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Kaspar-Hauser-Syndrom

Als Kaspar-Hauser-Syndrom – auch Deprivationssyndrom – bezeichnet man die schwerste Form des Hospitalismus. Mit dem Begriff Kaspar-Hauser-Syndrom werden die negativen, sowohl körperlichen als auch geistigen Folgen bezeichnet, die infolge einer sozialen Isolation bzw. entzogener Liebe in Verbindung mit Misshandlungen, mangelnder Pflege oder Vernachlässigung bei Kindern entstehen können. Der schwere Entwicklungsrückstand der Kinder führt meist auch zu einer mangelhaften Persönlichkeitsentwicklung. Körperliche Symptome sind Wippen oder Schaukeln einzelner Körperteile, wie des Oberkörpers, Bettnässen oder Daumenlutschen , das Laufen und Sprechen fällt Betroffenen schwer, da sie es nie oder erst sehr spät gelernt haben. Aufgrund ihres oft allgemein schlechten körperlichen Zustandes sind sie anfälliger für Krankheiten. Je mehr Zeit ein Kind in einer solchen schädigenden Umgebung verbracht hat, umso schwerer  sind die Symptome meist ausgeprägt. sodass die körperlichen und seelischen Schäden dann nur noch schwer zu beheben sind. Eine Psychotherapie ist eine Möglichkeit für Betroffene, zu lernen, sich wieder in einer sozialen Umgebung zurechtzufinden, Gefühle zuzulassen und Beziehungen aufzubauen, wobei auch Symptome wie Depressionen oder Angststörungen behandelt werden können.

Fälle des Hospitalismus und des Kaspar-Hauser-Syndroms betrafen vor allem Kinder, die in den 1950er bis 1970er Jahren in Heimen aufgewachsen waren, wobei viele Kinder aus Kinder- oder Waisenheimen in der damaligen Tschechoslowakei oder Rumänien stammten. Die Folgen des Mangels an Aufmerksamkeit und Liebe zeigten sich beim Aufwachsen der Kinder, wobei die Betroffenen auch noch Jahre danach an den Folge litten. Es werden auch Fälle von Gefängnisinsassen oder Menschen in Pflegeheimen berichtet, die aufgrund der fehlenden Zuwendung ähnliche Symptome zeigen, etwa Depressionen, Ängstlichkeit und Reizbarkeit.

Kaspar Hauser war ein Kind, das viele Jahre lang in einem dunklen Verlies bei Wasser und Brot eingesperrt verbracht hatte. Kaspar Hauser war verstört und kaum fähig zu sprechen, da vollständiger Reizentzug und Misshandlungen zu einer erheblichen Einschränkung der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie zu extremer Ängstlichkeit geführt hatten. Kaspar Hausers Geschichte beginnt mit seinem mysteriösen Auftauchen 1828 in Nürnberg und endet nur fünf Jahre später mit seinem ebenso mysteriösen Tod. Als Kaspar Hauser in Nürnberg auftaucht, hält man ihn zunächst für einen Betrunkenen. Anders lässt sich den Passanten nicht erklären, weshalb der etwa 16-Jährige sich so schlecht auf den Beinen halten und kaum sprechen kann. Schließlich bringt man den Unbekannten zum Ausnüchtern in eine Arrestzelle auf der Nürnberger Burg, doch sein Zustand bessert sich nicht. Zwei anonyme Briefe, die Kaspar bei sich trägt, weisen darauf hin, dass der Junge absichtlich in Nürnberg abgesetzt wurde. Hauser ist in miserablem körperlichen und geistigen Zustand, sein Skelett ist deformiert, er kann nur unter größten Anstrengungen aufrecht gehen, verträgt außer Brot keine feste Nahrung und stammelt nur vereinzelte Worte. In verworrenen Aussagen macht Hauser klar, dass er über Jahre in einem dunklen Kellerverlies eingesperrt war, ohne jeglichen menschlichen Kontakt. Einzelne Aussagen ließen auch vermuten, dass er ohne jeglichen Sozialkontakt in einem lichtlosen Kellerverlies gefangen gehalten worden war.  Da der Fall auch international auf Interesse stößt, wird Kaspar Hauser zum „Kind Europas“. Ein Mordanschlag beendete sein Leben mit nur einundzwanzig Jahren.

Literatur

Pflug, I. (2012). Rätsel seiner und unserer Zeit: Das Kind Europas.
WWW: http://www.br.de/franken/inhalt/frankenkult-ur/kaspar-hauser-lebensdaten100.html (13-02-02)



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