Konsensprinzip

Als Konsensprinzip bezeichnet man in der Attributionstheorie der sozialen Wahrnehmung die Tendenz, dass viele Menschen glauben, andere Menschen dächten und handelten mehrheitlich wie sie selber. Man erklärt dies damit, dass die meisten Menschen auch mehr Menschen aus ihrem eigenen Milieu, d.h., von ihrer speziellen Art, kennen als andere. Im übrigen hängt die Personenwahrnehmung stark davon ab, ob eine bestimmte Abhängigkeit zu der beobachteten Person besteht oder nicht, denn bei steigender Abhängigkeit etwa durch einen höheren Status werden andere stärker mit positiven Personeneigenschaften belegt und als sympathischer beurteilt. Besonders deutlich wird das in Attributionsstudien, die zeigen, dass bei geliebten Personen Erfolge häufiger internal und Misserfolge häufiger external attribuiert wurden, jedoch bei weniger beliebten Personen genau das Gegenteil geschieht. In den Gehorsamsexperimenten von Milgram zeigte sich die Tendenz, bestrafendendes Verhalten gegenüber abhängigen Personen damit zu begründen, dass deren Misserfolge auf Grund schlechter Lernerfolge Faulheit oder Dummheit attribuiert wurden.

LehrerInnen versuchen auf Grund dieser Phänomene ihre Schulleistungsbeurteilungen häufig objektiv abzusichern, TherapeutInnen setzen sich bewusst mit Übertragung und Gegenübertragung auseinander, Polizisten in kleinen Gemeinden werden nach einer bestimmten Zahl von Dienstjahren versetzt.

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