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Relevanzparadoxon


Das Relevanzparadoxon (relevance paradox) beschreibt das psychologische Phänomen, dass Menschen aber auch Organisationen vor allem Informationen suchen, die von Anfang an für relevant gehalten werden, sich dann aber als nutzlos erweisen oder nur von teilweisem Interesse sind. So werden später Informationen nicht berücksichtigt, die für irrelevant gehalten werden, obwohl sie in einer neuen Situation durchaus nützlich wären. Dabei ist der Informationssuchende in einem Paradoxon gefangen und er versagt darin, Dinge zu erfahren, die er eigentlich unbedingt benötigt, und wird so Opfer seines intellektuellen blinden Flecks.

Im Bildungsbereich findet sich dieses Phänomen unter anderem in der Mathematik, wo trotz der objektiven sozialen Relevanz der Mathematik im Alltag diese subjektiv jedoch kaum wahrgenommen wird. Dies liegt jedoch nicht daran, dass die Mathematik im allgemeinen Leben nicht vorkommt, sondern vielmehr versteckt sie sich etwa in technischen Geräten, Computern oder Ähnlichem. Diese Diskrepanz zwischen der persönlich wahrgenommene Relevanz bzw. dem Nutzen von Mathematik und ihrer tatsächlichen Bedeutung für die Gesellschaft findet sich sogar bei Mathematikstudenten.

Übrigens lieferte die Corona-Krise 2020 reichlich Anschauungsmaterial für die Bedeutung der Mathematik, denn weltweit fällten Regierungen Entscheidungen von enormer Tragweite für die Bevölkerung auf Grund von mathematischen Modellrechnungen über mögliche bis wahrscheinliche Entwicklungen der Corona-Pandemie. Mathematik konnte dabei buchstäblich Leben retten oder wirtschaftliche Kosten in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe verhindern. Doch sind solche Modelle imer nur eine vereinfachte Abbildung der Wirklichkeit und oft mit großer Unsicherheit verbunden, d. h., auch in der Coronakrise gab es nicht das eine wahre mathematische Modell, sondern es wurden parallel zahlreiche Modellen über die Pandemie veröffentlicht. Auch wenn diese Modelle teilweise sehr unsicher waren, waren sie immer noch besser als die Alternative, Entscheidungen aufgrund von Bauchgefühlen zu treffen.

Literatur

NZZ vom 21. April 2020


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