Ein Initiationsritus ist ein festgelegter Ablauf von Handlungen, in dem der Übergang eines Individuums vom Kind bzw. Jugendlichen zum Erwachsenen, die Aufnahme von jemandem in eine Gruppe oder auch die Einweihung in ein Geheimnis begangen wird, die Initiation. Eine Initiation bezeichnet also die Einführung eines Außenstehenden (Anwärters) in eine soziale Gemeinschaft oder seinen Aufstieg in einen anderen Seinszustand wie eben vom Kind zum Erwachsenen, vom Novizen zum Mönch bzw. zur Nonne oder vom Laien zum Schamanen bzw. zur Schamanin. Der Hauptfall der Initiation ist die Pubertäts- und Stammesinitiation der Stammesgesellschaften und die daraus hervorgegangene Initiation der antiken Mysterienkulte. Der Schritt ins Erwachsenenleben ist für einen Äthiopier z.B. ein Sprung über eine Reihe von Rindern. Ein Zentralafrikaner muss sich auf einen Baum wagen, um an Honig für seinen Stamm zu kommen. Initiationsriten entstammen im Wesentlichen der archaischen Vergangenheit der Menschheit. Dass es solche Riten in allen Kulturen gibt, sagt nichts über deren Notwendigkeit, doch kann man vermuten, dass Menschen solche Riten benötigen, damit sie einerseits nicht mehr oder weniger lange Zeit in für sie ungewissen Zwischenwelten leben. Besonders wichtig scheinen diese Riten bei allem zu sein, was mit Sexualität zu tun hat.


Bei den Sambia – eine Ethnie in den südlichen Randgebieten der Eastern Highlands Province in Papua-Neuguinea – ist die Initiation des Knaben zum jungen Mann durch eine längere Phase institutionalisierter Homosexualität gekennzeichnet. Ab dem 7. Lebensjahr, das von einer sehr engen Mutterbindung erfüllt ist, wird der Knabe in eine neue Welt versetzt, die aussschließlich aus Männern besteht und sexuelle Kontakte beinhaltet. Durch Fellatio an Jugendlichen bzw. jungen Männern erwirbt der Knabe männliche Stärke durch die Energie des Spermas, um zu einem mutigen und wilden Krieger zu werden. Ab etwa zwanzig wird er exogam mit einem vorpubertären Mädchen verheiratet, wobei Ehen als politische Allianzen zwischen feindlichen Gruppen geschlossen werden und der Ehefrau deshalb mit Misstrauen und Vorsicht begegnet wird. Nach einer zweijährigen Übergangszeit mit Fellatio durch die Ehefrau findet der erste Geschlechtsverkehr mit der mittlerweile gebärfähigen Frau statt. Nach der Geburt des ersten Kindes und der damit abgeschlossenen Initiationsphase erfolgen ausschließlich heterosexuelle Kontakte (Herdt, 1994).

Literatur

Herdt, Gilbert (1994). Guardians of the Flutes. Chicago: The University of Chicago Press.



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