Eine Konfabulation bezeichnet das Ausfüllen von Erinnerungslücken mit spontan wechselnden Einfällen, die für tatsächlich Erlebtes gehalten werden, wobei charakteristischerweise bei mehrmaligem Nachfragen immer andere Inhalte für die gleiche Erinnerungslücke angeboten werden. Manche Konfabulationen beruhen schlicht auf falschen Wahrnehmungen, andere aber auch auf Fehlfunktionen des Gedächtnisses, etwa wenn jemand mehr Informationen aus seinem Gedächtnis abrufen möchte als tatsächlich vorhanden sind, was nicht immer in der Absicht der Lüge geschehen muss. Sie werden oft von älteren Menschen praktiziert, die damit von bereits vorhandenen Gedächtnislücken ablenken möchten. Oft versuchen Betroffene solche Lücken durch das Reden zu füllen und bemerken selber nicht, dass sie oft unglaubwürdig werden.

Psychologischer Hintergrund: Erinnerungen sind bekanntlich Konstruktionen der Wirklichkeit, d. h., man kann sich diese wie ein Puzzle vorstellen, das jedes Mal, wenn man eine Erinnerung abruft, sie aus vielen verschiedenen Informationen wie ein Puzzle wieder zusammenstellt. Details können bei dieser erneuten Zusammenstellung verändert oder Dinge dazu erfunden werden. Wenn sich also einmal ein falsches Detail einschleicht oder das Gehirn unvollständige Erinnerungen automatisch ergänzt bzw. wenn man dieses falsche Erinnerungsdetail immer und immer wieder abruft, brennt es sie sich irgendwann als etwas subjektiv Richtiges ein.

Eine spezielle Variante einer Konfabulation beruht auf dem Versuch, die aufkommenden Gedanken je nach ihrem Bezug zu einer aktuellen Situation anzupassen. Eine wichtige Rolle spielen Konfabulationen daher in der Aussagepsychologie, in der untersucht wird, inwieweit etwa Zeugenaussagen in einem Gerichtsprozess die Wahrheit widerspiegeln.

Konfabulationen treten häufig beim amnestischen Syndrom (Wernicke-Korsakow-Syndrom) sowie auch beim Delir auf. Im klinischen Bereich bestehen spontane Konfabulationen häufig aus losen Assoziationen und teilweise bizarren Einfällen, die von den Betroffenen als authentische Erinnerung wahrgenommen und teilweise mit großer Überzeugung vorgetragen werden. Die Basis dieser Schädigung liegt in vielen Fällen im orbitofrontalen Cortex.

Man findet manchmal als typisches Beispiel den Mandela-Effekt, der auftritt, wenn sich eine ganze Gruppe von Menschen an eine objektiv falsche Tatsache erinnern, d. h., sie gehen fest davon aus, dass etwas passiert ist, obwohl das nachweislich nicht so eingetreten war. Namensgeber für diese Form der Konfabulation ist dabei Nelson Mandela, denn einige Menschen gingen lange und oder gehen immer noch davon aus, Mandela wäre schon in den 1980ern in einem südafrikanischen Gefängnis gestorben, obwohl er erst 2013 an einer Lungenentzündung verstorben ist. Damals nahmen also viele Menschen fälschlicherweise an, dass Mandela bereits im Gefängnis gestorben sei, dabei wurde er 1990 aus der Haft entlassen und wurde danach sogar noch Präsident. Als 2013 Mandelas Tod durch die Medien ging, waren viele Menschen verwundert, einige meinten sogar, sie könnten sich an Aufnahmen der Beerdigung von Mandela erinnern. Beim Mandela-Effekt geht es demnach um Erinnerungen, die von der Mehrheit einer Gesellschaft unbewusst falsch rekonstruiert wurden.


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