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Interaktionismus


Der Interaktionismus ist innerhalb der Psychologie eine spezielle persönlichkeitstheoretische Position, die davon ausgeht, dass sich menschliches Erleben und Verhalten nur aus der Verbindung von Persönlichkeit und Situation betrachten lassen. Menschliches Verhalten ergibt sich nach dieser Auffassung immer aus dem Zusammenspiel, also der Interaktion, von Merkmalen der Person und Merkmalen der Situation, in der sich eine Person gerade befindet, wobei beide Faktoren  jeweils nur bedingt wirksam sind, d. h., Verhalten kann nur begrenzt über Situationen hinweg generalisiert werden bzw. Situationen können nur begrenzt über Personen hinweg generalisiert werden.

Innerhalb der Persönlichkeitstheorien erweitert der Interaktionismus die bis dahin dominierenden Eigenschaftstheorien in verschiedener Hinsicht, da sie der wechselseitigen Beeinflussung und Formung von Persönlichkeit und Situation die entscheidende Bedeutung einräumen. Solche Beziehungen werden zwar auch von anderen Persönlichkeitstheorien nicht ausgeklammert, doch sehen zumindest die älteren lerntheoretischen Ansätze die wichtigsten Verhaltensbedingungen in den jeweiligen Reiz-Bedingungen, wobei diese Eigenschaftstheorien meist auf relativ feststehende Persönlichkeitszüge fokussieren. Bedeutsam ist der Interaktionismus vor allem innerhalb der Sozialpsychologie  geworden, denn einerseits provozieren bestimmte Lebenssituationen bzw. Aufgaben individuelle Verhaltensreaktionen, andererseits bevorzugen Individuen bestimmte Situationen, in denen sie interagieren können, etwa indem sie soziale Beziehungen suchen bzw. schaffen und dabei aktiv ihre soziale Umwelt beeinflussen. Die interaktionistische Persönlichkeitsforschung hat sich u. a. lange mit der Frage beschäftigt, die relativen Anteile von Persönlichkeit, Situation und Wechselbeziehung statistisch zu trennen und zu beschreiben.


1. Definition
Interaktionismus: Persönlichkeitstheoretische Position, die sich durchgesetzt hat: Menschliches Erleben und Verhalten läßt sich nur aus der Kombination von Persönlichkeit und Situation vorhersagen (Interaktion); Dualistische Leib-Seele-Auffassung (Leib und Seele Problem) (vgl. Mead,  2010, S. 4).
2. Definition
Der Symbolische Interaktionismus ist für die soziologische Diskussion über das Verhältnis von Identität und Interaktion von Relevanz, da der enge Zusammenhang von Aufbau und Wandel der Individualität, konformer und nonkonformer Interaktionsbeteiligung und Interaktionskompetenz von Individuen beschrieben wird (vgl. Städtler, 1998, S. 59).
3. Definition
Der Symbolische Interaktionismus ist weder aussschließlich sozialpsychologisch, noch rein soziologisch sondern ein Verschnitt aus beidem. Der nimmt seinen Ausgangspunkt im sozialen Handeln und erklärt daraus sowohl die Gesellschaft als auch das Individuum. Auf diese Weise sorgt er für eine klare Soziologie und Sozialpsychologie: Die erstere beginnt mit dem sozialen Handeln und baut darauf auf bis zur Gesellschaft; die letztere beginnt ebenfalls mit dem sozialen Handeln und arbeitet in die andere Richtung, nämlich in die Richtung auf das Individuum. Der symbolische Interaktionismus macht beides zugleich (vgl. Lührmann, 2006, S. 64).
4. Definition
Die Wortführer des modernen Interaktionismus, Norman S. Endler und David Magnusson, unterscheiden zwei Varianten des Interaktionismus, das mechanische und das dynamische Modell. Dem mechanistischen Modell liegt eine unidirektionale Konzeption zugrunde, dh eine Ursache Wirkung Annahem, die nur in eine Richtung verläuft: Umwelt und Eigenschaft bzw deren Kombination bestimmen das Verhalten. Umwelt und Person werden dabei als unabhängige Variablen, das Verhalten wird als abhängige Variable aufgefasst (vgl. Laux, 2008, S. 217).
5. Definition
Der symbolische Interaktionismus beschäftigt sich mit den Zeichen, die Menschen in ihren Interaktionen verwenden. Es bereitet manchmal Schwierigkeiten, Zeichen und Symbol voneinander zu unterscheiden, oft wird beides synonym verwendet. Das kommt daher, dass ein und derselbe Gegenstand Zeichen und Symbol sein kann. Ein Gegenstand ist ein Zeichen, wenn er direkt auf ihn bezogene Information trägt, er hat Symbolcharakter, wenn er über sich selbst hinausweist (vgl. Richter, 2002, S. 62).


Eine besondere Rolle innerhalb des psychologischen Interaktionismus nimmt der Symbolische Interaktionismus ein. Als Begründer des Symbolischen Interaktionismus gilt George Herbert Mead, der sich sowohl am Forschungsprogramm des Behaviorismus als auch am Pragmatismus orientierte, wobei er auch eine verhaltenstheoretische Grundlegung der Semiotik liefert und die Bedeutung der symbolischen Interaktion für die Konstitution des Selbst und der Gesellschaft aufzeigt. Im Anschluß an die Behavioristen geht er davon aus, dass bereits Tiere gestisch interagieren, etwa durch Laute und Gebärden wie Drohhaltungen oder Unterwerfungsgesten. Gesten sind dabei jener Teil einer gesellschaftlichen Handlung, der als Stimulus für andere in der gleichen gesellschaftlichen Handlung aktive Lebewesen wirkt. Im Gegensatz zum Tier nimmt der Mensch als animal symbolicum eine besondere Rolle ein, denn anders als tierische haben seine Gesten eine Bedeutung bzw. Signifikanz. Im Unterschied zu nicht-signifikanten Gesten, die im Rahmen eines gesellschaftlichen Prozesses als Reize quasi automatisch Reaktionen des anderen auslösen und derart eine spontane gegenseitige Anpassung des Verhaltens dorganisieren, drücken signifikante Gesten eine dahinterstehende Idee aus. Ihre Signifikanz ist davon abhängig, inwieweit es den Akteuren gelingt, den gesamten Handlungsverlauf sich geistig zu vergegenwärtigen. Bei einer Interaktion mit nicht-signifikanten Gesten erfährt jeder Handlungspartner die Handlungen des andern getrennt von den seinen, was sich erst dann ändert, wenn es gelingt, zwei aufeinander folgende Handlungen verschiedener Menschen als Phasen derselben Handlung zu interpretieren. Wenn jemand die Handlung seines Gegenüber als Fortsetzung seiner eigenen Handlung begreift, für den wird seine eigene Handlung als vorige Phase einer Gemeinschaftshandlung erst erkennbar, sodass er von der späteren Phase dieser Gemeinschaftshandlung auf seine eigene frühere Phase zurückschließen und diese als Reaktion auf jene verstehen kann. Durch die Reaktion erhält also auch für ihn die eigene Geste erst einen Sinn, d. h., sie wird zur signifikanten Geste. Signifikante Gesten sind somit vom Sender selbst als solche erkannte Gesten, denn der Sender wird hier zum Rezipienten seines eigenen Zeichens. Bewusste bzw. signifikante Kommunikation beginnt, wenn der Einzelne in der Lage ist, sich die Reaktionen anderer auf sein eigenes Handeln im Ablauf der Interaktion geistig zu vergegenwärtigen, sie in sich selbst zu inszenieren und zu antizipieren, sodass sich immer auch mit den Augen des oder der anderen sieht.

Literatur

Laux, L. (2008). Persönlichkeitspsychologie. Stuttgart: Kohlhammer .
Lührmann, T. (2006). Führung, Interaktion und Identität. Berlin: DUV Verlag.
Mead, G. H. (2010). Sozialpsychologie und symbolischer Interaktionismus. Berlin: Grin Verlag.
Richter, R. (2002). Verstehende Psychologie. Wien: Facultasverlags und Buchhandels AG.
Städtler, T. (1998). Lexikon der Psychologie. Stuttgart: Kröner Verlag.


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