neuronale Plastizität

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Neuronale Plastizität bezeichnet die Anpassungsmöglichkeit des Gehirns als Reaktion auf Umweltanforderungen durch die Verbindung von Nervenzellen, die Veränderung der Struktur und Funktionen in Gehirnarealen, eine Anpassung etwa über die Zunahme der Dendritenlänge und eine erhöhte Synapsenbildung, aber auch die Fähigkeit bei Läsionen zu korrigieren, wobie diese im Kindesalter ausgeprägter als im Erwachsenenalter ist. Dabei kommt es nach der Läsion zu einer funktionalen Neuorganisation, abhängig von Alter, Größe und Lage der Läsion und der betroffene Areale.

Davon zu unterscheiden ist die intermodale Plastizität, bei der durch das frühe Fehlen von Stimulation einer Sinnesmodalität (z.B. durch angeborene Blindheit) es zu einer Ausweitung der kortikalen Repräsentation einer anderen Sinnesmodalität auf diesen Bereich kommt.

Marian Diamond hat als erste Wissenschaftlerin die neuronale Plastiziät bewiesen, also dass sich das Gehirn durch Erfahrung verändert und durch äußere Inputs lernfähiger gemacht werden kann. Diamond hat vorwiegend neuroanatomisch gearbeitet, und gezeigt, dass die Plastizität mehr oder weniger mit der Hirnrinde einhergeht. Die Anatomieprofessorin Marian Diamond arbeitete dabei in den 50ern und 60ern mit Ratten und bewies, dass äussere Einflüsse deren Gehirnanatomie verändern können, denn reicherte sie die Umgebung der Laborratten mit Spielzeug an, bildeten ihre Gehirne mehr Gliazellen, die die Nervenzellen stützen und ernähren, als die Gehirne derjenigen Tiere, die in leeren Käfigen aufwuchsen.

Kleine Entdeckungsreisen in der eigenen Stadt können auch die neuronale Plastizität fördern, wie unter anderem Heller et al. (2020) in einer Studie mittels GPS-Tracking und verhaltensbezogenen Befragungen nachweisen konnten. Die Forschenden stellten fest, dass nicht die zurückgelegte Distanz für das Glücksgefühl entscheidend ist, sondern die räumliche und zeitliche Vielfalt der besuchten Orte (Experiential Diversity). An Tagen mit höherer lokaler Entdeckungslust berichteten die Teilnehmer über signifikant mehr positive Emotionen. Ergänzend betonen Übersichtsarbeiten wie die von Jimenez et al. (2021), dass gerade der unkomplizierte Kontakt mit unterschiedlichen städtischen Natur- und Freiräumen Stress reduziert und die mentale Gesundheit stärkt. Schon kleine Veränderungen im Alltag – etwa zwei Busstationen früher auszusteigen, ein neues Café zu besuchen oder eine unbekannte Route zur Arbeit zu wählen – reichen völlig aus, um diesen positiven Effekt im eigenen Gehirn auszulösen.


Die Theorie der synaptischen Plastizität stammt von Donald O. Hebb, der das Lernen in neuronalen Netzwerken so beschrieb: Je häufiger ein Neuron A gleichzeitig mit Neuron B aktiv ist, umso bevorzugter werden die beiden Neuronen aufeinander reagieren. Dieses Modells gilt bis heute als die neurophysiologische Grundlage von Lernen und Gedächtnis.

Literatur

Heller, A. S., Shi, T. C., Ezie, C. E. C., Reneau, T. R., Baez, L. M., Gibbons, C. J., & Hartley, C. A. (2020). Association between real-world experiential diversity and positive affect relates to hippocampal–striatal functional connectivity. Nature Neuroscience, 23(7), 800–804.
Stangl, W. (2026, 25. August). Wie kleine Entdeckungsreisen in der eigenen Stadt die Stimmung heben . arbeitsblätter news.
https:// arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/wie-kleine-entdeckungsreisen-in-der-eigenen-stadt-die-stimmung-heben/


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