Achtsamkeitstraining

Achtsamkeitsbasierte Verfahren, die ursprünglich der buddhistischen Tradition entspringen, haben zur Emotionsregulation und zur Behandlung von affektiven Störungen den Eingang in die Praxis der Psychologie gefunden, wobei zahlreiche Programme zum Umgang mit Stress und negativen Emotionen entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Evaluationsstudien zeigen, dass das achtsamkeitsbasierte Training sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Populationen zur Reduzierung der Symptome von Stress, Angst und Depression führt sowie einen effektiven Umgang mit Emotionen schult.

Achtsamkeitsforscher unterscheiden zwischen dem „Tun“ und dem „Sein“, denn sobald eine Tätigkeit einen Zweck hat, befindet man sich in einem funktionalen Modus, d. h. im Fokus liegt ein Ziel, das jemand in Zukunft erreichen möchte. Im Sein-Modus hingegen gibt man sich einer Tätigkeit hin, ohne damit irgendein Ergebnis anzustreben. Im Sein-Modus liegt der Fokus auf dem Hier und Jetzt, nicht auf einem möglichen Ziel in der Zukunft. Wer etwa eine halbe Stunde Klavier übt, um ein neues Stück zu erlernen, ist im Tun-Modus, aber wer sich ohne viel Nachzudenken an das Instrument setzt und einfach vor sich hin spielt, befindet sich im Sein-Modus. Es geht also darum aufzuhören, einem Ziel hinterherzurennen, was aber vielen Menschen nur sehr selten gelingt, denn Menschen haben sich daran gewöhnt, immer etwas zu tun. Das Nichtstun sollte man daher täglich in kleinen Schritten üben, etwa beim Warten auf die Straßenbahn oder den Bus, in der Zeit, bis das Teewasser kocht oder der Kaffee durch die Kaffeemaschine gelaufen ist, oder wenn man in einer langen Schlange an der Supermarktkasse steht. Man kann aber auch nach der Bestellung in einem Restaurant oder Café die Zeit, bis das Bestellte gebracht wird, für eine solche Auszeit des Nicht-Tuns nutzen. Die Augen sollte man dabei aber offen halten und den Augenblick wahrnehmen, so wie er ist und nichts anderes tun.

Wer schon einmal selber Erfahrungen mit Achtsamkeitstraining und Meditation gesammelt hat, weiß, dass das gar nicht so einfach ist, denn bloß ruhig zu sitzen und den Geist im Augenblick zu verankern, fällt vielen Menschen äußerst schwer. Allzu schnell wandern die eigenen Gedanken zum nächsten Projekt oder es gibt eigentlich ja doch noch so viel zu tun!


Achtsamkeitstraining im Rahmen der Sportpsychologie

Da ein effektiver Umgang mit eigenen Emotionen und Gedanken eine Voraussetzung für Höchstleistungen ist, versuchte man eine Übertragung dieses Konzepts auf den sportpsychologischen Kontext. In der Zeitschrift Leistungssport wird berichtet, dass das Trainieren der Achtsamkeit nicht nur die Leistung beim Sport steigert, sondern auch das Erlernen des Flows-Zustands erleichtert, die Konzentrationsfähigkeit steigert und als Mittel zur Regulation von Emotionen eingesetzt werden kann. Vor kurzem entdeckte auch die Sportpsychologie vor allem das Training der Achtsamkeit als eine psychologische Maßnahme zur Steigerung der Leistungsfähigkeit im Sport. Einige Studien liefern Hinweise, dass durch ein achtsamkeitsbasiertes Training die Konzentrationsfähigkeit, die Fähigkeit zur Regulation der Emotionen sowie der Flow-Zustand im Sport beeinflusst werden können. Es wird davon ausgegangen, dass Konzentrationsfähigkeit, Emotionsregulation und Flow-Zustand wichtige psychologische Aspekte im Leistungssport darstellen, die in unterschiedlichen Sportarten unterschiedlich zum Ausdruck kommen.

Literatur

Stangl, W. (2022, 28. Februar). Was ist der Unterschied zwischen Tun und Sein? lerntipp.net.news.
https:// news.lerntipp.net/was-ist-der-unterschied-zwischen-tun-und-sein
http://philippka.de/verlag/leistungssport/aktuelle-ausgabe/ (15-11-22)



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