Endogamie

Endogamie bezeichnet eine Heiratsordnung, die Eheschließungen nur innerhalb der eigenen sozialen Gruppe, Gemeinschaft oder sozialen Kategorie bevorzugt oder sogar vorschreibt, sodass der Partner derselben Abstammungs- oder Volksgruppe, Glaubensgemeinschaft oder sozialen Schicht angehören soll. Die Endogamie war in der Steinzeit weit verbreitet, denn so hat man in Jordanien (Siedlung Basta) Hinweise gefunden, dass sich dort Menschen fast nur mit Verwandten fortpflanzten. Zwar bewirkt genetische Inzucht unter Vertretern guter Erblinien manchmal den Aufbau von starken Stämmen, doch waren Fälle von Inzucht unter erblich Belasteten die menschlichen Gemüter abschreckend, was zur Folge hatte, dass die man Heiraten zwischen nahen Verwandten zunehmend mit Tabus belegten.

Vor allem waren Religionen lange Zeit eine wirksame Barriere gegen das Heiraten über die Grenzen hinaus, denn viele religiöse Lehren haben Ehen außerhalb des Glaubens verboten. Die Frau hat im Allgemeinen die Praxis der Heirat im engen Kreis begünstigt, der Mann hingegen war auf Grund seiner Lebensweise für grenzüberschreitendes Heiraten. Besitz hat ebenfalls immer einen Einfluss auf das Heiraten ausgeübt, und manchmal kam im Bestreben, den Besitz innerhalb eines Klans zu bewahren, der Brauch auf, die Frauen zu zwingen, sich ihren Ehemann innerhalb des eigenen Stammes auszusuchen. Anordnungen dieser Art führten zu einer starken Zunahme von Ehen unter Cousins. Inzucht wurde zu manchen Zeiten auch in dem Bestreben gepflegt, Geheimnisse zu bewahren, d. h., erfahrene Handwerker bemühten sich, etwa ihr Handwerkswissen in der Familie zu behalten.

Schon früh in der Geschichte beobachtete man allerdings auch, dass genetische Vermischung die Qualität des Nachwuchses auch verbesserte, wobei man erkannte, dass Exogamie die selektiven Gelegen­heiten für evolutionären Variationenreichtum und Fortschritt bedeutend vermehrte. Die aus Exogamie Hervorgegangenen waren vielseitiger und fähiger, in einer feindlichen Welt zu überleben, während Gemeinschaften, die Inzucht ausübten, oft zusammen mit ihren Sitten verschwanden.

Das Gegenteil der Endogamie ist die Exogamie, bei der außerhalb der eigenen Gemeinschaft geheiratet wird oder werden soll. Männer gaben der Exogamie den Vorzug, denn sich eine Frau von außen zu holen, gewährte größere Freiheit von den Schwie­gereltern. Die Exogamie war an sich ein Friedensförderer, denn die zwischen Stämmen geschlossenen Ehen reduzierten die Feindseligkeiten, führte zu Stam­mes­koordination und zu Militärallianzen. Letztlich verschaffte sie größere Macht.

Beide Regeln gründen auf jeweiligen moralischen, religiösen oder rechtlichen Vorstellungen von der eigenen und der anderen Gruppenzugehörigkeit und welchen Gruppen heiratsfähige Personen angehören.

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Endogamie (20-01-12)
https://bigbluebook.org/de/82/5/ (20-01-12)

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