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Spiegeltest


Als Spiegeltest bezeichnet man ein Experiment zur Selbstwahrnehmung, bei dem ein Spiegel ins Sichtfeld eines Testtiers oder einer Testperson gebracht und die Reaktion auf ein künstlich auf dem Körper angebrachtes Merkmal beobachtet wird. Eine typische Form des Tests ist das Aufmalen einer Farbmarkierung an einer Stelle, die nur durch einen Blick in den Spiegel wahrgenommen werden kann. Geprüft wird mit Hilfe dieser Versuchsanordnung, ob das Individuum durch sein Verhalten anzeigt, dass sich die Markierung am eigenen Körper befindet. Dabei zeigte sich, dass die Tiere in einem Spiegel einen aufgemalten Farbpunkt an ihrer Stirn erkennen und diesen entfernen können, woraus man schließt, dass etwa Schimpansen über ein reflexives Bewusstsein und menschenähnliche Empathie verfügen. Allerdings sind diese Fähigkeiten meist sehr situativ und speziell.

Die Methodik des Spiegeltests wurde unabhängig voneinander von Gordon G. Gallup für Schimpansen und Beulah Amsterdam für Kleinkinder entwickelt, jedoch ist umstritten, welche Aussagekraft das Bestehen des Spiegeltests neben dem Nachweis von Selbstwahrnehmung zum Beispiel auch für Ichbewusstsein bei Tieren hat. Zu den Selbsterkennern sollen unter anderem Bonobos , Tümmler, Schwertwale, Elstern, der Asiatische Elefant und die tropischen Putzerlippfische gehören.

Es gibt nach Ansicht von manchen Experten ohnehin eine basale Form der Selbstwahrnehmung der Lebewesen, die deshalb grundlegend ist, weil sie noch nicht die Fähigkeit des Self-Monitoring eigener mentaler Zustände erfordert, denn ein Lebewesen kann sich selbst empfinden, ohne seine Regungen zu überdenken. Selbsterkennung ist daher nichts Besonderes, denn sogar Bakterien unterscheiden zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst, d. h., ein Bewusstsein braucht es nicht dafür.

Hirata et al. (2017) führten mit Schimpansen eine Variante des klassischen Spiegeltests durch, wobei die Tiere erst in einem Video ihr Gesicht mit dem Farbfleck sahen. Es zeigte sich dabei, dass sich die Tiere nicht nur im Spiegel sondern auch auf einer Videoaufnahme erkennen, die ein wenig zeitverzögert gezeigt wurde. Zeigte man den Schimpansen aber eine ältere Aufnahme, reagierten die Tiere nicht, sodass man vermutet, dass Schimpansen offenbar in der Lage sind, einen augenblicklichen Zustand zu begreifen, also über einen gewissen Sinn für Aktualität verfügen.
Menschenkinder bestehen diesen Test typischerweise im zweiten Lebensjahr (Spiegelstadium).


Kuriosum: Übrigens kam die Idee Gordon Gallup beim Rasieren, denn als Student hatte er einen Kurs in experimenteller Psychologie belegt und dabei die Aufgabe erhalten, sich eine neue, einzigartige Versuchsanordnung auszudenken.


Literatur

Hirata, Satoshi, Fuwa, Kohki & Myowa, Masako (2017). Chimpanzees recognize their own delayed self-image. Royal Society Open Science, 4, 1-9.
Stangl, W. (1997). Haben Tiere ein reflexives Bewusstsein? [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Modelllernen.shtml (97-05-11)


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