soziales Lächeln

Ein Lächeln ist die kürzeste Entfernung
zwischen zwei Menschen.
Victor Borge

Als soziales Lächeln oder Widerlächeln bezeichnet man in der Entwicklungspsychologie die Fähigkeit des etwa acht Wochen alten Säuglings, auf Gesichter seiner Umgebung mit einem Lächeln zu reagieren. Es zielt evolutionär vermutlich auf die Herstellung einer günstigen sozialen Interaktion bzw. einer Gefahrenabwehr. Lächeln ist demnach eine angeborene Möglichkeit zur gegenseitigen Kontaktaufnahme, wobei sich bei manchen Primaten dafür erste Anzeichen finden lassen. Das Lächeln hat sich nach Ansicht von Experten im Lauf der Evolution vielleicht aus einer Unterwerfungsgeste heraus entwickelt, denn unterlegene Primaten entblößen gegenüber ranghöheren Tieren die Zähne, ohne die Kiefer voneinander zu lösen, was man als Angstgrinsen bezeichnen könnte. Vielleicht haben dominante Individuen diese Geste dann übernommen, um selber vertrauenswürdig zu wirken, denn ein als authentisch empfundenes Lächeln trägt oft entscheidend dazu bei, als vertrauenswürdiges Gegenüber eingeschätzt zu werden.

Die Hypothese, dass Fältchen um die Augen als Anzeichen dafür gelten, dass ein Lächeln echt sei, ist eindeutig widerlegt, denn ob die Augenmuskeln beteiligt sind, sagt zwar etwas über die Intensität des Lächelns aus, nicht aber darüber, ob sich der Mensch tatsächlich freut, amüsiert ist oder ob er nur das Lächeln aufsetzt, um höflich zu sein oder seine Verlegenheit zu kaschieren. Aufgesetztes Lächeln, wie es in manchen Berufen gefordert wird, kann sogar krank machen, denn die Unstimmigkeiten zwischen Emotion und Ausdruck führen zu Stress und in der Folge zu Herzproblemen und sogar zu Depressionen. Auch Symmetrie ist übrigens kein Kriterium, denn Messungen ergaben, dass selbst echtes Lächeln schief sein darf. Allerdings baut sich spontanes Lächeln meist weicher und langsamer bis zum Höhepunkt auf und klingt danach sanfter ab, statt dass es ruckartig aus dem Gesicht fällt. Dieses ruckartige Verschwinden kann übrigens man oft nach Begrüßungen beobachten, bei denen das Lächeln nur im Augenblick des Kontaktes aufgesetzt worden ist. Bei Untersuchungen, wie das perfekte Lächeln aussehen soll, entdeckte man, dass die Breite des Lächelns eine Rolle spielt, wobei insgesamt weniger mehr ist, denn ein zu breites Lächeln wird nicht zwangsläufig als besonders angenehm und echt empfunden. Auch wirkte in den Untersuchungen ein verhaltenes Lächeln nicht unbedingt falsch oder unangenehm, wobei insbesondere die Kombination von drei Merkmalen für ein gelungenes Lächeln stimmig sein muss: Wie stark die Mundwinkel nach oben gezogen sind, wie weit die Mundwinkel auseinanderliegen und vor allem, wie deutlich die Zähne sichtbar sind.

Mund- und Augenringmuskulatur sind bei Menschen aller Kulturen von Geburt an im Einsatz, um den Gesichtsausdruck des Lächelns zu formen, wobei es schon damit beginnt, dass Neugeborene ihr Gesicht oft im Schlaf zu etwas verziehen, das wie ein Lächeln aussieht, jedoch noch keines ist. Erst wenn motorische Strukturen unterhalb der Großhirnrinde, die willkürliche Bewegungen steuern, voll funktionsfähig sind, ist soziales Lächeln möglich. Manche behaupten, dass das soziale Lächeln auch deshalb ein universeller Meilensteine in der Entwicklung des Menschen ist, denn sogar von Geburt an blinde Säuglinge sind dazu in der Lage.

Psychologen beobachteten in einer Untersuchung zuerst, wie Säuglinge und ihre Müttern miteinander umgehen, und programmierten anschließend einen Roboter mit Puppengesicht so, dass dieser die Mimik seines Gegenübers erkannte und unterschiedliche Strategien der Interaktion beherrschte. Ahmte der Roboter genau das Verhalten nach, das den Babies abgeschaut war, konnte er unter sparsamstem Einsatz eigenen Lächelns ein Gegenlächeln auf dem Gesicht des Babies auslösen.

Die Mimik von Mitmenschen, also auch das Lächeln, kann man übrigens dann am zutreffendsten deuten, wenn man sie unbewusst nachahmen kann, also in diesem Fall selbst die Mundwinkel aktivieren kann – siehe dazu Spiegelneuronen.

Literatur & Quellen

http://www.tagesspiegel.de/wissen/psychologie-die-wissenschaft-vom-laecheln/12432058.html (16-03-04)





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