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Nudophobie


Nudophobie bezeichnet die Angst des Menschen vor Nacktheit und gehört zu den spezifischen Angststörungen, wobei diese die Angst vor dem Unbekleidetsein, vor der eigenen und der Nacktheit von anderen Personen betrifft. Bei dieser Angststörung meidet der Nudophobiker Ort, Situationen, wo er oder andere sich entkleiden, also etwa die Sauna, das Schwimmad oder den Strand, vermeidet aber auch Arztbesuche, bei denen er sich eventuell entkleiden müsste.

Interessant ist in diesem Zusammenhang mit dem Phänomen der Scham, zu dem Theoretiker der vergangenen Jahrhunderte postulierten, dass der Impetus des Menschen, sich zu bekleiden und seinen Schambereich zu verdecken, aus einem universellen Gefühl der Scham resultiert. Es wurde angenommen, dass diese „Körperscham“ sich im Laufe des Zivilisationsprozesses intensivierte und zu einem „Vorrücken der Schamgrenze“ sowie zu einer „Domestikation des Triebhaushaltes“ führte. Von diesem Punkt ausgehend wurde der Begriff „Nacktheit“ in die Spannungsfelder „Natur“ versus „Kultur“ und „Zivilisation“ versus „Primitivismus“ eingebettet, was zu einer verzerrten Wahrnehmung der Nacktheit antiker, historischer und moderner Kulturgruppen führte. Dabei wurden die „Überwindung“ der Nacktheit durch Kleidung als Maßstab für „Zivilisiertheit“ angesehen und Angehörige von Kulturen, in denen Bekleidung keine gesellschaftliche Norm darstellt(e), als „nackte Wilde“ und primitive „Nacktgeher“ gebrandmarkt. Eine solche Auffassung ist das Resultat des schambehafteten Umgangs mit körperlicher Blöße, wie er vor allem im Europa des 19. Jahrhunderts in einer extremen Form zum Tragen kam. Diese Schambehaftetheit ist tief in der christlich-abendländischen Tradition verwurzelt (man denke etwa an den Mythos des Sündenfalls) und mit Begriffen wie „Verführung“, „Lust“ und „Sünde“ verbunden. Durch die verstärkte Intimisierung der Nacktheit und ihre gesellschaftliche Verbannung in die private Sphäre gewann der sexuell-erotische Aspekt immer mehr an Bedeutung. Dies führte zu einer Konnotation von Nacktsein mit Sexualität, die bis heute unser Denken und die Wahrnehmung unbekleideter Körper dominiert (Serova, 2018).

Interessant ist auch die sprachliche Bezeichnung, denn so wird etwa im Englischen zwischen naked und nude unterschieden, wobei der erste Begriff die allgemeine Nacktheit betrifft, während der zweite sich auf die künstlerische Darstellung bezieht.

Literatur

Serova, Dina (2018). Entblößte Gestalten: Multifunktionale Nacktheit in Privatgräbern des Alten Reiches (S. 241–260). In Verbovsek, A., B. Backes & J. Aschmoneit (Hrsg.), Funktion/en: Materielle Kultur – Sprache – Religion. Beiträge des siebten Berliner Arbeitskreises Junge Aegyptologie (BAJA 7), 2.12.–4.12.2016, Wiesbaden.


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