Um den vollen Funktionsumfang dieser Webseite zu erfahren, benötigen Sie JavaScript. Hier finden Sie die Anleitung wie Sie JavaScript in Ihrem Browser einschalten.

Lernlandschaft


Lernlandschaften sind große Räume in Schulen ohne konventionelle Klassenzimmerstrukturen, wobei das Konzept der heute vorzufindenden teiloffenen Lernlandschaften auf die Open Space-Schulen der 1970er-Jahre zurückgeht. Die Open Space-Schulen verzichteten ursprünglich radikal auf alle fest eingebauten Wände zu Gunsten einer vollständig offenen großen Fläche. Um das akustische Störpotenzial, das mit dieser vollständigen Offenheit entstand, zu reduzieren, wurde dieses Konzept inzwischen weiterentwickelt und enthält nun auch teiltransparenten Gliederungselemente und feste Einbauten. Entscheidend für das Konzept der teiloffenen Lernlandschaft ist, dass das Konzept nicht mehr auf die soziale Einheit Klasse ausgerichtet ist, sondern vielmehr auf die gewandelten pädagogischenAnforderungen zu reagieren versucht, d. h., einerseits ein hoher Grad der Individualisierung der Arbeitsformen, andererseits temporäre Gruppenbildungen wie altersgemischte Projektgruppen, wechselnde themen- oder niveaudifferente Kurse unterschiedlicher Größe.

Die Idee der Lernlandschaften ist daher ein pädagogisches Grundkonzept – “Der Raum ist der dritte Pädagoge“, das eine konkrete räumliche Umsetzung benötigt, wobei neben der individuelleren Wissensvermittlung Lernlandschaften die Stärkung von überfachlichen Kompetenzen wie Selbstkompetenz und Sozialkompetenz von SchülerInnen ermöglichen sollen. Der Unterricht in Lernlandschaften hat theoretisch das Potenzial, abwechslungsreicher, methodenreicher und individueller zu sein, wobei der Anteil der selbstständigen Arbeit durch die SchülerInnen steigt, sobald die räumlichen Gegebenheiten ausgenutzt werden. Das betrifft die einzelne Unterrichtsstunde, aber auch ganze Stoffeinheiten oder die Kooperation zwischen Fächern und Jahrgangsstufen. Basis für Lernlandschaften ist die Annahme, dass selbstständig erarbeitetes Wissen sich im Gehirn besser verankert als vorwiegender Frontalunterricht.

Das Konzept der Lernlandschaften bedeutet aber nicht, dass ausschließlich in Freiarbeit unterrichtet wird oder Frontalunterricht komplett aus dem Unterrichtsalltag verschwindet, denn LehrerInnen sind und bleiben zentrale Bezugspersonen und Lernbegleiter. Neben den Klassenräumen steht allen Klassen ein gemeinsamer Marktplatzbereich zur Verfügung, in dem Lernen ebenfalls stattfinden kann. Unterrichtsstunden finden daher häufig nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch auf dem Marktplatz zwischen den Klassenräumen statt, wo genügend Raum für Einzel- und Partnerarbeiten sowie fächer- und klassenübergreifende Projekte ist. Die Arbeit in den Lernlandschaften erfordert die kollegiale Zusammenarbeit von LehrerInnen, denn nur durch intensive Absprachen kann man Projekte koordinieren und Unterricht bzw. Leistungserhebungen synchronisieren.


Dazu Kritisches: Nehmen wir das selbst organisierte, individualisierende Lernen, etwa die Lernlandschaften. Das wird momentan sehr einseitig gepusht, obwohl längst nicht alle Lehrer, Erziehungswissenschaftler und Kinderpsychologen davon überzeugt sind. So wird daran gezweifelt, dass beispielsweise Neunjährige ihr eigenes Lernen selber managen und über zehn Tage einteilen können. Hier stellt sich auch die Frage, wie weit die teilautonom geleiteten Schulen selber über neuartige Schulversuche entscheiden können, wenn es mehr sein soll als nur ein Schulversuch. Solche abweichenden Modelle gibt es ja bis anhin vor allem an Privatschulen. Für eine Privatschule entscheiden sich Eltern aber bewusst. Wenn aber die Privatschule von gestern die öffentliche Schule von morgen ist, muss vorher eine politische Diskussion stattfinden.


Literatur

Bollnow, O. F. (1963). Mensch und Raum. Stuttgart.
Interview mit Roger von Wartburg in der bz vom 5. Februar 2015.
WWW: https://www.bzbasel.ch/basel/baselbiet/die-lehrer-haben-bei-der-umsetzung-gesehen-dass-es-da-und-dort-hapert-128799860 (15-11-21)
http://www.schulentwicklung-net.de/images/stories/Anlagen/OS_Kleines_Schulbaulexikon_171018.pdf (18-12-12)
http://www.churermodell.ch/images/sampledata/downloads/Schulentwicklung_Ludretikon.pdf (18-12-12)
https://www.kronberg-gymnasium.de/Lernlandschaften_2671.html?cat120=120 (18-12-12)


Weitere Seiten zum Thema

Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:



Sorry, comments for this entry are closed at this time.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu



© Werner Stangl Linz 2019