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Rückreise-Effekt


Der Rückreise-Effekt – Return Trip Effect – beschreibt das psychologische Phänomen, dass für Menschen bei einer Reise die Rückfahrt meist kürzer erscheint als die Hinfahrt, auch wenn Entfernung und tatsächliche Zeit identisch sind. Beobachtet wurde dieser Effekt in Studien unter verschiedenen Bedingungen, denn so haben Raghubir et al. (2011) berichtet, dass Studenten glaubten, ihr Weg in die Universität dauere länger als der zurück nach Hause. Als Erklärung dafür, was den Effekt auslösen könnte, vermutete man die Vertrautheit, d. h., die Gegend um den Wohnort sei vertrauter und deshalb dauere es länger, bis man das Gefühl habe, wirklich unterwegs zu sein. Auf dem Rückweg sei das anders, weil der Aufbruch in weniger vertrautem Gebiet stattfinde. Andere Forscher argumentierten, die Einschätzung vor der Reise sei der entscheidende Faktor, denn einen Rückweg trete man in der Aussicht an, dass dieser sehr lange dauern werde, denn der Hinweg hat sich ja schon sehr gezogen. In Erwartung mühsam verrinnender Zeit verfliege der Rückweg dann. Zoey Chen et al. (2020) argumentieren, dass die unterschiedliche Erwartungshaltung auf Hin- und Rückweg das Zeitempfinden beeinflusst und sich deshalb eine Hinfahrt tendenziell länger anfühlt als eine Rückfahrt. Aus einer aktuellen Studie ergab sich ein weiterer Ansatz: Zu einem Ziel zu reisen, sei stets mit einer Erwartung verbunden, positiv wie negativ. Wer in den Urlaub fährt, freut sich auf neue Erfahrungen, Entspannung, Abenteuer und unbekannte Orte. Wer zu einem Vorstellungsgespräch oder auf eine Dienstreise geht, tritt diese vielleicht mit Nervosität oder Ängstlichkeit an. In beiden Fällen stellt sich körperliche Erregung ein, Vorfreude oder Angst versetzen den Körper in eine Art Anspannung, was auf einem Hinweg stärker der Fall ist als auf dem Rückweg. Dies verlangsame das subjektive Zeitempfinden. Dass der körperliche Aktivierungsgrad entsprechende Wirkung hat, ist gut belegt, denn bei Fieber scheint die Zeit langsamer zu verrinnen, und auch entsprechende pharmakologische Stimulanzien haben in Studien die gleiche Wirkung offenbart.

Van de Ven et al. (2011) und Ozawa et al. (2015) haben dieses Phänomen der Zeitwahrnehmung bzw. verzerrten Zeitwahrnehmung intensiv untersucht und gezeigt, das die bisherige Erklärung, dass Reisende durch die Hinreise mit der Route vertraut wären und diese Strecke deshalb bei der Rückreise besser abschätzen könnten, falsch ist, denn der Effekt hält auch bei einer neuen, aber gleich langen Rückreiseroute an. Mit Hilfe von Experimenten fand man heraus, dass die Erinnerungen daran schuld sind, dass ein Rückweg viel kürzer vorkommt als der Hinweg, denn auf dem Rückweg kann man sich nur schwer daran erinnern, wie lang der Hinweg wirklich war. Der Rückreise-Effekt entsteht also vor allem dadurch, dass man das Zeitempfinden aufgrund der Erinnerung beurteilt.

Literatur

Chen, Zoey, Ryan Hamilton & Derek Rucker (2020). Are We There Yet? An Anticipation Account of the Return Trip Effect. Social Psychological and Personality Science.
Ozawa, R., Fujii, K. & Kouzaki, M. (2015). The Return Trip Is Felt Shorter Only Postdictively: A Psychophysiological Study of the Return Trip Effect. PLoS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0133339.
Raghubir, Priya, Vicki G. Morwitz & Amitav Chakravarti (2011). Spatial Categorization and Time Perception: Does it Take Less Time to Get Home? Journal of Consumer Psychology.
van de Ven, N., van Rijswijk, L. & Roy, M. M. (2011). The return trip effect: Why the return trip often seems to take less time. Psychonomic Bulletin & Review, 18, 827-832.


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