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Bruxismus


 

Kurzdefinition: Bruxismus ist das unbewusste, meist nächtliche, aber auch tagsüber ausgeführte Zähneknirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne, durch das die Zähne verschleißen, der Zahnhalteapparat überlastet und zusätzlich das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur, aber auch andere Muskelgruppen, die zur Stabilisierung des Kopfes angespannt werden, geschädigt werden können. Überwiegend tritt der Bruxismus während des leichten und stabilen Schlafes auf. Wichtig: Bruxismus ist keine Krankheit, bei der man eine Ursache behandelt und dann symptomfrei ist, weshalb es so wichtig ist, dass Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenarbeiten, um die unterschiedlichen Faktoren anzugehen.

Bis zu einem gewissen Grad ist nächtliches Zähneknirschen normal, wobei es vor allem die Schneidezähne betrifft, deren Zahnkronen sich abwetzen, und mit der Zeit Abreibflächen entstehen lässt, auf denen die Kiefer hin und her gleiten können. Manche Menschen pressen die Zähne so heftig aufeinander, dass Risse im Zahnschmelz entstehen, was zu empfindlichen Zähnen führen kann. Die massive Reibung Nacht für Nacht belastet auch das Zahnbett, sodass sich das Zahnfleisch zurückzieht. Entzündet sich dieses zusätzlich, können sich sogar Zähne lockern. Auf Dauer kann sich die Muskulatur verhärten und verkürzen, was sich in Kopf- oder Nackenschmerzen zeigt.

Weitere Folgen des Bruxismus sind mitunter schwere Schmerzsyndrome im Kopf und Rückenbereich, Ohrpfeifen (Tinnitus), Schwindel, Sehstörungen und Übelkeit. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung kauen nachts ihre Probleme noch einmal durch, wobei besonders häufig Frauen zwischen 30 und 45 Jahren betroffen sind. Ursachen des Bruxismus sind in manchen Fällen schiefe Zähne, Fehlstellungen des Kiefers oder schlecht sitzende Füllungen. Kinder im Wechselgebiss machen das praktisch immer, aber auch dann sollten Eltern, wenn das Problem besonders stark auftritt, trotzdem reagieren. Auch ab zwanzig Jahren aufwärts ist eine Behandlung sinnvoll. Auch manche Medikamente haben Zähneknirschen als Nebenwirkung.

Oft sind die Ursachen nicht eindeutig zu bestimmen, doch es sind zahlreiche Faktoren bekannt, die Bruxismus begünstigen, etwa Stress, Schlafstörungen, genetische Einflüsse, Medikamente sowie bestimmte stimulierende Substanzen wie Nikotin, Alkohol und andere Drogen. Ursachen sind des Weiteren Zahnfehlstellungen, genetische Faktoren, Angst oder Depressionen. Als Hauptursache gilt emotionaler Stress. Nachgewiesen ist auch, dass es bei Menschen zu stärkerer Aktivität des Unterkiefers kommt, wenn in ihrem Körper vermehrt Dopamin ausgeschüttet wird. Das ist etwa bei der Einnahme von Drogen wie Heroin, Amphetaminen, Ecstasy oder Chrystal Meth der Fall. Ähnliches gilt für manche Medikamente wie für einige Antidepressiva. Aber auch wer sehr viel Kaffee, Nikotin oder Alkohol zu sich nimmt, schüttet Dopamin aus, allerdings in viel kleineren Mengen als bei harten Drogen. Als Hauptfaktor gilt aber Stress, denn wer etwa unter starkem inneren Druck steht, berufliche oder private Konflikte, bevorstehende Prüfungen oder finanzielle Probleme hat, wer seine Aggressionen unterdrücken muss oder gemobbt wird, wird in der Nacht noch die Zähne zusammenbeißen oder sich durchbeißen wollen. Bruxismus liefert daher oftmals Hinweis auf aktuelle psychische oder emotionale Belastungen. Unklar ist übrigens bis heute, wie das Knirschen vom Gehirn ausgesteuert wird.

Oft bleibt Bruxismus unbemerkt, wobei Betroffene unter Verspannung der Kiefer und unspezifischen Schmerzen leiden, denn auf den Zähnen lastet beim Knirschen ein extrem hoher Druck. Zähne sind im Knochenfach an einem Bandapparat leicht beweglich aufgehängt und die dort vorhandenen Mechanorezeptoren registrieren Druck. Nozizeptoren nehmen dann die Reize auf, die vom Hirn als Schmerz wahrgenommen werden. Das allerdings ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Neun von zehn Menschen mit Bruxismus merken selber nicht, dass sie bruxen, denn sie kommen meist kämen aus anderen Gründen zum Zahnarzt und sind von der Diagnose überrascht. Viele weisen diese Tatsache auch erst einmal weit von sich, denn Bruxismus wird im Laienverständnis oft mit psychischen Problemen in Zusammenhang gebracht.

Diagnose: Ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde kann durch das Befühlen der Kaumuskeln im Mundraum mögliche Verhärtungen erkennen, an den Zähnen selber können Schleifspuren und feine Risse im Zahnschmelz auf Bruxismus hindeuten. Dazu wird der Arzt in der Regel die Muskulatur und die Gelenke des Kiefers abtasten, wobei Röntgenaufnahmen ergänzende Hinweise auf Schäden an den Kieferknochen liefern können. Orthopäden können den Bereich der Halswirbelsäule überprüfen.

Vorbeugung: Um einem Zähneknirschen aufgrund organischer Ursachen vorzubeugen, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt angebracht, um Zahnfehlstellungen oder schlecht sitzender Zahnersatz erkennen und behandeln zu können.

In Verbindung mit Schlafapnoe, also Atemaussetzern im Schlaf und damit zusammenhängendem Sodbrennen tritt das Phänomen ebenfalls auf, wobei in diesem Fall der Bruxismus als positiv zu bewerten ist, denn das Zähnepressen führt im Schlaf dazu, dass die oberen Atemwege sich anspannen, wodurch das Atmen erleichtert wird. Zusätzlich wird durch diese Aktivität Speichel produziert, der Magensäure verdünnt.


Ob ein Mensch nachts mit den Zähnen knirscht, kann er in den meisten Fällen daher nicht selber feststellen, denn oft machen erst Partner oder Eltern die Betroffenen auf dieses Problem aufmerksam. Zähneknirschen macht unter Umständen sehr unangenehme Geräusche, die anderen den Schlaf rauben können. Erkennen lassen sich die Spuren des Knirschens im Spiegel, denn wenn die Kanten der vorderen Ober- und Unterkieferzähne beim Gegeneinanderreiben exakt aufeinander passen, liegt das im nächtlichen Zähneknirschern. Selbst merkt man es zum Beispiel auch dann, wenn die Kaumuskeln anschwellen. Bei besonders schweren Fällen kann die Untersuchung in einem Schlaflabor sinnvoll sein.

Das Knirschen kann Kieferschmerzen verursachen, wobei auch manche Zahnärzte oft die Ursachen dieser Schmerzen nicht erkennen und nach Anzeichen von Karies oder Wurzelentzündungen suchen. Ob ein Mensch an Bruxismus leidet, lässt sich in vielen Fällen am Schläfenmuskel und am Musculus Masseta (Kaumuskel), der zwischen Jochbein und Unterkiefer liegt, ertasten, denn diese sind häufig durch die starke Beanspruchung vergrößert, weshalb Betroffene manchmal eine eckige Untergesichtsform zeigen. Auch ein Algometer, das die Druckschmerzempfindlichkeit misst, wird dazu herangezogen, denn da Muskel und Kiefergelenke so beansprucht werden, reagieren diese bei Druck schmerzempfindlich. Mit einem Algometer werden dabei 500 Gramm Druck auf die Kiefergelenke und 1000 Gramm Druck auf die Kaumuskeln ausgeübt.

Als Therapie kommen kieferorthopädische Maßnahmen (etwa eine Aufbissschiene), Entspannungstechniken oder Biofeedback zur Anwendung. Oft ist eine psychotherapeutische Aufarbeitung von Konflikten angezeigt. Bei Kindern tritt Zähneknirschen häufig nur vorübergehend auf und bedarf in der Regel keiner Therapie. Eine Aufbissschiene aus Kunststoff setzt man vor dem Schlafengehen ein. Die Kauleiste trägt man meist am Unterkiefer, weil sie dort besser hält und angenehmer zu tragen ist. Man kann auch Schienen speziell und individuell anfertigen lassen. Die weiche Schiene ähnelt jenen Sportschienen, die Boxer als Schutz nehmen. Erste Hilfe für eine verspannte und verkürzte Kaumuskulatur sind auch Massagen und Wärmebehandlungen, jedoch auch Programme zur Stressbewältigung und Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung sowie Biofeedback gehören dazu. Beim Autogenen Training werden bestimmte Formeln in die Übungen eingebunden, die man sich gedanklich vorsagt, wobei sich durch mehrmaliges Wiederholen Kiefer und Kaumuskeln entspannen. Bei der Progressiven Relaxation werden dagegen zuerst die Kaumuskeln angespannt und nach einer kurzen Zeit wird losgelassen, wobei man die Aufmerksamkeit ganz auf den entspannten Muskel richtet und ihn im Kontrast zur Anspannung wahrnimmt. Oft ist eine Kombination von Progressiver Relaxation und Autogenem Training angebracht. Für die Entspannung der Kiefermuskulatur empfehlen Physiotherapeuten, einen Tennisball etwa eine Minute fest auf den Musculus masseter zu pressen, also den Bereich an der Wange vor dem Ohr, der weh tut. Diese Prozedur kann auch ein wenig schmerzen, doch meist ist der Muskel danach wieder etwas entspannter. Auch den Kiefer nach vorne zu schieben und dann zu entspannen, könne helfen. In der Physiotherapie gibt es noch den Ansatz, dass eine Fehlstellung des Beckens Verspannungen bis in den Kopfbereich auslösen kann, denn etwa achtzig Prozent der Betroffenen mit Kieferverspannungen haben einen Beckenschiefstand. Wenn man diesen mitbehandelt, kann das oft einen großen Faktor für die Verspannungen ausschalten.

Literatur

https://www.zahnmedizinische-patienteninformationen.de/documents/10165/1430990/PI+Bruxismus-final.pdf/ (20-12-03)


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