selbstorganisiertes Lernen

Selbstorganisiertes Lernen bezeichnet in der Pädagogik ein Lernkonzept für individuelles und kooperatives Lernen, das sich im Rahmen von Bildungsinstitutionen realisieren lässt und auf zunehmende Selbstorganisation der Lernenden im Lernprozess hin ausgerichtet ist.

Man erhofft sich dadurch eine Stärkung der individuellen Selbständigkeit durch den Aufbau von Methoden- und Lernkompetenzen, die Schaffung einer sozialen Lernstruktur bei der Abstimmung von Einzel- und Gruppenarbeit, eine Vertiefung des Wissens und Könnens durch Vernetzung fachlicher und überfachlicher Kompetenzen, und eine Erhöhung der Selbstverantwortung für den eigenen Lernprozess.

Neben dem Konzept der Selbstorganisation findet man in der wissenschaftlichen Literatur auch die Konzepte der Selbststeuerung, Selbstregulation und der Selbstbestimmung, wobei selbstorganisiertes Lernen dabei als eine Art übergeordnetes Konzept betrachtet werden kann, das sich durch selbstreguliertes, selbst gesteuertes und selbstbestimmtes Lernen auszeichnet. Selbstreguliertes Lernen umfasst dabei die innere Strukturierung des Lernens und findet somit bei jeder Form intentionalen Lernens statt, wobei die Lernenden die kognitive, metakognitive und motivationale Kontrolle besitzen. Neben solchen inneren Faktoren haben jedoch auch äußere Faktoren Einfluss auf das Lernen, wobei diese als Fremd- bzw. Selbsteuerung wirksam werden können, je nachdem, ob diese Faktoren eher von anderen oder vom Lernenden selbst kontrolliert werden können. Selbstbestimmung bezeichnet in diesem Konzept dabei die Übernahme von Verantwortung für die Passung zwischen innerer und äußerer Strukturierung des Lernens.

Manche Menschen können übrigens besser selbstreguliert lernen als andere, wobei nicht selten an den Emotionen liegt, die sich auf den Lernprozess auswirken. Manchmal merkt man beim Lernen gar nicht, dass man etwas nicht verstanden hat, wobei es vielen nicht bewusst ist, welch großen Einfluss ihre emotionalen Zustände auf das Lernen ausüben können. So konnte etwa in einer Untersuchung mit Studierenden gezeigt werden, dass ein positiver Emotionszustand nachteilig für ein tiefes Textverständnis sein kann, d. h., man überschätzt das eigene Verständnis eher, wenn man in einer guten Stimmung ist.


Holzer et al. (2021) haben eine internationale Studie mit Jugendlichen in Europa, Asien und Nordamerika durchgeführt, um festzustellen, wie es SchülerInnen erging, die wegen der COVID-19-Pandemie ungeplant und unfreiwillig zu Hause lernen mussten. Die Studie stützte sich dabei auf die Selbstbestimmungstheorie mit den drei grundlegende psychologischen Bedürfnissen Autonomie, Soziale Eingebundenheit und Kompetenzerleben. Die Ergebnisse unterstrichen die Bedeutung des Erlebens der eigenen Kompetenz der Jugendlichen und des Gefühls, mit anderen verbunden zu sein, wobei beide Faktoren in engem Zusammenhang mit positiven Emotionen, Lernmotivation und aktivem Lernverhalten standen. Über alle Länder hinweg war Kompetenzerleben mit positiven Emotionen, Lernmotivation und aktivem Lernverhalten in Form von Engagement und Ausdauer verbunden. Das Erleben von sozialer Eingebundenheit war ebenfalls konsistent mit positiven Emotionen verbunden. Die Ergebnisse der Studie machten deutlich, dass Distance Learning in Zeiten von COVID-19 mit der Förderung von Kompetenzerleben und sozialer Eingebundenheit verknüpft sein sollte. Zudem ist es wichtig, Lernende zu befähigen mit der Autonomie des Distance Learning umzugehen und den Gestaltungsspielraum zu nutzen, indem Strategien zum selbstorganisierten Lernen vermittelt werden.

Literatur

Holzer, J., Korlat, S., Haider, C., Mayerhofer, M., Pelikan, E., et al. (2021) Adolescent well-being and learning in times of COVID-19—A multi-country study of basic psychological need satisfaction, learning behavior, and the mediating roles of positive emotion and intrinsic motivation. PLoS ONE, 16, doi:10.1371/journal.pone.0251352.


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