Deprivation
1. Definition
Bezeichnet den Entzug oder das Vorenthalten von bedürfnisbefriedigenden Objekten oder Reizen. Vor allem wird die Deprivation als soziales Phänomen bzw. als soziale Isolation beobachtet. Zur Klärung der Bedeutung werden mit Deprivationsexperimenten (besonders bei Tieren) die Auswirkungen von Hunger und Durst, der Schlafentzug, die langfristige Wirkung sozialer Isolation z.B. an verwaisten Kindern erforscht (vgl. Häcker 1956, S. 153).
2. Definition
Bezeichnet einen Zustand des Entzuges oder Mangels, wobei die Psychologie interessiert vorwiegend der Mangel an mütterlicher Zuwendung und Obsorge, der bei Kindern zu einer Vielzahl von psychologischen Problemen führt (vgl. Cohen 1995, S. 66).
3. Definition
Meint einen seelischen Entbehrungszustand, in dem triebgesteuerte oder erlernte Bedürfnisse infolge Mangel-, Verlust-, oder Entzugssituationen nicht oder nur teilweise erfüllt werden können. Das Individuum versucht zunächst, diesen Zustand durch eigene Aktivität zu beenden, reagiert bei längerdauernder Deprivation jedoch mit zunehmend depressiven Verhalten (vgl. Cohen 1990, S. 72f).
4. Definition
Die Psychologie meint mit Deprivation einen Zustand der Entbehrung, der dadurch herbei geführt wird, dass die Individuen ihre erlernten Bedürfnisse nicht oder lediglich teilweise befriedigen können (vgl. Reisenauer 1988, S. 28).
5. Definition
„Das Fehlen oder die experimentelle Ausschaltung von Reizen (sensorische Deprivation) oder Objekten der Bedürfnisbefriedigung (z.B. Schlafentzug) oder von sozialen Kontakten (soziale Deprivation) führt zu unterschiedlichen starken halluzinatorischen, neurotischen Verhaltens- oder sonstigen Störungen (z.B. das Fehlen der elterlichen Zuwendung bei Heimkindern zu Hospitalismus)“ (vgl. Brockhaus 1996).
Verwendete Literatur
Brockhaus (1996). Die Enzyklopädie in 24 Bänden. Leipzig. Brockhaus Verlag.
Cohen, D. (1990). Lexikon der Psychologie. London: Verlag Heyne Bücher.
Cohen, D. (1995). Lexikon der Psychologie. London: Verlag Heyne Bücher.
Häcker, H. (1998) Psychologisches Wörterbuch. Bern: Verlag Huber.
Reisenauer, B. (1988). Deprivationsbereiche durch Arbeitslosigkeit. Diplomarbeit. Linz. Institut für Gesellschaftspolitik.
Beispiel für Deprivation: Schlafentzug
Der Mensch und praktisch alle Tiere brauchen Schlaf, obwohl der Körper erstaunlich lange ohne ihn auskommt, wobei der Weltrekord derzeit bei 266 Stunden liegt. Zahllose Experimente haben gezeigt, dass der Entzug von Schlaf verheerende Folgen nicht nur für die körperliche, sondern auch für die psychische Gesundheit hat. Die erste Nacht stellt meist kein Problem dar, denn es herrscht aufgeräumte Stimmung. In der zweiten Nacht schlafen die Versuchspersonen bei Testaufgaben ein, bestreiten das aber vehement. Am dritten Tag verfliegt die Euphorie, die Teilnehmer reagieren unwirsch. In der vierten Nacht müssen sie mit Gymnastik oder Spaziergängen wach gehalten werden. Mikro-Schlafperioden häufen sich: Der Einnickende hält in seiner Tätigkeit inne und starrt sekundenlang ins Leere. Traumähnliche Halluzinationen greifen in den Wachzustand über.
In Schlafentzugsexperimenten, die länger als vier Tage dauern, kommt es zu Wahnideen. Die Versuchspersonen vermuten, dass hinter ihrem Rücken Dinge vorgehen, die man ihnen verschweigt. Weniger bedrohlich sind die physischen Folgen: brennende Augen, schwere Lider, Gliederschmerzen, Zittern und Gefühlsstörungen in Armen und Beinen. Länger andauernder Schlafentzug wird zur Folter.
