Projektunterricht

Der Projektunterricht, auch Projektarbeit bzw. projektartiger Unterricht, bezeichnet allgemein eine Lehr- und Lernform, bei der der Projektgedanke die maßgebliche Rolle spielt. Es handelt sich um eine Erneuerungsidee, die mehr Lebensnähe, Problembewusstsein und interdisziplinäres Denken sowie Verselbstständigung und Kooperationsbereitschaft bei den Lernenden anstrebt. Der Projektunterricht bzw. der projektartige Unterricht geht dabei von einer Schüler- oder Lehrer-Projektidee aus, führt zu einem Projektplan und zu Projektzielen, führt über die Ausführung zu einem Produkt, das meistens Lebensnähe und gesellschaftliche Relevanz aufweisen soll. Entscheidend sind für den Projektunterricht Mitbestimmung und Selbstbestimmung bei der Problementfaltung, beim Problemlösen, bei der Organisation, der Vorgehensweise, der Materialbeschaffung, der Darstellung der Ergebnisse, der Auswertung der Arbeit, der Arbeitsrückschau usw. Im Projektlernen sind Kopf- und Handarbeit verbunden, werden Anliegen des fächerübergreifenden, des emotionalen und sozialen Lernens berücksichtigt.

Projektunterricht eignet sich nach Edelstein (2009) in besonderem Maß zur Vermittlung eines demokratischen Habitus, denn dieser verbindet den Ansatz des handlungsorientierten Lernens, des praktischen Engagements in und für die Gesellschaft, mit der aktiven Einbindung von SchülerInnen. Sie sind dann gemeinschaftlich verantwortlich für die Ausarbeitung ihrer Ergebnisse, können also sich selbständig für Schwerpunkte und Lösungswege entscheiden und lernen dadurch, sich miteinander abzustimmen. Als kooperative Strukturen bieten Projekte eine Gelegenheit zu gemeinsamer Planung, gleichberechtigter Beteiligung, gemeinsam abgestimmter Organisation, kommunikativer Evaluierung und diskursiv gerechtfertigter Bewertung. Dabei geht es immer und sogar vorrangig um Prozesse der Gestaltung, die auch unabhängig von den Inhalten aus sich selbst heraus demokratiefördernd sind. Kritisch bleibt jedoch, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen der Projektunterricht diese Versprechen tatsächlich einlösen kann. Immerhin ist es fraglich, wieviel kritisches Potential in diesem Ansatz vorhanden ist, da sich der Begriff der demokratischen Erfahrung häufig auf ein eher unreflektiertes oder sogar naives Bild des Systems Schule stützt, denn einerseits steckt darin sowohl eine Idealisierung der Schule als auch eine Harmonisierung darin existierender Konflikte. Daraus ergibt sich, dass die Partizipation der SchülerInnen meist eher eine Scheinpartizipation darstellt, denn eine echte Mitbestimmung ist im System Schule institutionell nicht vorgesehen, da sie gesellschaftliche Aufträge wahrnimmt, deren Thematisierung viele Funktionsweisen und Abläufe von Schule grundlegender in Frage stellen würde, als dies die Institution Schule zulassen kann, sofern sie noch funktionieren soll. Dadurch kommt es in einem solchen Projektunterricht eher zu einem limitierten Verständnis, was Mitbestimmung bzw. was Demokratie wirklich bedeuten oder sein könnte.
Der Lehrer bzw. die Lehrerin verliert zwar seine/ihre Planungs und Vorbereitungsdominanz, er/sie behält aber seinen/ihren Einfluß als BeraterIn, als BegleiterIn und Mitverantwortlicher. Am besten sollte immer gemeinsam ein Projektthema gefunden werden, denn nur dabei können die Interessen der SchülerInnen berücksichtigt werden. Grundlage der Projektarbeit sind immer die gemeinsam formulierten Projektziele. Zu Beginn soll schon entschieden werden, was mit dem Projekt erreicht werden soll, in welcher Zeit das Projekt fertig sein soll und wer wofür verantwortlich ist. Die SchülerInnen lernen Neues über ein Thema und entwickeln geeignete Arbeitsformen in Gruppen. Das Lernen ist dabei nicht nur auf den Bereich Schule begrenzt, sondern auch auf das gesellschaftliche Umfeld. Ziel ist die Selbstständigkeit der Gruppe. Es ist die fachliche Kompetenz der LehrerInnen und die Hilfestellung bei der Strukturierung von Planungs- und Entscheidungsprozessen gefragt. Es sollen möglichst alle Sinne bei der Projektarbeit miteinbezogen werden.

Nach Ansicht mancher Pädagogen eignet sich Projektunterricht auch in besonderem Maß zur Vermittlung eines demokratischen Habitus, denn er verbindet einen Ansatz des handlungsorientierten Lernens, des praktischen Engagements in und für die Gesellschaft, mit der aktiven Einbindung von SchülerInnen. Sie sind dann gemeinschaftlich verantwortlich für die Ausarbeitung ihrer Ergebnisse, können sich selbst für Schwerpunkte und Lösungswege entscheiden und lernen so, sich miteinander abzustimmen. Als kooperative Strukturen bieten Projekte Gelegenheit zu gemeinsamer Planung, gleichberechtigter Beteiligung, abgestimmter Organisation, kommunikativer Evaluierung und diskursiver Bewertung in den Gruppen. Vorrangig geht es beim Projektunterricht immer um Prozesse der Gestaltung, die auch unabhängig von den Inhalten bereits aus sich selbst heraus demokratieförderlich sind. Allerdings bleibt es im Einzelfall fraglich, unter welchen Voraussetzungen der Projektunterricht das Versprechen, den demokratischen Umgang miteinander zu lernen, tatsächlich einlösen kann.

John Dewey, ein Vertreter des amerikanischen Pragmatismus, wird oft als „Vater“ des Projektunterrichts bezeichnet. Im Pragmatismus wird die praktische Tätigkeit der Theorie und der Wissenschaft übergeordnet. Der Sinn im praktischen Tun entscheidet über gut und schlecht, nicht die theoretische Gültigkeit. Der John Dewey zugeschriebene Slogan „Learning by doing“ stammt zwar nicht von ihm, bringt aber seine Vorstellungen auf den Punkt.

Literatur

Edelstein, W. (2009). Demokratie als Praxis und Demokratie als Wert (S. 7–20). In Edelstein, W., Frank, S. & Sliwka, A. (Hrsg.), Praxisbuch Demokratiepädagogik. Weinheim und Basel: Beltz.
Stangl, W. (2020). Unterrichtsformen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LEHREN/Unterrichtsformen.shtml (2020-04-18).


Weitere Seiten zum Thema