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Gähnen


Das Gähnen ist ein bei Tieren und Menschen auftretendes reflexartiges Verhalten, und steht häufig im Zusammenhang mit Müdigkeit. Der Vorgang beginnt mit einem tiefen Atemzug, in dessen Verlauf der Mund weit geöffnet wird und endet mit Schließen des Mundes bei gleichzeitiger Ausatmung. Begleitet wird das Gähnen meist durch ein Zusammenkneifen der Augen, erhöhten Tränenfluss und häufig auch ein Strecken des Körpers.

Dabei ist weder mangelnder Sauerstoff noch schlechte Luft in der Lunge ein Grund für das Gähnen, sondern man geht heute davon aus, dass Gähnen dazu dient, die Temperatur des Gehirns zu regulieren, denn wird der Kopf zu warm, setzt der Körper Kühlmechanismen in Gang, um zur optimalen Temperatur zurückzukehren. Beim Gähnen atmet man kühlere Luft ein, die das Blut und dadurch auch das Gehirn abkühlen soll.

Auch wenn der Akt des Gähnens bei allen Menschen sehr ähnlich aussieht, sind die Ursachen dafür oft vielfältig wie die Funktionen. Gähnen selber ist aber eine reflexartige Handlung, die im Gehirn auf mehreren Ebenen koordiniert wird. Das Gähnen, das meist rund sechs Sekunden dauert und oft mehrmals hintereinander geschieht, wird durch Veränderungen der Gehirnchemie ausgelöst, und zeigt, dass ein sehr komplexes System dahintersteckt und dass Gähnen vermutlich viele verschiedene Funktionen hat. In einer Studie wurden zwei Gehirnrezeptoren entdeckt, die das Gähnen auslösen und beenden. Die Rezeptoren, die bei der Übermittlung von Informationen eine Rolle spielen, arbeiten mit Dopamin. Morgens ist das Dopamin-Level am höchsten, was erklären könnte, warum Menschen oft nach dem Aufwachen gähnen.

Die Ansteckungsgefahr beim Gähnen hängt nach Untersuchungen auch von der Erregbarkeit eines Teils der Großhirnrinde ab, und zwar vom Motorcortex, der absichtliche Bewegungen steuert. Ansteckendes Gähnen ist somit ein Echophänomen, wobei Echophänomene auch bei bestimmten Krankheiten wie Epilepsie, Demenz, Autismus oder dem Tourette-Syndrom eine Rolle spielen, denn auch bei diesen Krankheiten wurde ein Zusammenhang mit der Erregbarkeit der Großhirnrinde hergestellt.

Übrigens wird der Gähndruck größer, sobald das Gähnen unterdrückt werden soll, denn wenn man Widerstand leistet, versucht einen Drang zu unterdrücken, dann wird dieser erst richtig spürbar.

Übrigens gähnen bereits Föten ab dem sechsten Monat, d. h., sie bewegen Mund so, wie es Menschen beim Gähnen tun, doch gähnen sie umso seltener, je näher die Geburt rückt.

Viele Tiere gähnen ebenfalls, wobei Hunde gähnen, um sich zu beruhigen, Katzen zur Begrüßung, Kaninchen nach dem Aufwachen und strecken sich dabei, wobei das Gähnen vermutlich eine Übersprungshandlung darstellt, denn ist das Tier unsicher, versucht es sich damit zu beruhigen, vor allem wenn es nicht weiß, ob es fliehen oder bleiben soll. Wann in der Evolution das Gähnen entstanden ist, lässt sich aber dennoch nicht eindeutig bestimmten. Das Gähnen von Schlagen ist vermutlich eine Fehlinterpretation, denn diese renken dadurch nur ihren Kauapparat wieder ein.

Anmerkung: Da Gähnen von Menschen oft mit Langeweile oder Desinteresse verbunden wird, gilt es heutzutage als unhöflich, etwa bei einem Konzert, in einem Treffen oder bei einer Feier zu gähnen, sodass man das Gähnen zu verbergen sucht, indem man die Hand vor den Mund hält. Es gibt viele verschiedene Methoden, um zu verhindern, dass man gähnt. So verhindert Kühlung nachweislich den Drang zu gähnen, indem man etwa eine kalte Flasche an den Kopf presst, oder etwas kaltes Wasser auf die Stirn tupft. Auch durch ein Berührender der Zungenspitze sollte sich der Gähnzwang reduzieren.

Literatur

Stangl, W. (2014). Nonverbale Signale und das Erkennen der Persönlichkeit. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommNonverbale4.shtml (2014-07-21).


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