Salomons Paradox (englisch: Solomon’s paradox) bezeichnet das psychologische Phänomen, dass wenn Menschen wie König Salomon distanziert aus der Perspektive einer anderen Person an die eigenen Probleme herangehen, vernünftiger und einsichtiger agieren, d. h., sie sehen sich selbst aus einer psychologischen Distanz und bleiben dadurch ruhiger und gelassener.

Kross et al. (2014) haben in einer Studie herausgefunden, dass es auch bei Selbstgesprächen einen Unterschied macht, ob man die erste Person benutzt oder in der zweiten Person mit sich selber spricht. Man zeigte den Probanden verschiedene Bilder, die entweder einen neutralen Inhalt hatten oder beunruhigend wirkten. Die Probanden wurden während der Betrachtung der Bilder dazu aufgefordert, entweder in der ersten oder in der dritten Person mit sich selbst zu sprechen, während gleichzeitig die Gehirnströme der Probanden mittels Elektroenzephalografie aufgezeichnet wurden. Es zeigte sich, dass Menschen, wenn sie in der dritten Person mit sich selbst sprachen, schneller beruhigten als wenn sie die Ich-Form nutzten.

Man brachte in einer anderen Untersuchung Probanden in eine belastende Situation, in der sie eine Rede zum Thema „Warum ich für meinen Traumjob qualifiziert bin“ halten mussten, wobei sie zur Vorbereitung nur fünf Minuten Zeit hatten. Probanden, denen gesagt worden war, bei der Vorbereitung in der Du-Form mit sich zu sprechen und ihren eigenen Namen zu benutzen, hielten bessere Reden, waren selbstbewusster und verspürten weniger Angst als jene Probanden, denen man die Ich-Form empfohlen hatte. Auch hier zeigte sich, dass wenn die Probanden in der dritten Person über negative Erlebnisse nachdachten, die Hirnregion, von der man annimmt, dass sie für die Verarbeitung negativer Emotionen verantwortlich ist, weniger aktiv war, als wenn sie in der ersten Person mit sich selbst sprachen. Man geht davon aus, dass man damit eine relativ einfache Möglichkeit gefunden hat, mit der man wieder schnell in ein emotionales Gleichgewicht kommen könnte.

Als Erklärung für diesen Unterschied wird daher Salomons Paradox herangezogen, denn wie König Salomon begegnen viele Menschen den Problemen anderer mit größerer Vernunft und Einsicht an den eigenen, wodurch man auch in einer Belastungssituation wie einer Rede vor Experten gelassener bleibt. Bei einer solchen Selbstdistanzierung sprachen die Probanden ganz unterschiedlich mit sich selber, denn während die Gedanken der Ich-Gruppe um ihre Ängste und ihr potentielles Versagen kreisten, sprachen die Probanden der anderen Gruppe aufmunternder und konstruktiver mit sich, d. h., sie sprachen also mit sich selber eher so, wie man mit einem guten Freund oder einem anderen hilfesuchenden Menschen spricht.

Literatur

Kross, E. & Grossmann, I. (2014). Exploring Solomon’s Paradox. Self-Distancing Eliminates the Self-Other Asymmetry in Wise Reasoning About Close Relationships in Younger and Older Adults. Psychological Science, 25, 1571-1580.
Kross, E., Bruehlman-Senecal, E., Park, J., Burson, A., Dougherty, A., Shablack, H., Bremner, R., Moser, J., & Ayduk, O. (2014). Self-talk as a regulatory mechanism: How you do it matters. Journal of Personality and Social Psychology, 106, 304-324.



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