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Phobokratie


Phobokratie bezeichnet ganz allgemein eine Herrschaft durch Angst, die in vielen Kulturen und manchen Religionen seit der Antike zu beobachten ist.

Insbesondere bedient sich die katholische Kirche innerhalb der christlichen Glaubenslehren der Phobokratie, denn sie hat als zentrale Prämisse, dass nur über sie allein das Heil erlangt werden kann. Daher entwickelte sie in ihrem Katechismus ein Sündenregister, angefangen von der Erbsünde bis zu den durch mannigfache Verstöße bedrohten Sakramenten, wodurch primär Angst erzeugt und am Leben erhalten wird. Bezeichnenderweise setzt insbesondere die katholische Kirche bei der wohl elementarsten Triebkraft des Menschen, der Sexualität an, und verleibt sich diese im Sakrament der Ehe ein, wobei sie sich letztlich davon distanziert, denn dieses Sakrament wird bekanntlich nicht von ihr, der Kirche, gespendet, sondern durch die Ehepartner.

Nach Max Weber sind es übrigens die Religionen, die ganz generell die Modalitäten der Zuwendung zur Welt definieren, wobei wohl für den abendländischen Kulturraum gilt, dass insbesondere das Christentum den Wirklichkeitsbezug der Menschen nachhaltig geprägt hat. Die Haltung des Christentums gegenüber der Welt bezeichnet Weber als Weltbeherrschung, wobei es im Kern dabei darum geht, dass ein Unterschied besteht zwischen dem, wie es ist, und dem, wie es sein soll. Dieser Unterschied soll daher im Leben auf dieser Welt dadurch überwunden werden, indem die Menschen an sich selbst arbeiten und sich durch Disziplin und Arbeit dem Ideal des Lebenslaufes immer weiter annähern. Weber bezeichnet diese Anstrengungen der Menschen, ihre Bedürfnisse, Triebe, Emotionen und ihr inneres Böse unter Kontrolle zu bringen, als innerweltliche Askese, wobei etwa der Genuss von Reichtum und die Erotik genauso verpönt sind wie auch der Überschwang der Gefühle, die Leidenschaft oder Rachsucht aus persönlichen Motiven. Gut in diesem Sinne hingegen ist die Berufsarbeit als Mitarbeit an den durch Gottes Schöpfung gesetzten sachlichen Zwecken. Sich selbst gegenüber arbeitet der gute Christ an der Kontrolle der eigenen Kreatürlichkeit durch aktive Disziplin, um sich als Instrument für die Erlösung in dieser Welt vorzubereiten. Aus diesen religiösen Zielen ergeben sich zentrale Veredelungsrichtungen des Menschen, etwa die Heiligung des Menschen, um ihn aus einem verdorbenen Zustand herauszuführen, die Moralisierung, um ihn aus einem zügellosen Zustand herausführen, die Verrechtlichung, um ihn aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien, die Rationalisierung des Menschen, um ihn für bestimmte Dinge brauchbar zu machen, und nicht zuletzt die Vermenschlichung des Menschen, um in ihm die Struktur des Menschseins zu entwickeln.

Peter Sloterdijk deutet insgesamt die Geschichte der jüdisch-christlichen Religion als Herrschaft einer Angstagentur, die weltlichen Rechtssystemen einst überweltlichen Nachdruck verschafft hat, und behauptet, dass seit 2500 Jahren Religion in Europa nur ein anderes Wort für Phobokratie darstellt.

Literatur

Sloterdijk, P. & Macho, T. (2014). Gespräche über Gott, Geist und Geld. Freiburg: Herder.


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