cute aggression

Cute aggression – niedliche Aggression – ist ein oberflächlich aggressiv erscheinendes Verhalten, das dadurch verursacht wird, dass man etwas Niedliches sieht, wie z.B. ein menschliches Baby oder ein possierliches Jungtier wie etwa Hundewelpen.

Menschen, die eine solche niedliche Aggression erleben, können dabei mit den Zähnen knirschen, die Fäuste ballen oder auch den Drang verspüren, das zu zwicken und zu quetschen, was sie als niedlich, süß, putzig, schnuckelig oder knuffig empfinden, ohne bei diesen tatsächlich Schaden anzurichten oder verursachen zu wollen. Manche versuchen dann nicht nur sinnbildlich in dieses süße Objekt hineinzubeißen, wobei das durchaus als Zwang erlebt werden kann.

Diese einander objektiv widerstrebenden Gefühle überfordern manche Menschen, sodass sie ihre Emotionen nicht mehr kontrollieren können.

Erklärt wird dieses Verhalten damit, dass das Gehirn zu viel an Niedlichkeit nicht ertragen kann, wobei der Anblick so starke positive Emotionen auslöst, sodass das Gefühlslereben zu weit von seinem Normalzustand abweicht und es zu einer Art Übersprunghandlung kommt. Dabei stuft das Gehirn die Emotionen als Aggression ein und man verspüren den Drang, etwas ganz fest drücken zu müssen.

Stavropoulos & Alba (2018) fanden in ihren Experimenten einen Beleg dafür, dass sowohl das Belohnungssystem des Gehirns als auch das Emotionssystem an diesem psychologischen Phänomen beteiligt sind. Dabei gab es einen besonders starken Zusammenhang zwischen den Bewertungen der süßen Aggression gegenüber niedlichen Tieren und der Belohnungsreaktion im Gehirn gegenüber niedlichen Tieren. Dadurch wird bestätigt, dass das Belohnungssystem an den Erfahrungen der Menschen mit süßen Aggressionen beteiligt ist. Im Wesentlichen tritt diese Form der Aggression bei Menschen auf, die zu einem Gefühl der Überforderung neigen, wenn etwas gar zu süß oder niedlich ist.

Die Niedlichkeitsaggression scheint offenbar das Gehirn wieder abzukühlen, indem es die Gefühle der Überwältigung neu ordnet bzw. neutralisiert. Evolutionstheoretisch könnte sich eine solche Adaption deshalb entwickelt haben, um sicherzustellen, dass sich die Menschen weiterhin um jene Lebewesen kümmern können, die sie für besonders niedlich halten. Die Cute-Aggression könnte demnach als eine Art Temperierungsmechanismus dienen, der es den Menschen erlaubt, zu funktionieren und sich tatsächlich um etwas zu kümmern, das sie zuerst als überwältigend niedlich empfanden.

Literatur

Aragón, O. R., Clark, M. S., Dyer, R. L., & Bargh, J. A. (2015). Dimorphous Expressions of Positive Emotion: Displays of Both Care and Aggression in Response to Cute Stimuli. Psychological Science,  26, 259–273.
Stavropoulos, Katherine K. M. & Alba,Laura A. (2018). “It’s so Cute I Could Crush It!”: Understanding Neural Mechanisms of Cute Aggression. Frontiers in Behavioral Neuroscience, doi:10.3389/fnbeh.2018.00300.

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