Fission-Fusion-Gesellschaft

Eine Fission-Fusion-Gesellschaft (fission–fusion society) ist dadurch gekennzeichnet, dass die Mitglieder einer Gruppe meist nur zum Schlafen oder für gemeinsame Unternehmungen zusammenkommen, was für allem für Menschenaffen gilt. So leben die Schimpansen in kleineren Gruppen, Mitglieder der größeren Gruppe (community) treffen sich gelegentlich (fusion) und wandern in kleineren Gruppen (parties) umher, bis sie sich schließlich wieder trennen (fission). Beziehungen zwischen verschiedenen communities sind manchmal bei Schimpansen außerordentlich gespannt, bei Bonobos dagegen nach bisherigen Beobachtungen eher durch friedliche Coexistenz gekennzeichnet. Auch umfassen die Gruppen der Bonobos 40 bis 120 Individuen, die sich oft in Untergruppen von meist 6 bis 23 Individuen aufteilen, um manchmal wieder zusammenzukommen, wobei die Untergruppen der Bonobos öfter gemischt-geschlechtlich und stabiler sind und  nur selten einzelne Individuen findet, vorwiegend Männchen.

Auch Elefanten leben in einer Fission-Fusion-Gesellschaft, bei der sich die Herde oft für Jahre trennt, sodass sie sich bei einem neuerlichen Zusammentreffen wieder aneinander erinnern können müssen – was übrigens vorwiegend über Laute und Gerüche geschieht. Dieses sprichwörtlich gute Gedächtnis macht auch eine hohe Lebensdauer von bis zu achtzig Jahren möglich, denn sie können sich über Jahrzehnte hinweg an Futter- und Wasserstellen, Wege oder auch an Menschen erinnern.

Auch Fledermäuse gehören zu jenen Arten, die eine fortgeschrittene Spaltungs- und Fusionsgesellschaft aufweisen. Bei weiblichen Nördlichen Langohrfledermäusen ist das Wechseln des Schlafplatzes üblich, wobei bei diesem Wechsel mehrere Faktoren eine Rolle spielen, darunter der Bewuchs und die Höhe der Baumkronen, das Zerfallsstadium des Schlafplatzes und die Höhe des Baumes. Beim Wechsel des Schlafplatzes sind außerdem drei wichtige Verhaltensweisen zu beobachten, nämlich die Gruppenbildung durch Spaltfusion, die synchronisierte Bewegung und das Siedlungsverhalten. Beim Ansiedlungsverhalten bleiben die Fledermäuse an einem möglichst günstigen Schlafplatz, bei der synchronisierten Wanderung entscheiden sich die Fledermäuse für einen synchronisierten Wechsel zu einem anderen Schlafplatz und beim Fusionsverhalten trennt sich eine Fledermauskolonie in Unterkolonien, die sich dann wieder zu einer großen Kolonie zusammenschließen.

Auch in modernen menschlichen Gesellschaften findet man in Ansätzen Gruppen, die ein ähnliches Verhalten an den Tag legen und nur für die Nacht oder Wochenendunternehmungen (Kinobesuch etc.) oder den gemeinsamen Urlaub zusammenkommen, während sie untertags in alle Himmelsrichtungen (Arbeitsplatz, Schule) zerstreut sind.

Literatur

Kashima, Kazutaka, Ohtsuki, Hisashi & Satake, Akiko (2013). Fission-fusion bat behavior as a strategy for balancing the conflicting needs of maximizing information accuracy and minimizing infection risk. Journal of Theoretical Biology. 318, 101–109.
https://en.wikipedia.org/wiki/Fission%E2%80%93fusion_society (16-11-14)


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