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Amygdala


Amygdala oder Mandelkern ist eine mandelförmige Region in der Mitte des Gehirns, sie ist Teil des limbischen Systems und zuständig für die rasche und automatische Verarbeitung von Emotionen, vor allem von Furcht und Notsituationen. Fast jede Studie über Angst ergab, dass dabei die Amygdala aktiv ist, was aber nicht bedeutet, dass jede Aktivität in der Amygdala beagt, dass die Person Angst hat. Stattdessen scheint die Amygdala etwas viel Subtileres zu machen, nämlich Ereignisse zu verarbeiten, die in Verbindung zu den Kognitionen stehen, die eine Person im Augenblick hat. Also wenn ein Mensch in einer bedrohlichen Situation ist oder eine ängstliche Persönlichkeit hat, dann kann die Amygdala durch ein furchterregendes Bild aktiviert werden. Hungrige Menschen haben hingegen eine erhöhte Aktivität in der Amygdala als Reaktion auf Bilder von Nahrungsmitteln, während empathische Menschen eine Reaktion der Amygdala auf das Betrachten von Menschen zeigen.

Die Amygdala drückt durch die Verbindung mit Emotionen einer Erinnerungen den Stempel wichtig auf, sodass sich Menschen emotional aufgeladene Erinnerungen besser merken merken. Aus der Perspektive der Evolution betrachtet, ist es überlebenswichtig, angstigende Erlebnisse zu erinnern, denn schließlich kann es das Leben retten, Höhen, Schlangen oder aggressive Mitmenschen zu meiden. Daher aktiviert der zentrale Kern der Amygdala in einer furchteinflößenden Situation nicht nur das Kampf-oder-Fluchtsystem, sondern auch das emotionale Gedächtnis, indem in vielen Arealen des Cortex Acetylcholin ausgeschüttet wird, der das Gehirn dabei unterstützt, möglichst viele Sinneseindrücke der Umgebung aufzusaugen. Von Geburt an markiert die Amygdala visuelle Reize mit einem emotionalen Wert: Ist das zum Beispiel gefährlich? Sollte ich Angst haben? Soll ich mich nähern oder etwas vermeiden? Bei Erwachsenen gibt es eine stärkere Verbindung zu hochrangigen sensorischen Regionen des visuellen Cortex, zu jenem Areal, das Gesichter, Körper und Objekte verarbeitet, also Arten von Reizen, die eine emotionale Reaktion rechtfertigen könnten. Darüber hinaus zeigen Erwachsene auch ein ähnliches Muster für die Hörregionen, und zwar auf höherer Ebene, also zu Regionen, die Sprache verarbeiten, aber eine schwächere Verbindung zu primären Hörregionen, wie jene Areale, die Frequenzinformationen erfassen (Hansen et al., 2020).

Die Amygdala spielt also vor allem eine zentrale Rolle bei der Integration sensorischer inklusive nozizeptiver Reize und affektiver Inhalte. Unter der Vielzahl der Kerne der Amygdala spielen bei dieser Integration besonders drei Kerne eine wichtige Rolle: lateraler, basolateraler und zentraler Kern. Sensorische Reize aller Modalitäten erreichen die Amygdala aus dem Thalamus und dem Cortex über die hauptsächliche Eingangsstation der lateralen Amygdala, in der verschiedene sensorische Informationen konvergieren. Diese Information wird direkt oder indirekt über die basolaterale Amygdala an den Zentralkern weitergeleitet, den wichtigsten Ausgangskern der Amygdala. Dieser Zentralkern hat weitgefächerte Verbindungen mit den Kerngebieten des Gehirnstamms.

Die Aktivität der Amygdala soll übrigens durch das Trinken sauerer bzw. süßer Getränke beeinflussbar sein, denn in einer englischen Studie servierte man Probanden jeweils Trinklösungen mit unterschiedlichem Geschmack und ließ sie anschließend am Computer einen Luftballon aufpumpen. Das Volumen des Ballons nahm mit jeden Mausklick zu, bis er platzte, es sei denn, der Proband beendete vorher das Aufpumpen. Es zeigte sich, dass Probanden, die vorher ein saures Getränk zu sich genommen hatten, bei dem Computerspiel am meisten riskierten, doch jene, die ein Getränk mit Süßem oder Umami verkostet hatten, beendeten schon sehr früh das Pumpen und riskierten daher am wenigsten. Man schließt daraus, dass ein systematisches Sauerreiz-Training bei der Therapie von Ängsten und Depressionen helfen könnte (Vi & Obrist, 2018).

Versuche an Mäusen (Han et al., 2017) zeigen, dass über die Aktivierung von Neuronen in der Amygdala mit Lichtsignalen, wo das Jagdverhaltens von Tieren und damit die Verfolgung und Tötung von Beutetieren initiiert wird, dieses Verhalten ausgelöst werden konnte. Als man den Laser anschaltete, sprangen die Mäuse auf ein Objekt, hielten es mit ihren Pfoten fest und bissen intensiv hinein, als ob sie es fangen und töten wollten, wobei die Tiere nicht nur Insekten, sondern auch Holzstöckchen, Kaffeetassen oder Flaschendeckel jagten. Dabei identifizierte man zwei Gruppen von Neuronen: Eine aktiviert den Jagdtrieb, die andere steuert die Muskulatur von Kiefer und Nacken. Auf das Lichtsignal hin nahmen auch unbeteiligte Mäuse eine Jagdhaltung ein, packten, bissen und töteten ihre Beute, Artgenossen griffen sie hingegen nie an.


Kurioses: Diese Forschungsergebnis wird in den Medien unter folgenden interessanten Titeln verbreitet: “Mäuse werden Killermaschinen”, “Killerinstinkt auf Knopfdruck” 😉


Literatur

Hansen, Heather A., Li, Jin & Saygin, Zeynep M. (2020). Adults vs. neonates: Differentiation of functional connectivity between the basolateral amygdala and occipitotemporal cortex. Public Library of Science, doi:10.1371/journal.pone.0237204.
Vi, Chi Thanh & Obrist, Marianna (2018). Sour promotes risk-taking: an investigation into the effect of taste on risk-taking behaviour in humans. Scientific Reports, 8, doi:10.1038/s41598-018-26164-3.
Wenfei Han, Luis A. Tellez, Miguel J. Rangel, Jr., Simone C. Motta, Xiaobing Zhang, Isaac O. Perez, Newton S. Canteras, Sara J. Shammah-Lagnado, Anthony N. van den Pol & Ivan E. de Araujo (2017). Integrated Control of Predatory Hunting by the Central Nucleus of the Amygdala. Cell, 168, 311–324.DOI: 10.1016/j.cell.2016.12.027

 


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