Als Wunderkinder bezeichnet man landläufig Kinder, die sich durch eine frühe und außergewöhnliche Aneignung von Fähigkeiten auszeichnen, die normalerweise erst im Erwachsenenalter oder überhaupt nicht erreicht werden. In der Umgangssprache werden hochbegabte Kinder mit herausragenden Fähigkeiten in speziellen Disziplinen häufig als Wunderkind bezeichnet.

Eine Erklärungsmöglichkeit für solche hochbegabten Kinder sind einerseits genetische Besonderheiten, andererseits besondere familiäre oder soziale Bedingungen. Um die Grundlagen des Talents solcher außergewöhnlichen Menschen besser zu verstehen, untersuchten Ruthsatz & Urbach (2012) die kognitiven und entwicklungsbezogenen Profile von acht solchen Wunderkindern, indem sie deren Entwicklungsgeschichten aufnahmen, den Stanford-Binet-Intelligence Test durchführten und den Autismus-Spektrum-Quotienten erhoben. Während jedes der Wunderkinder ein zumindest mäßig erhöhtes Intelligenzniveau zeigte, lagen die IQ-Werte der Wunderkinder nicht durchwegs am extremen Ende des Spektrums. Was jedoch durchweg außergewöhnlich war, waren die Werte des Arbeitsgedächtnisses der Wunderkinder, denn jedes einzelne besaß ein Arbeitsgedächtnis, das besser war, als jenes von 99% der Bevölkerung. Das Arbeitsgedächtnis dient vor allem dazu, Informationen zwischenzuspeichern und gleichzeitig mehrere Informationen im Kopf zu behalten. Weitere Ergebnisse deuteten auch auf einen geringen Zusammenhang zwischen dem Status von Wunderkindern und Autismus hin, wobei von allem die Familiengeschichten eine große Anzahl von autistischen Verwandten aufwiesen.

Literatur

Ruthsatz, Joanne & Urbach, Jourdan (2012). Child prodigy: A novel cognitive profile places elevated general intelligence, exceptional working memory and attention to detail at the root of prodigiousness. Intelligence, 40, 419–426.


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