Der Schluckauf – Singultus – ist eine kräftige, reflektorische und periodische Einatmungsbewegung des Zwerchfells, wobei jede Inspiration durch plötzlichen Stimmlippenverschluss unterbrochen wird. Verkrampft sich das Zwerchfell, schließt sich reflexartig die Stimmritze zwischen den Stimmbändern, was dazu führt, dass die Luft in der Lunge nicht entweichen kann und die einströmende Luft regelrecht gegen die geschlossenen Stimmbänder prallt. Wie oft in der Minute das Phänomen auftritt, variiert von Person zu Person. Verantwortlich für diese Zwerchfellreflexe sind in erster Linie Nerven im Hirnstamm. In Österreich wird übrigens der Schluckauf als Schnackerl bezeichnet

Schluckauf als ein Reflex des Zwerchfells entsteht meist dann, wenn Menschen zu schnell gegessen oder getrunken haben, wenn das Essen oder Getränk zu kalt ist oder ein zu voller Magen vorhanden ist. Ein chronisch andauernder Schluckauf kann selten Ausdruck einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung sein, wie bei bei einer gastroösophagealen Refluxerkrankung, Entzündungen, einem unter dem Zwerchfell liegenden Abszess, einem Magengeschwür, sowie bei Reizungen durch Operationen im Oberbauch oder Störungen im Zentralnervensystem

Man vermutet, dass der Schluckauf evolutionär betrachtet und physiologisch Sinn macht, denn den ersten Schluckauf haben Babys bereits im Mutterleib und der dient vermutlich dazu, den Atemreflex zu trainieren bzw. dass der Reflex verhindert, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. Nicht nur im Mutterleib sondern auch nach der Geburt werden bekanntlich manche Babys häufig von Schluckauf geplagt, wobei vor allem Frühgeborene damit durchschnittlich fünfzehn Minuten am Tag verbringen. Möglicherweise verbirgt sich dahinter eine wichtige Funktion, denn Schluckauf löst nach Whitehead et al. (2019) eine Welle von Gehirnsignalen aus, die dabei helfen könnten, die Atemregulierung zu erlernen. Messungen der Gehirnaktivität von Neugeborenen zeigten, dass die Kontraktionen des Zwerchfellmuskels bei Schluckauf eine ausgeprägte Reaktion in der Hirnrinde hervorrufen, und zwar bei jedem Aufstoßen insgesamt drei Gehirnwellen, von denen die letzte vermutlich durch das Geräusch hervorgerufen wird. Man nimmt an, dass das Gehirn eines neugeborenen Babys so das Geräusch vom Schluckauf mit dem Gefühl der Muskelkontraktion des Zwerchfells verbinden kann. Die Aktivität, die sich aus einem Schluckauf ergibt, kann dem Gehirn also helfen zu lernen, wie man die Atemmuskulatur überwacht, so dass die Atmung schließlich gesteuert werden kann, indem das Zwerchfell bewusst auf und ab bewegt wird. Ein solcher Aufbau eines Netzwerks ist ein entscheidender Meilenstein für die Entwicklung von Neugeborenen. Zuvor hatte man bereits entdeckt, dass das Treten von Babys im Mutterleib damit vermutlich mentale Abbildungen ihres eigenen Körpers erstellen. Die ForscherInnen denken, dass beim Schluckauf dasselbe für den inneren Körper passiert und halten Schluckauf bei Erwachsenen deshalb für ein Relikt aus dem Säuglingsalter. Manche glauben auch, dass Embryos im Mutterleib auf diese Weise für das spätere Saugen an der Brust üben.

Ein weiterer evolutionärer Beleg wurde im Zusammenhang mit der Untersuchung von Lungenfischen gefunden, die vermutlich den Übergang vom Fisch zum Säugetier bilden. Die Lungenatmung wird bekanntlich von den Nervenbahnen vom Hirnstamm zum Zwerchfell gesteuert. Bei Fischen sind diese neuronalen Verbindungen wenig störungsanfällig, da sie nur bis zu den Kiemen liefen. Tiere hingegen, die über Lungen und Kiemen verfügen, also etwa Kaulquappen, mussten also einen Mechanismus entwickeln, der die Kiemenatmung ermöglicht, ohne die Lunge zu fluten. Daher könnte der Schluckauf ein Überrest jenes Atemvorgangs sein, den Kaulquappen und andere Amphibien benutzen, denn bei diesen sieht der Atemvorgang ganz anders aus, denn sie pressen Wasser durch ihre Kiemen in den Mund, wobei sie gleichzeitig den Weg zur Luftröhre verschließen, und dadurch verhindern, dass Wasser in ihre Lungen eindringt.


Es gibt zahlreiche Hausmittel gegen Schluckauf, die vorwiegend auf eine Beruhigung der Atmung und des Zwerchfells abzielen, wobei das absichtliche Vermeiden eher kontraproduktiv wirkt. Teilweise kann es helfen, für einige Zeit die Luft anzuhalten und dabei zu schlucken, manche Menschen können durch eine Konzentration auf die Atmung ihr Zwerchfell entspannen und den Schluckauf somit beenden. Abhilfe schafft auch manchmal das Trinken von Wasser, ein Löffel Zucker oder das kräftige Drücken der Zunge gegen den Gaumen. Bekannt ist auch die Methode, mit bewusster Ablenkung oder Erschrecken dem Betroffenen zu helfen. Ein Forschungsteam des University of Texas Health Science Center hat einen L-förmigen Strohhalm aus Kunststoff mit einem Ventil am Boden entwickelt, wobei ein Glas Wasser durch diesen Strohhalm getrunken, den Schluckauf zu neunzig Prozent beseitigen soll. Die Kombination aus dem Schlucken des Wassers und dem durch das Ventil erschwerten Schlürfen soll genau jene Nerven aktivieren, die ursprünglich den Singultus verursacht haben. Eine billigere Methode ist es, beide Ohren zuzustöpseln und währenddessen Wasser durch einen normalen Halm zu trinken, wodurch man gleichzeitig den Brustkorb weitet und schluckt.


Literatur

Whitehead, Kimberley, Jones, Laura, Laudiano-Dray, Maria Pureza, Meek, Judith & Fabrizi, Lorenzo (2019). Event-related potentials following contraction of respiratory muscles in pre-term and full-term infants. Clinical Neurophysiology, 130, 2216-2221.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schluckauf (17-11-11)
https://orf.at/stories/3217913/ (21-06-18)


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