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Kritikalität


Selbstorganisierte Kritikalität (self-organized criticality) ist ein Phänomen, das bei dynamischen Systemen auch im Zusammenhang mit psychologischen, insbesondere sozialen Systemen auftreten kann. Es besagt, dass sich bei einem selbstorganisiert kritischen System die Parameter des Systems mit der Zeit von selbst einem kritischen Punkt nähern. Daraus folgt die Besonderheit solcher Systeme, dass diese nämlich weitgehend unabhängig von der Wahl der Ausgangsparameter die typischen Eigenschaften eines kritischen Zustandes anstreben.

Auch in anderen wissenschaftlichen Domänen wie der Biologie, der Geologie, der Ökonomie oder der Physik lassen sich solche Systeme finden. Demnach entwickeln sich komplexe Systeme aus sich selbst heraus hin zu einem kritischen Zustand, an dem kleinste Irritationen einen Phasenübergang, verstanden als qualitative Änderung des Systems, auslösen können. Solche Systeme schweben bildlich gesprochen zwischen Ordnung und Chaos. Wäre das menschliche Gehirn völlig ungeordnet, könnte es gar keine Informationen verarbeiten, wäre es aber zu geordnet, würde ihm die Flexibilität fehlen, um mit der Vielfalt der Welt fertig zu werden.

In einer Studie verglich man eine Gruppe von Probanden, die Achtsamkeitsmeditation durchführten, mit einer Gruppe in Ruhe, wobei den Meditationsanfängern eine einfache Achtsamkeits-Atmungsaufgabe gestellt wurde. Es zeigte sich, dass hochfrequente Aktivität des Gehirns im Vergleich zum Ruhezustand Kritikalität zeigt, wobei der frontale Cortex neuronale Aktivitätskaskaden auslöst und diese Aktivitäten durch andere cortikale Regionen führen als im Ruhezustand. Offenbar verursacht Meditation lokale funktionelle Veränderungen des Gehirns, was die damit verbundene Verbesserung der Informationsverarbeitung erklärt. Wenn sich Menschen ohne jegliche Meditationserfahrung daher ausschließlich auf Ihre Atmung konzentrieren, wird die neuronale Aktivität über weite Teile der Hirnrinde hinweg koordiniert, wobei im Gegensatz zum Ruhezustand achtsame, fokussierte Aufmerksamkeit erfordert, dass man das Wandern der Gedanken bemerkt und unterdrückt und sich immer wieder neu auf den Atem konzentriert. Dabei geht es um ständige Überwachung und exekutive Kontrolle, insbesondere bei Anfängern, damit das in Gehirnzuständen umgesetzt wird, die an einem instabilen kritischen Punkt zwischen Ordnung und Unordnung eben der Kritikalität – ausbalanciert sind und eine flexible Fokussierung der Aufmerksamkeit ermöglichen.

Aus systemtheoretischer Perspektive handelt es sich bei Organisationen um operationale geschlossene Systeme. Dennoch benötigen derartige Systeme Impulse aus den relevanten Umwelten, die sie gemäß ihrer internen Struktur verarbeiten, um zu überleben. Ohne Impulse, die im einfachsten Sinne als aus Daten generierte Informationen verstanden werden können, die im Zuge des Kommunikationsprozesses in der Organisation verarbeitet werden, kann die strukturelle Kopplung an die Umwelten nicht aufrechterhalten werden, was wiederum das Ende der Organisation bedeuten würde. Heinz von Foerster bringt die Notwendigkeit der energetischen Offenheit exemplarisch anhand biologischer Systeme auf den Punkt: „[Wenn] wir um eine Katze oder um eine Maus eine energetisch undurchdringliche Hülle legen, so wird das, was innerhalb dieser Hülle sich befindet, nicht lange Katze oder Maus bleiben. Das heißt, dass das Konzept eines […] abgeschlossenen Systems hier nicht brauchbar [ist] und man daher zu dem eines [….] offenen Systems übergehen muss“ (von Foerster, zitiert nach Simon, 2015, S. 31). Demzufolge können Organisationen als operational geschlossene Systeme verstanden werden, die energetisch offen sind.

Literatur

Simon, F. B. (2015). Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus.  Heidelberg: Carl-Auer Verlag.


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