Die visuelle Klippe ist eine Versuchsanordnung der Entwicklungspsychologie, mit der die Fähigkeit zur Tiefenwahrnehmung und zur Nutzung von Tiefenhinweisen durch Kleinkinder geprüft wird. Die ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse hinsichtlich der Wahrnehmung räumlicher Tiefe im Säuglings- und Kleinkindalter gehen dabei auf Studien von Gibson & Walk (1960) zurück, die mit Hilfe diese visuellen Klippe die Tiefenwahrnehmung von Kindern im Alter von sechs bis vierzehn Monaten untersuchten. In ihren Experimenten wurden die Kinder auf eine Glasplatte gesetzt, wobei diese Glasplatte teilweise direkt auf einem Untergrund auflag, während bei dem anderen Teil sich derselbe Untergrund in etwa einen halben Meter unterhalb der Glasplatte lag. Diese Konstruktion rief die optische Illusion eines Abgrundes hervor, der jedoch durch die Glasplatte abgesichert war. Es zeigte sich, dass Kinder, die bereits krabbeln können, sich weigerten, über den tiefen Teil der Klippe zu krabbeln, selbst wenn die eigene Mutter auf der anderen Seite versuchte, sie anzulocken. Daraus kann man schließen, dass bereits in der frühen Kindheit ein grundlegendes Verständnis von Tiefenwahrnehmung vorhanden sein muss. Die visuelle Klippe wird übrigens auch bei Jungtieren eingesetzt.


[Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=3WvtEFJGp-8]

Literatur

Gibson, E. J. & Walk, R. D. (1960). The „visual cliff“. Scientific American, 202, 64–71.


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