Man kann die Welt oder sich selbst ändern.
Das Zweite ist schwieriger.
Mark Twain

Ich verstehe nicht, warum sich die Menschen vor neuen Ideen fürchten.
Ich fürchte mich vor den alten.
John Cage

Für Wunder muss man beten, für Veränderung aber arbeiten.
Thomas von Aquin

Eine wesentliche Zielsetzung der Psychologie besteht darin, gezielt auf ihren Gegenstand einzuwirken und ihn in einer bestimmten Weise zu verändern. Solche Veränderungs- und Interventionsaufgaben sind vor allem in der praktisch-psychologischen Tätigkeit von Bedeutung. Dabei lassen sich drei Arten von Veränderungsaufgaben unterscheiden:

  • Korrektur: Ein problematischer Ist-Zustand soll aufgehoben werden, etwa eine Depression im Rahmen einer Psychotherapie.
  • Optimierung: Ein künftiger positiver Zustand wird angestrebt, etwa in der Erziehung oder Ausbildung.
  • Prävention: Es soll verhindert werden, dass ein problematischer Ausgangszustand überhaupt erst eintritt, etwa das Erlernen von Techniken zur Stressbewältigung.

Zwischen diesen drei Veränderungsaufgaben bestehen fließende Übergänge, denn so kann etwa eine Beratung im Rahmen einer schulpsychologischen Tätigkeit der Korrektur, Förderung und Prävention gleichermaßen dienen.

Im Zusammenhang mit Veränderungsaufgaben in der Psychologie zeigen sich zahlreiche Probleme hinsichtlich der Zielsetzungen, der Mittel und der Durchführbarkeit, denn Interventionen finden immer in einem gesellschaftlichen Kontext statt, der etwa die Auswahl an möglichen Zielen und Mitteln einschränkt. Veränderungen gestalten sich daher in der psychologischen Praxis jedoch meist schwierig, denn so stellt sich etwa die Frage, worauf genau die Intervention abzielt, welcher Zielzustand z.B. den problematischen Ausgangszustand ersetzen soll. Zielsetzungen enthalten immer auch Bewertungen, wobei immer zu fragen ist, ob ein bestimmtes Ziel überhaupt erstrebenswert ist. Aber auch wenn ein bestimmtes Ziel einmal festgelegt ist, schließt sich die Frage an, mit welchen Mitteln dieses Ziel erreicht werden soll. Zunächst stellt sich die Frage nach der Ursache eines Problems, d. h., das Problem ist zunächst zu erklären. Geeignete Mittel der Veränderung können immer nur vor dem Hintergrund von Erklärungen festgelegt werden, denn auch bei gegebenen Mitteln ergibt sich das Bewertungsproblem, ob die Mittel im konkreten Fall akzeptabel sind oder nicht? So wurde etwa zur Therapie von Phobien die Technik des flooding (Konfrontationstherapie) entwickelt, bei der KlientInnen massiv und ohne Ausweichmöglichkeiten mit den angstauslösenden Stimuli konfrontiert werden. Auch wenn diese Technik effektiv ist, stellt sich aber die Frage, inwieweit es ethisch gerechtfertigt ist, einen konkreten Menschen dem resultierenden Stress auszusetzen.


Lange dachte man, dass die menschlichen Gehirne schnell auf alle möglichen neuen Reize reagieren. Das ist aber meist nicht der Fall, denn Gehirne bereiten sich auf Grund gemachter Erfahrungen in ähnlichen Situationen auf wahrscheinliche Reize in der aktuellen Situation vor. Wenn dann keine ähnlichen Erfahrungen vorhanden sind, entsteht Unsicherheit über die Situation, da diese möglicherweise Gefahren enthält, auf die man sich einstellen muss. Durch dieses negative Gefühl entsteht die Frage, ob sich eine bevorstehende Anstrengung für die Verarbeitung des Neuen wirklich lohnt. Menschen haben zwar von Natur aus nichts gegen Veränderungen, denn Veränderung ist das Grundprinzip von allem Lebendigen, doch Menschen haben etwas gegen sinnlose Veränderungen. Das Neue kostet immer mehr Energie als das Alte und die Aussicht auf einen erhöhten Energieverbrauch löst eine Warnung aus, die sich schlecht anfühlt. Durch das Bewusstwerden dieser Problematik können Menschen aber die Wahrscheinlichkeit reduzieren, eine solche Stoffwechselbotschaft inhaltlich zu interpretieren.



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