micromomentary expressions

Micromomentary expressions oder Mikroexpressionen sind minimale Bewegungen, die für Zehntelsekunden über ein Gesicht huschen, bevor die Mimik unter Kontrolle gebracht ist, wobei diese Signale  schwer zu erkennen sind, denn diese flüchtigen Gesichtsausdrücke dauern pur Sekundenbruchteile.

Sie sind zumeist als Ausdruck der sieben universellen Emotionen Ekel, Ärger, Angst, Traurigkeit, Freude, Überraschung, und Verachtung beschrieben. Mikroexpressionen können willentlich nur schwer unterdrückt werden, jedoch können Menschen, die gute Beobachter sind, etwa Lügner anhand von Mikroexpressionen entlarven, wozu sich auch Zeitlupenaufnahmen eines Gesichts verwenden lassen. Diese Mikroexpressionen gleichen einem universellen Code, der Menschen hilft, einander zu verstehen. Diese Mikroexpressionen können demnach die wahren Gefühle eines Menschen verraten, mag er sich noch so viel Mühe geben, diese zu verbergen. In Verbindung mit anderen nonverbalen Äußerungen kann durchaus zu einer präzisen Einschätzung seiner Glaubwürdigkeit gelangen.

Paul Ekman hat gemeinsam mit anderen das Facial Action Coding System entwickelt, nach dem etwa Trauer durch das Heben der inneren Augenbraue, das Zusammenziehen der Augenbrauen und das Herabziehen der Mundwinkel zustande kommt. Furcht ist dabei deutlich komplexer und erfordert das Zusammenspiel von vielen weiteren Muskelpartien im Gesicht. Ekman hat sein System immer weiter verfeinert und glaubt nun, dass sich mit ihm auch die flüchtigsten Gesichtsausdrücke erfassen lassen, selbst wenn diese nur Bruchteile von Sekunden dauern.

Zu diesen Mikroexpressionen gehört auch das Blinzeln. Hömke et al. (2018) haben die potenzielle Feedback-Funktion des Blinzelns untersucht, das tendenziell unterschwellig ist und von kaum jemandem bewusst wahrgenommen wird. Dabei wurde ein auf Virtual Reality basierendes Modell in Form eines Avatars entwickelt, das es ermöglichte, das Blinzeln für einen virtuellen Zuhörer selektiv zu manipulieren und kleine Unterschiede in der Blinzeldauer zu erzeugen, was zu kurzen (208 ms) und langen (607 ms) Blinksignalen führte. Dabei zeigte sich, dass Sprecher unbewusst die subtilen Unterschiede in der Blinzdauer der Zuhörer berücksichtigten und wesentlich kürzere Antworten als Reaktion auf lange Blinzeln der Zuhörer produzierten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass neben den physiologischen, wahrnehmungsbezogenen und kognitiven Funktionen auch das Blinzeln des Zuhörers als kommunikative Signale wahrgenommen werden und das kommunikative Verhalten der Sprecher in der persönlichen Kommunikation direkt beeinflussen. Vermutlich ist der Lidschlag also ein Bestandteil für das Erreichen des gegenseitigen Verständnisses in der täglichen sozialen Interaktion.

Literatur

Hömke, Paul, Holler, Judith & Levinson, Stephen C. (2018). Eye blinks are perceived as communicative signals in human face-to-face interaction. PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0208030.



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