Das Geschlecht  ist in der Psychologie die Bezeichnung für die biologisch (Sex) oder sozial beeinflussten (Gender) Charakteristika, die Menschen als männlich oder weiblich definieren.

Die Definition von Geschlecht oder dessen Zuordnung waren zu allen Zeiten kulturell und zeitlich unterschiedlich, denn so galt etwa von der Antike bis zum 18. Jahrhundert das Ein-Geschlecht-Modell (one sex model), wonach Frauen und Männer die gleichen Geschlechtsorgane besitzen. Diesem Modell nach wurden weibliche und männliche Geschlechtsorgane nicht als grundsätzlich verschieden gedacht, sondern es wurde angenommen, dass die Vagina ein nach innen gestülpter Penis sei, wobei auch die übrigen Sexualorgane  in Analogie zueinander gedacht wurden (Skrotum = Uterus, Hoden = Eierstöcke). Dieses Ein-Geschlecht-Modell vertrat jedoch nicht die Gleichheit der Geschlechter, sondern vielmehr wurden die weiblichen Geschlechtsorgane als eine weniger perfekte Variante der männlichen Geschlechtsorgane gedeutet. Die Vagina sollte durch die mangelnde Hitze von Frauen nach innen gekehrt sein, während die männliche Hitze den Penis nach außen drücken sollte. Geschlechtsunterschiede wurden demnach nicht durch zwei biologische Systeme erklärt, sondern durch die Minderwertigkeit bzw. mangelnde Perfektion der Frau.

Weiblichkeit und Männlichkeit werden aber nicht allein durch das anatomische Geschlecht („Sex“) definiert, sondern eben auch durch spezifische Rollenangebote, die etwa durch Kleidercodes oder Verhaltensnormen. Den Fokus auf diese soziale Konstruktion von Geschlecht („Gender“) legen die Gender Studies,  ein in den letzten Jahrzehnten wachsendes Forschungsfeld mit vielen Anwendungsbereichen, etwa der Erforschung der Geschlechtergeschichte und des Feminismus.


Kurioses: Es gibt übrigens einen mysteriösen einzelligen Organismus namens Blob – benannt nach dem gleichnamigen Außerirdischen in einem Film aus den 50ern -, der artmäßig irgendwo zwischen Pilz und Tier angesiedelt ist, und kein Gehirn aber dafür 720 Geschlechter besitzt, davon viele Zwischenformen zwischen männlich und weiblich. Dem Organismus fehlen Mund, Magen und Augen, was ihn jedoch nicht davon abhält, Nahrung in Form von Bakterien und anderen Pilzen aufzunehmen und zu verdauen, wobei er sich auch ohne Beine oder Flügel fortbewegen kann. Er kann sich innerhalb von zwei Minuten selbst heilen, wenn man ihn in der Mitte durchschneidet, und auch ohne Gehirn kann er lernen, denn er findet in Labyrinthen immer den kürzesten Weg. Wenn man zwei Blobs zusammenbringt, überträgt das eine Blog sein Wissen an das andere. Vermutlich handelt es sich bei diesem Organismus um einen Schleimpilz der Gattung Physarum polycephalum, der in der Biologie häufig als Modellorganismus zur Untersuchung von Zellmotilität, Zellwachstum und Zelldifferenzierung dient, wobei die leichte Kultivierbarkeit und die Größe der Zelle vorteilhaft sind. Lange galt der „Blob“ als ein Pilz, seit den 1990er Jahren wird er zur Gruppe der Myxogastria (Echte Schleimpilze) gezählt. Die meisten „Blobs“ sind gelb, es gibt sie jedoch auch in rot, weiß oder rosa, und sind in verrottendem Laub oder Baumstümpfen in feuchter und kühler Umgebung zu finden. Das skurrile Lebewesen ist übrigens von der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie zum „Einzeller des Jahres 2021“ gekürt worden, um seine Bedeutung für die Ökosysteme hervorzuheben.

Hinweis: Der Astronaut Thomas Pesquet soll bei seiner Reise ins Weltall, die am 22. April 2021 starten soll, gleich mehrere Exemplare des Einzellers namens „Blob“ im Gepäck haben. Pesquet soll auf der ISS erforschen, ob der „Blob“ sich im Weltall anders verhält als auf der Erde, wobei auch für die Forschenden von Interesse ist, wie sich die Schwerelosigkeit oder die Strahlung im All auf seine Entwicklung auswirken. Pesquet soll zwei Versuche durchführen: Zwei „Blobs“ sollen in einer Umgebung ohne Nahrung beobachtet werden, zwei andere sollen mehrere Nahrungsquellen zur Auswahl haben.


Literatur

Laqueur, T. (1990). Making Sex: Body and Gender from the Greeks to Freud. Cambridge Mass.: Harvard University Press.
Stern, Caroline (2010). Intersexualität. Geschichte, Medizin und psychosoziale Aspekt. Marburg: Tectum Verlag.
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Laqueur (16-12-14)


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