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Als Overconfidence bezeichnet man in der Psychologie die Selbstüberschätzung bei einer Entscheidung, die in zwei Formen auftreten kann: in einer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten oder Leistungen und in einer Überschätzung des eigenen Wissens.

Selbstüberschätzung der eigenen Leistungen relativ zu anderen wird auch als better than average effect bezeichnet. Beispiel: die meisten Autofahrer halten sich für besser als der Durchschnitt.

Die zweite Form der Selbstüberschätzung bezeichnet das Vorurteil, die eigenen Urteile für genauer zu halten als sie es tatsächlich sind.

Overconfidence ist als Merkmal bei einem Menschen jedoch nicht immer gleich stark ausgeprägt und wird von einer Reihe von Kontextfaktoren beeinflusst, etwa von der Komplexität einer Aufgabe, denn manche Menschen zeigen sich  in komplexen Situationen überkonfident und bei leichten Aufgabestellungen aber unterkonfident. Besonders in unsicheren Situationen, die einen hohen Grad an Ambiguität aufweisen, ist Overconfidence manchmal stark ausgeprägt. In bestimmten Entscheidungssituationen können auch geschlechterspezifische Unterschiede hinsichtlich der Intensität von Overconfidence bestehen, wobei Männer im Vergleich zu Frauen bei maskulin verorteten Themen stärker überkonfident sind.

Die Stärke der Ausprägung von Overconfidence kann auch kulturabhängig sein, denn während Japaner und Amerikaner bei einer konkreten Aufgabenstellung ein vergleichbares Maß an Overconfidence zeigen, verhalten sich Chinesen bei der selben Aufgabe viel überkonfidenter. Es wird auch vermutet, dass die Stärke von Overconfidence in hohem Maße erfolgsabhängig und somit dynamisch ist, d. h., erfolgreiches Handeln in der Vergangenheit wirkt sich positiv auf den Grad der Overconfidence aus, sodass in der Vergangenheit erfolglose Entscheider sich im Vergleich zu erfolgreichen Entscheidern weniger überkonfident verhalten, also aus ihrem Verhalten lernen.

Übrigens: Man hat in Untersuchungen festgestellt, dass Yoga zur Selbstüberschätzung führen kann. Yoga löst zwar immer zuerst einmal Glücksgefühle aus, wobei die Yoga-Philosophie annimmt, dass Yoga zu einem realistischeren Selbstbild führt, das schließlich diese Gefühle erzeugen soll. Diese Studie hat jedoch entdeckt, dass das, was die Glücksgefühle erzeugt, die Selbstüberschätzung ist. Generell löst ein realistisches Selbstbild nämlich keine Glücksgefühle aus, während das ein übersteigert positives Selbstbild hingegen schon tut. Man kennt dieses Phänomen seit Jahrzehnten in anderen Bereichen, wie etwa dem Autofahren. Auch Menschen, die sich für die hilfsbereiteste Person der Welt halten oder glauben, der Welt Gerechtigkeit zu bringen, basieren auf Narzissmus, der durch Yoga etwas zuzunehmen scheint. Zwar hat die Selbstüberschätzung im Buddhismus und auch in der christlich geprägten Welt ein eher schlechtes Image, doch die Forschung zeigte auch, dass sich eine leichte Selbstüberschätzung positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Das gilt übrigens auch für Meditierende, denn bei vielen Meditationen geht es um liebende Güte, wobei auch hier der Effekt ist, dass der meditierende Mensch meint, besonders gütig zu sein, gütiger als andere Menschen.

Literatur

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/overconfidence.html (15-11-12)
https://www.spiegel.de/psychologie/yoga-erzeugt-gluecksgefuehle-aber-anders-als-gedacht-a-d6b4333b-d6bc-4bee-bf6b-97e4e0c91537 (22-01-29)



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