leichte kognitive Störung

In der gerontopsychologischen Forschung verwendet man in neuester Zeit häufig den Begriff der leichten kognitiven Störung – mild cognitive impairment -, wobei man darunter kognitive Defizite subsumiert, die über die Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit infolge des physiologischen Alterungsprozesses hinausgehen, aber nicht den Schweregrad einer dementiellen Erkrankung zeigen. Zwar handelt es sich bei der leichten kognitiven Störung noch um keinen einheitlichen Begriff, zentral sind aber bei diesem Symptombild leichte Beeinträchtigungen des Gedächtnisses bei sonst unauffälligen Leistungen in anderen kognitiven Bereichen. Nach Petersen et al. (1999) definierte man folgende Kriterien:

  • Subjektive Gedächtnisstörungen (evtl. bestätigt durch Bezugspersonen).
  • Keine Beeinträchtigungen in den Alltagsaktivitäten.
  • Normales allgemeines kognitives Funktionsniveau.
  • Objektivierbare Störungen des episodischen Gedächtnisses.
  • Keine Demenz.

Auch eine Chemotherapie führt häufig zu langfristigen kognitiven Defiziten. Bei einer Chemotherapie werden dem Körper Zellgifte verabreicht, wodurch nicht nur die Tumorzellen sondern auch das Gehirn leidet. Viele Betroffene erleben dann, dass sie kognitiv weniger leistungsfähig sind und auch noch Jahre nach Abschluss der Behandlung kommt es zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen bis hin zu motorischen Problemen. Dieses unter dem Begriff Chemobrain bekannte Phänomen fällt bei Kindern häufig besonders extrem aus. Gibson et al. (2018) haben nun bei Mäusen herausgefunden, dass die verabreichten Mittel gleich drei unterschiedliche Zelltypen in der weißen Substanz beeinflussen, sodass es durch ein gestörtes Wechselspiel zwischen diesen Zellen zu einem anhaltenden Defizit in der Myelinisierung kommt und wichtige Gliazellen nicht heranreifen können. Als Folge schrumpft die schützende Isolierschicht um die Nervenfasern und es entstehen diese kognitiven Probleme. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Chemotherapie mit einer anhaltenden tri-glialen Dysregulation verbunden ist und eine Behandlung der entzündlichen Mikroglia notwendig wäre, um chemotherapeutisch bedingte kognitive Beeinträchtigungen wieder aufzuheben.

Persönlichkeit und kognitive Störungen

Menschen mit einem hohen Maß an Gewissenhaftigkeit und einem niedrigen Maß an Neurotizismus entwickeln seltener leichte kognitive Beeinträchtigungen. Menschen, die gut organisiert sind und ein hohes Maß an Selbstdisziplin aufweisen, haben ein geringeres Risiko, im Alter eine leichte kognitive Beeinträchtigung zu entwickeln, während Menschen, die launisch oder emotional instabil sind, mit größerer Wahrscheinlichkeit einen kognitiven Rückgang im Alter erleiden. Dies geht aus einer Studie von Yoneda et al. (2022) hervor. Darüber hinaus war es bei Menschen mit geringerem Neurotizismus und höherer Extraversion wahrscheinlicher, dass sie nach einer früheren Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung wieder eine normale kognitive Funktion erlangten, was darauf hindeutet, dass diese Eigenschaften auch dann noch schützend wirken können, wenn jemand bereits an Demenz erkrankt ist. Im Falle der Extraversion könnte dieses Ergebnis ein Hinweis auf die Vorteile sozialer Interaktion für die Verbesserung der kognitiven Ergebnisse sein.

Literatur

Gibson, Erin M. et al. (2018). Methotrexate Chemotherapy Induces Persistent Tri-glial Dysregulation that Underlies Chemotherapy-Related Cognitive Impairment. Cell, doi:10.1016/j.cell.2018.10.049.
Petersen, R.C., Smith, G.E., Waring, S.C., Ivnik, R.J., Tangalos, E.G., & Kokmen, E. (1999). Mild cognitive impairment: Clinical characterization and outcome. Archives of Neurology, 56, 303-308.
Stangl, W. (2022, 13. April). Persönlichkeitsmerkmale und kognitive Funktionen im späteren Leben. Psychologie-News.
https:// psychologie-news.stangl.eu/4133/persoenlichkeitsmerkmale-kognitive-funktionen-im-spaeteren-leben.
Yoneda, T., Graham, E., Lozinski, T., Bennett, D. A., Mroczek, D., Piccinin, A. M., Hofer, S. M., & Muniz-Terrera, G. (2022). Personality traits, cognitive states, and mortality in older adulthood. Journal of personality and social psychology, doi:10.1037/pspp0000418.



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