafür verantwortlich ist. Die sensible Periode liegt dabei in der 8. bis 15. Schwangerschaftswoche, in der sich die Nervenzellen ausbilden. Bei manchen Kindern verschließen sich die Schädelnähte nach der Geburt vorzeitig, also nicht erst gegen Ende des ersten Lebensjahres, sodass das Gehirn auch nicht mehr weiter wachsen kann. Wird dies rechtzeitig erkannt, können die Nähte operativ getrennt werden.
Die Ursachen reichen von genetischen Defekten über den Einfluss giftiger Substanzen, Alkohol und andere Drogen (etwa Kokain) oder Infektionen (etwa Röteln) bis zur Unterversorgung des Kindes in der Schwangerschaft. Bei den genetischen Ursachen zählt auch die Trisomie 21 (Downsyndrom) dazu. Bei massivem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft entsteht das embryonale Alkoholsyndrom, bei dem ein zu kleine Kopf ein Teil der Erkrankung ist. Man findet auch eine strahleninduzierte Mikrozephalie bei Kindern, die im Verlauf der Schwangerschaft einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt waren, etwa aufgrund einer Bestrahlung wegen einer Krebsbehandlung der Mutter. Eine Mikrozephalie kann bereits im Mutterleib diagnostiziert werden, wobei bei den routinemäßigen Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft auch der Kopfumfang des Kindes bestimmt wird. Die Größe des Kopfes alleine ist jedoch nicht aussagekräftig, da es  familiär bedingt auch kleinere Kopfformen gibt.
Im Kleinkindalter kann auch ein Ereignis wie ein Schlaganfall das weitere Wachstum des Gehirns verhindern. Wie sich davon betroffene Kinder entwickeln hängt wesentlich von der Grunderkrankung ab und welche Teile des Gehirns betroffen sind. Manche Kinder können sich auch relativ normal entwickeln, meist ist aber mit geistigen und motorischen Einschränkungen, wobei diese Kinder regelmäßige Kontrollen und spezielle Förderung benötigen. Bei mangelnder Gehirnsubstanz kann in der Regel nur unterstützend geholfen werden, etwa mit Physio-, Ergo- und logopädischer Therapie.




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